Fehlender Abstand, Mängel bei den Kontaktdaten: Viele Betriebe fallen durch den Corona-Check

In den vergangenen Wochen haben die Kantone tausende Kontrollen in Restaurants, Diskotheken, Läden oder Coiffeursalons durchgeführt - und dabei viele Mängel festgestellt. Meist sind diese aber nicht gravierend.

Dominic Wirth
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Am häufigsten wurden Restaurants gerügt, weil sie die Kontaktdaten mangelhaft erhoben. Hierbei handelt es sich um ein Symbolbild.

Am häufigsten wurden Restaurants gerügt, weil sie die Kontaktdaten mangelhaft erhoben. Hierbei handelt es sich um ein Symbolbild.

Boris Bürgisser

Die Schutzkonzepte sind ein Pfeiler der Strategie, mit der die Schweiz das Coronavirus eindämmen will. Restaurants, Läden oder Diskotheken müssen sie umsetzen. Und so mithelfen, das Virus im Griff zu behalten. Doch oft passiert das nicht. Doch oft passiert das nicht. Das zeigt eine Erhebung dieser Zeitung – und das zeigen Zahlen, die von den Kantonen ans Bundesamt für Gesundheit gehen und von diesem nun auf seiner Website aufgeschaltet wurden.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben Arbeitsinspektoren, Polizisten und Mitarbeiter der Gesundheitsämter in den Kantonen tausende Kontrollen durchgeführt.

Sie sind dabei auf viele Mängel gestossen. Mitte August etwa kam es schweizweit in einer Woche zu 2871 Kontrollen. Insgesamt fanden die Kontrolleure dabei 707 Mängel. Ungefähr jeder vierte Betrieb fällt beim Corona-Check also durch, wobei mitunter bei einer Kontrolle mehrere Mängel festgestellt werden. Dieses Verhältnis ist seit Wochen ähnlich. Das zeigen die BAG-Zahlen.

Mängel bei Abstandsregeln, Maskentragpflicht

Ein Blick auf aktuelle Zahlen aus dem Kanton Zürich gibt Einblick, was konkret schief läuft. Im grössten Schweizer Kanton wurden in der letzten Septemberwoche insgesamt 475 Kontrollen durchgeführt, darunter gut die Hälfte in Restaurants. Am häufigsten – in 35 Fällen - wurden diese gerügt, weil sie die Kontaktdaten mangelhaft erhoben; in 19 Fällen war die Einhaltung der Abstandsregeln nicht gegeben. Von den 84 kontrollierten Einkaufsläden wiesen sechs Mängel bei der Einhaltung der Maskentragpflicht auf. Von 41 Diskotheken erhoben 5 die Kontaktdaten nicht zur Zufriedenheit der Kontrolleure.

In Basel ist Stephan Gassmann, Leiter Planungskoordination beim Gesundheitsdepartement, verantwortlich für die Kontrolle der Schutzkonzepte. Insgesamt 2030 Kontrollen hat der Kanton bisher durchgeführt. In der Regel, sagt Gassmann, schicke man Zweierteams zu den Kontrollen. Diese erfolgen ohne Voranmeldung. Die Kontrolleure arbeiten einen Protokollbogen ab. Liegt ein Schutzkonzept auf? Stimmt der Abstand zwischen den Tischen? Tragen die Coiffeure Masken? Stimmen die Telefonnummern auf den Kontaktlisten?

In 909 Fällen hat man in Basel-Stadt Mängel festgestellt. Im schweizweiten Vergleich ist das im Verhältnis zu den durchgeführten Kontrollen ein hoher Wert. Stephan Gassmann relativiert. «Es handelt sich meist um Kleinigkeiten, die schnell behoben sind», sagt er. Grossmehrheitlich sei Disziplin gut, der Kooperationswille hoch – von ein paar «schwarzen Schafen» abgesehen. Es ist eine Einschätzung, die man auch aus anderen Kantonen hört.

Liegt ein Mangel vor, folgt am nächsten Tag ein weiterer Besuch. Wenn er nicht behoben ist, flattert eine eingeschriebene Verfügung ins Haus. Und falls sich auch dann noch nichts tut, wird der Betrieb vorübergehend geschlossen. Insgesamt 15mal hat man in Basel schon zu diesem letzten Mittel gegriffen. Meist waren Bordelle betroffen – weil etwa das Desinfektionsmittel wiederholt fehlte oder beim Empfang des Freiers wiederholt keine Schutzmaske getragen wurde. Auch ein Coiffeur musste vorübergehend zumachen, weil er wiederholt keine Schutzmaske trug.

Basler greifen am härtesten durch

Im nationalen Vergleich hat kein Kanton häufiger als Basel-Stadt einen Betrieb geschlossen. Viele Kantone gingen noch nie so weit; selbst grosse wie Bern oder die Waadt. St. Gallen wurde bisher ein Betrieb geschlossen, im Kanton Solothurn waren es mit 14 nach Basel-Stadt die zweitmeisten.

Stephan Gassmann hat in Basel zuletzt festgestellt, dass die Disziplin nachlässt. Man wolle deshalb künftig strenger sein, so Gassmann. Konkret will der Kanton vermehrt Verfügungen und Bussen aussprechen. «Wir wollen damit zeigen, dass es weiter ernst gilt, die Pandemie nicht ausgestanden ist – das zeigen ja auch die Fallzahlen», sagt Gassmann.

Die Kontrollen der Schutzkonzepte führte im Juli zu einem Streit zwischen dem Bundesamt für Gesundheit und den Kantonen. Damals erliess das Amt eine Weisung, wonach die Kantone die Kontrollen hochzufahren hätten. Das verursachte einigen Unmut bei den Adressaten, verfehlte die Wirkung aber nicht: die Zahl der Kontrollen stieg von knapp 900 Mitte Juli auf fast 3000 im August. Zuletzt, Mitte September, sank sie wieder auf 2000 Kontrollen pro Woche. Aktuellere Zahlen liegen derzeit nicht vor. Die Entwicklung kommentiert das BAG auf Anfrage inhaltlich nicht. Es teilt lediglich mit, die Rückmeldungen aus den Kantonen zeigten, dass die Kontrollen durchgeführt würden.