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Fall ETH: Mobbenden Professoren soll das Gehalt gekürzt werden

An jeder Universität werden Doktoranden schikaniert, sagt der Präsident aller Schweizer Akademien. Er fordert deshalb neue Sanktionsmöglichkeiten.
Yannick Nock
Der Mobbing-Affäre der ETH sorgt seit Monaten für Schlagzeilen. (Bild: Keystone)

Der Mobbing-Affäre der ETH sorgt seit Monaten für Schlagzeilen. (Bild: Keystone)

Die Macht der Professoren bröckelt. Nach dem Mobbing-Fall an der ETH Zürich reagieren mehrere Universitäten und wollen den Doktorvater abschaffen. Künftig sollen Doktorierende nicht bloss von einer Person betreut werden. Doch reicht das?

«An jeder Universität gibt es Professoren, die sich grenzwertig gegenüber ihren Doktoranden verhalten», sagt Antonio Loprieno, Präsident der Akademien der Wissenschaften Schweiz und ehemaliger Rektor der Universität Basel. Er selbst musste sich in seiner zehnjährigen Amtszeit um einige schwierige Fälle kümmern.

Mini-Diktatoren in ihrem Reich

2007 entliess er gar einen Professor der Philosophisch-Historischen Fakultät, der sich mit sämtlichen Kollegen und seinen Doktoranden verkrachte, was allerdings einen Rechtsstreit nach sich zog. Das Problem: Professoren sind fast unkündbar.

Was Akademiker einst vor Einflussnahme aus der Politik schützen sollte, kann den Hochschulen heute schaden. Professoren herrschen über ihre Abteilung wie Könige über ihr Reich. Als «Mini-Diktatoren» werden einige hinter vorgehaltener Hand bezeichnet.

«Ausser einer Kündigung können Universitäten Fehlverhalten kaum sanktionieren», sagt Loprieno. Dabei würden mildere Massnahmen helfen, eine Eskalation zu vermeiden, ist er überzeugt. So wie in den USA. Dort kann die Hochschulleitung bei schlechter Personalführung früh eingreifen und beispielsweise die nächste Gehaltsstufe des Professors aussetzen – oder gleich das Gehalt für einige Monate kürzen. Selbst Top-Universitäten bedienen sich dieses Mittels. «Das wäre für die Schweiz eine sinnvolle Option», sagt Loprieno.

Antonio Loprieno: «An jeder Universität gibt es Mobbing-Fälle.» (Bild: Roland Schmid)

Antonio Loprieno: «An jeder Universität gibt es Mobbing-Fälle.» (Bild: Roland Schmid)

An der Universität Zürich, der grössten des Landes, ist zumindest eine Hürde eingebaut. In die nächst höhere Gehaltsstufe kommen Professoren nur, wenn sie eine positive Mitarbeiterbewertung erhalten. Eine Gehaltskürzung ist laut Rektor Michael Hengartner hingegen nicht möglich, dafür müsste der Kanton erst das Reglement ändern. «Wenn die Sanktionen nützen und schwierige Fälle nicht eskalieren, wäre es einen Versuch wert», sagt er. Allerdings bezweifelt Hengartner die Wirkung. Professoren ginge es in der Regel kaum ums Gehalt, sondern in erster Linie um ihre Forschung.

Keine Ausnahme: Weitere Fälle dürften folgen

Akademien-Präsident Loprieno geht davon aus, dass im Zuge der ETH-Affäre weitere Mobbing-Fälle an Schweizer Universitäten publik werden. Zwar sei die Zahl der Professoren, die ihre Doktoranden schlecht behandeln, sehr tief, aber jeder Machtmissbrauch sei einer zu viel.

Die Vorkommnisse an der ETH Zürich, samt Entlassung der umstrittenen Astronomie-Professorin Marcella Carollo, haben eine Debatte über den Umgang an den Hochschulen entfacht. Die Professorin soll jahrelang Doktoranden systematisch schikaniert haben. Diese spricht ihrerseits von einem privaten Rachefeldzug gegen sie.

Anfang Woche stützte der ETH-Rat allerdings den Entlassungs-Entscheid. Nun ist es nach den zahlreichen Anschuldigungen, Untersuchungen und Berichten vorerst still um die Affäre. Carollo lässt über ihren Anwalt ausrichten, dass sie vorerst nichts sagt. Ihre Kollegin, Physik-Professorin Ursula Keller, die im Zuge der Entlassung der ETH Korruption und Sexismus vorwarf, reagiert auf Anfragen nicht. Die ETH selbst wartet ab. Vermutlich wird Carollos Rechtsanwalt den Entscheid anfechten. Egal wie es ausgeht, die Macht der Professoren bröckelt.

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