Feiern, wenn die Sonne brennt: Können Daydance-Partys den Clubsommer retten?

Wegen der frühen Polizeistunde planen Event-Veranstalter, Partys bereits am Nachmittag zu starten. Derweil sorgen die Abstandsregeln für Verzweiflung bei den Disco-Betreibern.

Adrian Müller/watson.ch
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Wie hier am Lettenfest drängen sich normalerweise hunderte Menschen an den Daydance-Partys des "Primitivo" am Oberen Letten in Zürich. Foto: ZVG

Wie hier am Lettenfest drängen sich normalerweise hunderte Menschen an den Daydance-Partys des "Primitivo" am Oberen Letten in Zürich. Foto: ZVG

Nachtschwärmer müssen diesen Sommer früh starten, wenn sie so richtig abfeiern wollen. Der Bundesrat hat am Mittwoch entschieden, dass zwar alle Discos öffnen dürfen – aber die Club bereits um 24 Uhr wieder zumachen müssen. «Man kann auch am Tag Party machen», sagte Gesundheitsminister Alain Berset, der selbst gerne Elektro hört und schon im «Dachstock» der Berner Reitschule anzutreffen war.

Feiern, wenn die Sonne brennt: Der Berner Eventveranstalter Mosaik hat in den letzten Jahren immer wieder so genannte Daydance-Partys unter freiem Himmel organisiert. Und den Nerv der Zeit getroffen.

Der Rooftop-Rave zog in Bern 2019 hunderte Partygänger an. Foto: ZVG/Mosaik

Der Rooftop-Rave zog in Bern 2019 hunderte Partygänger an. Foto: ZVG/Mosaik

Daydance-Partys könnten den Partysommer 2020 retten. «Im Sommer wollen die Leute sowieso draussen feiern. Wir planen bereits verschiedene kleinere Openair-Daydance-Partys», sagt Camil Andrin Schmid von Mosaik zu watson.

Auch in Zürich sind Daydance-Partys ein Thema. Das «Sonnendeck Primitivo» am Oberen Letten veranstaltet pro Saison normalerweise vier grosse Openair-Sausen, an die jeweils bis 4000 Leute strömen. «Wir sind parat, bald wieder mit Partys loszulegen. Aber natürlich nicht in der Dimension wie in den letzten Jahren», sagt Markus Buner, Geschäftsführer des Primitivo, zu watson.

«Wir sind parat, bald wieder mit Partys loszulegen.» (Primitivo Oberer Letten)

Denn auch für Dayraves gilt die Pesonenbeschränkung von 300 Personen. Ebenso müssen die BAG-Abstandsregeln eingehalten werden. Diese sorgen in der Club-Branche weiter für Stirnrunzeln. Denn der Bund lässt pro vier Quadratmeter Fläche grundsätzlich nur eine Person zu. Zum Vergleich: In einer vollen Disco tummeln sich normalerweise vier Personen auf einem Quadratmeter. «Mit dieser Regel kann kein Club in der Schweiz nur annähernd wirtschaftlich betrieben werden», sagt Alexander Bücheli, Sprecher der Zürcher Bar- und Clubkommission Buck, dazu.

Bern soll Plätze für Partyvolk öffnen

Die Clubs brauchen also viel Platz, sehr viel Platz, um einen rentablen Betrieb führen zu können. Dies gilt auch für Openair-Partys. Max Reichen von der Berner Bar- und Clubkomission Buck fordert deshalb, dass die Stadtbehörden den Partymachern entgegenkommen und eine beschränkte Anzahl Events im öffentlichen Raum ermöglichen. «Orte wie der Kocherpark, der Waisenhausplatz oder das Marzili wären ideal, um kleinere Events zu veranstalten.» Welcher Club diese organisiere, sei sekundär. «Die beste Idee soll gewinnen», so Reichen.

Das Problem dürften aber auch hier lärmempfindliche Bürger sein. Denn kürzlich bodigten Anwohner die Zwischennutzung mit Bars und Clubs auf der Schützenmatte vor der Berner Reitschule. «Dieser Ort wäre eigentlich prädestiniert, Openair-Veranstaltungen durchzuführen», bedauert Reichen.

«Falls es an einer Party mit 300 Personen zu einem Corona-Fall kommt, dann werden unter Umständen alle weiteren 299 Besucher in Quarantäne gesteckt. Dessen muss man sich bewusst sein.» (Bund)

Verwirrung um Vier-Quadratmeter-Regel

Am Donnerstag krebste der Bund bereits wieder zurück. In einem Interview mit Tamedia sagte Michael Beer, der laut BAG beim Bund für die Clubs zuständig ist, die 4-Quardratmeter-Weisung sei hinfällig. In der Covid-Verordnung stehe etwas anderes. Bei Tanzlokalen müssten sich alle Besucherinnen registrieren. Ein Club müsse sich weiter in seinem Schutzkonzept genau überlegen, wie er sicherstelle, dass die Distanzregeln so gut und so vollständig wie nur möglich umgesetzt würden. «Beim Tanzen geht das nicht, aber in allen anderen Bereichen wohl schon», so Beer.

Das BAG schiebt mit den schwammigen Regeln die Verantwortung an die Clubs ab. Und droht mit Konsequenzen für Partybesucher: «Falls es an einer Party mit 300 Personen zu einem Corona-Fall kommt, dann werden unter Umständen alle weiteren 299 Besucher in Quarantäne gesteckt. Dessen muss man sich bewusst sein», so Beer weiter zu Tamedia. Infizierte Besucher könnten je nachdem sogar Schadenersatz einfordern.