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Exodus bei der Ruag

Die Ruag kommt nicht zur Ruhe: Drei Kadermitglieder verlassen die für Kampfjets zuständige Abteilung, um die sich ein Strafverfahren der Bundesanwaltschaft dreht. Zwei wechseln zu den Kampfjet-Anbietern.
Eva Novak
Baustelle Ruag Aviation: Die Geschäftsleitung erleidet einen empfindlichen Aderlass. (Themenbild: Eveline Beerkircher)

Baustelle Ruag Aviation: Die Geschäftsleitung erleidet einen empfindlichen Aderlass. (Themenbild: Eveline Beerkircher)

Eben noch hat er den Vertrieb und das Marketing der Ruag Aviation geleitet, jener Abteilung des bundeseigenen Rüstungs- und Technologiekonzerns Ruag, welche sich um Kampfjets, Armeehelikopter und ein bisschen auch um zivile Flugzeuge kümmert. Seit Montag dieser Woche hat Martin P. Büsser ­einen neuen Job. Er ist «Gripen-Direktor für die Schweiz», wie Saab stolz vermeldete.

Der schwedische Rüstungskonzern, der der Schweiz erneut seinen Kampfjet beliebt machen möchte, hebt in der Medienmitteilung die umfangreichen Erfahrungen und das breite Netzwerk seines neuen Direktors hervor. «Unter seiner Führung wird Saab gut positioniert sein, um die Kandidatur des Unternehmens für die neuen Schweizer Kampfflugzeuge zum Erfolg zu führen», lässt sich Magnus Lewis Olsson zitieren, Leiter des Marktgebiets Europa bei Saab.

Auch Rafale kann auf Insiderwissen zählen

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Gemäss Informationen dieser Zeitung hat sich auch der französische Dassault-Konzern die Dienste eines Kadermitglieds von Ruag Aviation gesichert. Nur einen Monat später, am kommen­den 1. November, soll Büssers ehemaliger Stellvertreter und Marketing-Direktor Pirmin Berger die Arbeit im Berner Büro des Herstellers des Kampfjets Rafale aufnehmen, um sich der Indus­triebeteiligungen und Kompensationsgeschäfte anzunehmen.

Beide haben gerade rechtzeitig gewechselt, um ihr Know-how in die erste Offerte einfliessen zu lassen, die die Schweiz bis Ende Januar 2019 von den Herstellern verlangt. Ende des laufenden Jahres geht auch Heinz Scholl, die Nummer zwei der Ruag Aviation. Wohin der Leiter der Business Unit Military Aviation wechselt, ist nicht bekannt. Angeblich nicht zu einem der verbleibenden drei Kampfjet-Anbieter Airbus, Lockheed und Boing, wie in der Branche kolportiert wird.

Sicher ist hingegen: Die elfköpfige Geschäftsleitung des für die Flugzeugbetreuung zuständigen Konzernbereichs des Rüstungsunternehmens im Besitz der Eidgenossenschaft, der vergangenes Jahr einen Nettoumsatz von 515 Millionen Franken aufwies, erleidet einen empfindlichen Aderlass. Dass dies ausgerechnet jetzt geschieht, ist für Insider kein Zufall. Bis 2020 soll die Ruag in zwei Teile gespalten werden: Die eine Gesellschaft soll künftig nur noch die Ausrüstung der Schweizer Armee sicherstellen, die andere zivile und militärische Leistungen am Markt anbieten.

Bundesanwaltschaft ermittelt

Gleichzeitig steht Ruag Aviation im Mittelpunkt von Ermittlungen der Bundesanwaltschaft. Seit bald zwei Jahren geht diese der Frage nach, ob dem Verteidigungsdepartement VBS überhöhte Rechnungen gestellt wurden, um auf diese Weise unprofitable Geschäfte im zivilen Bereich querzusubventionieren. Das im Dezember 2016 eröffnete Strafverfahren sei nach wie vor hängig, bestätigt eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft auf Anfrage. Die Ruag betont derweil, dass sich dieses nicht gegen den Konzern richte, sondern gegen unbekannt.

Solange die Ergebnisse nicht vorliegen, geben Sicherheitspolitikern im Parlament vor allem die beiden Wechsel zu den Kampf­jet-Herstellern zu denken. Diese zeigten, wie hart der Konkurrenzkampf zwischen den Anbietern sei, sagt die Zürcher SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf: «Die setzen alle Hebel in Bewegung.»

Direkter Wechsel vom Besteller zum Anbieter

Der grünliberale Aargauer Nationalrat Beat Flach weist darauf hin, dass die Ruag eng verbunden sei mit der Bundes-Rüstungsbeschafferin Armasuisse und dem Verteidigungsdepartement, und folgert daraus: «Wenn vom Besteller direkt zum Anbieter gewechselt wird, habe ich Mühe.» Man müsste zumindest für eine Karenzfrist sorgen, verlangt Flach. Sonst könnten sich Saab und Dassault Vorteile verschaffen.

Ähnlich sieht es der Schwyzer CVP-Nationalrat Alois Gmür: «Für die beiden Anbieter ist es sicher ein Vorteil, dass sie zwei Insider mit den entsprechenden Kontakten und Kenntnissen der Schweizer Luftwaffe und ihrer Bedürfnisse anwerben konnten», erklärt er.

Beunruhigt zeigt sich auch der St. Galler Freisinnige Walter Müller. Überzeugen müssten die Anbieter mit der Qualität des Produkts, nicht mit den besseren Lobbyisten. Nun müsse man bei Gripen und Rafale besonders kritisch hinschauen.

Oder, mit den Worten des Zürcher Grünen Balthasar Glättli: «Solche Vorgänge haben ein unangenehmes Gschmäckle.»

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