IT- und Beratungsaufträge
Filz-Verdacht bei der Bundesanwaltschaft: Aufsichtsbehörde überprüft Laubers Vergabepraxis

Die Bundesanwaltschaft unter Michael Lauber vergibt ihre IT- und Beratungsaufträge fast ohne Ausnahme freihändig. Zum Zug kommen seit Laubers Amtsantritt 2012 zudem auffallend oft die gleichen Firmen: Acht Aufträge erhielt das Beratungsunternehmen PwC, fünf die IT-Sicherheitsfirma Swiss Infosec.

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Bundesanwalt Michael Lauber. (Archiv)

Bundesanwalt Michael Lauber. (Archiv)

KEYSTONE/TI-PRESS/GABRIELE PUTZU

Das zeigt eine Liste, deren Herausgabe die «Schweiz am Sonntag» gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz erwirkt hat. Beide Firmen haben einen exzellenten Draht zur BA: Ein ex-PwC-Berater ist mittlerweile Laubers Generalsekretär.

Der Inhaber von Swiss Infosec ist ein Studien- und Verbindungskollege des Bundesanwalts. Im Umfeld der Behörde wird deswegen seit längerem von Amigo-Praktiken gesprochen und davon, dass gewisse Aufträge gestückelt worden seien, damit der Auftragswert unter der Ausschreibungsgrenze bleibe.

Die BA dagegen betont, dass sämtliche „Auftragsvergaben gestützt auf die einschlägigen rechtlichen Grundlagen“ erfolgen. Die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft „AB-BA“ hat sich allerdings eingeschaltet, sie untersucht die Vergabepraxis, wie Präsident und Bundesrichter Niklaus Oberholzer der Zeitung sagte.

Marc Steiner, Beschaffungsexperte von Transparency International (TI) und Bundesverwaltungsrichter, wies gegenüber der „Schweiz am Sonntag“ darauf hin, dass freihändige Vergaben problematisch sind: Könne ein Anbieter damit rechnen, dass er regelmässig freihändig zu Zug komme, schaffe das den Anreiz, beim Offerieren überhöhte Gewinnmargen einzurechnen.

Zudem erinnert Steiner an das Zerstückelungsverbot, das allenfalls verletzt werde. „Zerstückeln heisst, dass grosse Aufträge in kleine aufgeteilt werden, um die Pflicht zur öffentlichen Ausschreibung zu umgehen. Das war auch ein Teilelement des Insieme-Debakels“, so der Bundesverwaltungsrichter.