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Fantasie-König spricht in bezahltem Interview über «satanisches System»: Nun krebst der Fernsehsender Schweiz 5 zurück

«Schweiz 5» bietet gegen Geld Esoterikern, Reichsbürgern und Sektenführern eine Plattform. Im Mai war Peter Fitzek, selbst ernannter «König von Deutschland», zu Gast. Nun rückt der Fernsehsender von seiner Linie ab: Jemand wie Fitzek bekommt keine Sendung mehr.
Leo Eiholzer
Bezahltes Interview: Peter Fitzek, «König von Deutschland» (links), und Moderator Norbert Brakenwagen. (Quelle: Youtube/timetodotv)

Bezahltes Interview: Peter Fitzek, «König von Deutschland» (links), und Moderator Norbert Brakenwagen. (Quelle: Youtube/timetodotv)

«Herzlich willkommen im Studio, Peter der Erste, König von Deutschland!» So beginnt eine Ausgabe der Sendung «Time-to-do» auf dem TV-Sender «Schweiz 5». Dreimal pro Woche preisen zur besten Zeit Geistheiler, Astrologen und andere Esoteriker ihre Produkte oder Dienstleistungen an. Sofern sie bezahlen. Denn was daherkommt wie eine journalistische Sendung, ist ein gekaufter Deal: Jeder Gast bezahlt für seinen Auftritt 2000 Franken an die Firma des Moderators Norbert Brakenwagen.

An diesem Tag im Mai sitzt Peter Fitzek im Studio. Ein gelernter Koch, der mit seinen Anhängern mitten in Ostdeutschland eine eigene Monarchie ausgerufen hat. «König» Fitzek wird vom deutschen Inlandsgeheimdienst beobachtet, weil dieser ihn der Reichsbürger-Bewegung zurechnet; Menschen, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland leugnen. Fitzek selbst bestreitet, ein Reichsbürger zu sein. Er sass im Gefängnis, weil er illegal eine Krankenversicherung für sein Fantasie-Königreich betrieben hat und ohne Führerschein Auto gefahren ist. Dieser Mann steht für den andern Gäste-Typ der Sendung: Sektenführer, Verschwörungstheoretiker, Pseudo-Monarchen.

Sektenexperte Georg Otto Schmid von Relinfo kennt «Time-to-do» seit Jahren: «Brakenwagen hat einen enormen Einfluss in der Esoterik-Szene», sagt er. «Wir erleben immer wieder Menschen, die über die Sendung zu Beratungen oder Seminaren kommen, über die sie dann in umstrittene Gemeinschaften geraten.»

Werbebestimmungen wurden nicht verletzt

Die Sendung schlüpft durch die Gesetzes-Maschen. Denn Redaktionen müssen gemäss Radio- und Fernsehgesetz Tatsachen so darstellen, dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann. Bei «Time-to-do» darf Fantasie-König Fitzek ohne lästige kritische Fragen über das «satanische System» schwadronieren und über ein Bankenkartell, das ihn zu ermorden versucht habe.

Der Grund, warum das geht, findet sich in der rechten oberen Bildecke. Blass flimmert da «Werbesendung». Für Werbung gelten schwächere Bestimmungen. 2016 wurde «Schweiz 5» wegen «Time-to-do» vom Bundesamt für Kommunikation gebüsst, weil die Sendung nicht als Werbung gekennzeichnet war. Der Sender machte sich zudem der gesundheitsgefährdenden Werbung schuldig. Nun läuft die Sendung einige Sekunden verzögert. Bei wohl rechtswidrigem Inhalt wird der Ton ausgeblendet. Der Bund hat die Sendung mit Fitzek und zwei weitere geprüft, sieht jedoch keinen aufsichtsrechtlichen Handlungsbedarf; die Werbebestimmungen seien nicht verletzt.

An «Schweiz 5» und damit an der Sendung «Time-to-do» verdienen die grossen Schweizer Provider mit: Swisscom, Sunrise und UPC haben «Schweiz 5» alle im Angebot. Fürs Weiterverbreiten werden sie bezahlt. Auf Anfrage zieht keiner der Provider in Betracht, den Sender aus dem Programm zu nehmen. Sie verweisen auf den Bund.

Geschäftsführerin: Jemand wie «König » Fitzek bekommt keine Sendung mehr

Doch dem Sender selbst passen offenbar die eigenen Inhalte nicht mehr. Geschäftsführerin Stefanie Viertler schreibt auf Anfrage, dass jemand wie Peter Fitzek künftig keine Sendung mehr bekomme. Warum? «Ohne Gründe.» Der Verwaltungsrat habe das entschieden. Wenn alle Urteile gegen Fitzek aufgehoben würden, dürfe dieser das aber auch sagen. Mit aufgehobenen Urteilen rechtfertigt Viertler auch das unkritische Interview. Allerdings ist eines der Urteile rechtskräftig. Und im Verwaltungsrat sitzt auch Brakenwagen, der Fitzeks Ideen «alle super» findet. Zu der Einschätzung des Sektenexperten schreibt Viertler: «Wir zwingen niemanden, in ein Seminar, respektive dann in eine Sekte zu gehen.» Brakenwagen sei auf Sendung, weil der eigenfinanzierte Sender Einnahmen generieren müsse. «Schweiz 5» bestreitet seinen Betrieb grösstenteils mit Esoterik-Shows. Einige Male pro Monat werden Talks der Zeitung «Schweizerzeit» von Alt-SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer gesendet.

In 1640 Sendungen noch nie einen Gast kritisiert

Im Gespräch mit Moderator Brakenwagen wird schnell klar, dass er ein Überzeugungstäter ist. Der 63-jährige Deutsche spricht viel und schnell über den Staat Schweiz, der angeblich beginne, Firmenstrukturen anzunehmen, darüber, dass es im Moment drei Evolutionsstufen von Menschen gebe, und dass die Schweiz eine Person, einen obersten Souverän brauche, der ein Veto-Recht gegen Parlamentsentscheidungen habe. Dass seine Firma 2000 Franken von den Gästen bekommt, räumt er offen ein. «Ich habe in Internet-Videos schon gesagt, wie ich arbeite.» Der Moderator sagt selbst, er habe in 1640 Ausgaben noch nie einen Gast kritisiert: «Dafür gibt es andere Sendungen».

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