Fall Sonko wird zur Staatsaffäre

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Untersuchung Die Bundesanwaltschaft (BA) übernimmt vom Kanton Bern das Strafverfahren gegen den ehemaligen gambischen Minister Ousman Sonko. Es lägen genügend Elemente vor, die den Verdacht auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht ausschliessen würden, teilte die BA gestern mit. Der als Asylsuchender in die Schweiz eingereiste Sonko, dem auch Folter vorgeworfen wird, war Ende Januar für bis zu drei Monate in Untersuchungshaft genommen worden.

Die Bundesanwaltschaft äusserte sich erstmals auch zu den Vorabklärungen und reagierte damit auf die Kritik, die in den vergangenen Tagen laut geworden war. Politiker von links und rechts hatten wenig Verständnis gezeigt, dass die BA nicht von Anfang an ein Strafverfahren gegen Sonko eingeleitet hatte. Denn die BA wäre für den Straftatbestand «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» zuständig.

Zunächst kein Haftgrund

Dass sich der Gambier in der Schweiz befand, erfuhr die Bundesanwaltschaft nach eigenen Angaben am 29. November. Sie wurde vom Bundesamt für Polizei darüber informiert, dass der ehemalige Minister 19 Tage zuvor ein Asylgesuch gestellt hatte. Ein Grund, den Mann in Haft zu nehmen, war laut BA zunächst aber nicht ersichtlich. Die Behörde verwies auf die Verhältnismässigkeit und auf Ergebnisse von Abklärungen. Die Abteilung Rechtshilfe und Völkerstrafrecht der BA erteilte der Bundespolizei einen Tag später einen ersten sogenannten Vorermittlungsauftrag. Neues ergab sich, als die Berner Justiz am 26. Januar eine Untersuchung gegen den Ex-Minister eröffnete. Der Gambier wurde festgenommen.

Auslöser war eine Strafanzeige der Nichtregierungsorganisation Trial International. Diese wirft dem Gambier vor, an Folterungen in dem westafrikanischen Land beteiligt gewesen zu sein. Trial begrüsste gestern das Vorgehen der Behörden. Angesichts der Vorbereitungen für einen demokratischen Übergang in Gambia könne das Verfahren gegen Sonko Symbol der Hoffnung für viele Opfer werden. (sda)