FDP setzt auf die Karte Aufbruch

Die FDP schickt Christian Lüscher und Didier Burkhalter ins Rennen um die Nachfolge von Pascal Couchepin. Was machen die anderen Parteien? Die CVP kürt am 8. September einen Kandidaten, die Grünen verzichten, die SVP zögert.

Jürg Ackermann
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Überraschendes Zweierticket: FDP-Kandidaten Didier Burkhalter (links) und Christian Lüscher. (Bild: ky)

Überraschendes Zweierticket: FDP-Kandidaten Didier Burkhalter (links) und Christian Lüscher. (Bild: ky)

bern. Mit dem Zweierticket setzt die FDP auch auf die Karte «Jugend». Mehrere Fraktionsmitglieder bestätigten nach der Nomination, dass der 46jährige Christian Lüscher und der 49jährige Didier Burkhalter auch den Generationenwechsel innerhalb der Partei symbolisieren sollen.

«Wir wollten klare Verhältnisse schaffen» sagte Fraktionschefin Gabi Huber zur raschen Nominierung. Dass die FDP mit dem Zweierticket eine Auswahl stelle, habe Tradition. Zwar habe man auch eine Kandidatur von Fulvio Pelli in Betracht gezogen.

Bei einer «Interessenabwägung» sei man aber zum Entschluss gelangt, Pelli als Präsidenten zu behalten. «Wir brauchen ihn für die Wahlen 2011», sagte Huber. Pelli zeigte sich nicht enttäuscht über den Ausgang der Abstimmung. «Ich bin zufrieden und froh, dass die Fraktion Mut gezeigt hat und dem Druck anderer Parteien nicht gewichen ist», sagte er und betonte: «Wir spielen unser Spiel.»

CVP nominiert am 8. September

Knapp drei Wochen vor der Ersatzwahl in den Bundesrat schlugen gestern auch die anderen Parteien weitere Pflöcke ein. Überraschungen blieben aber aus: Dass die CVP den zweiten Sitz zurückerobern will, gab sie schon lange bekannt. Dass sie nur mit einem Kandidaten antritt, überrascht ebenso wenig. Haushoher Favorit für die parteiinterne Ausmarchung vom 8. September ist Urs Schwaller.

Der Freiburger Ständerat ist in der aktuellen Konstellation realistischerweise der einzige CVP-Vertreter, der gegen die beiden FDP-Kandidaten Burkhalter und Lüscher bestehen kann.

Grüne eher für Schwaller?

Definitiv auf eine eigene Kandidatur verzichtet haben gestern die Grünen, nachdem sie zuletzt zweimal mit Luc Recordon angetreten waren. Ob sie der FDP oder der CVP den Vorzug geben, darauf wollten sich die Grünen noch nicht festlegen.

«Wir werden denjenigen Kandidaten unterstützen, der uns in ökologischen und sozialen Fragen am nächsten steht», sagte Parteipräsident Ueli Leuenberger. Dieses Anforderungsprofil würde eher für Urs Schwaller sprechen. Da die Grünen mittelfristig aber mit einem eigenen Sitz im Bundesrat liebäugeln, werden bei der Wahl am 16. September auch parteistrategische Überlegungen Gewicht haben. Genauso wie bei der SP, die wohl das Zünglein an der Waage spielen wird.

In einem Interview mit der NZZ gab Parteipräsident Christian Levrat gestern bekannt, dass für ihn die Wahl eines CVP-Kandidaten kein Bruch mit der Konkordanz wäre. Dennoch darf auch Didier Burkhalter auf Stimmen von links hoffen, zumal Urs Schwaller als Deutschfreiburger bei welschen SP-Vertretern einen schweren Stand haben dürfte.

SVP zögert

Noch nicht festgelegt hat sich die SVP. Bei der gestrigen Fraktionssitzung sprachen sich am Nachmittag zahlreiche Mitglieder für eine eigene Kandidatur aus. Nach der Nomination von Christian Lüscher dürfte sich dies nun jedoch ändern. Parteipräsident Toni Brunner hatte zuletzt verschiedentlich betont, er könne es sich vorstellen, einen Kandidaten wie Lüscher zu unterstützten.