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Interview

Ex-Geisel Max Göldi: «Nach meiner Freilassung fiel ich in ein Loch»

Max Göldi wurde zwei Jahre lang als Geisel in Libyen gefangen gehalten. Seither gibt es für ihn ein Danach und ein Davor. Hier spricht er über das Danach.
Andreas Maurer

Max Göldi wählt einen privaten Rahmen, um seine private Geschichte zu erzählen. Das Interview gibt der 63-Jährige in einer Stube seiner Verlegerin. Viele Männer in seinem Alter, die eine dramatische Geschichte wie er erlebt haben, würden nun zu langen Reden ausholen. Göldi ist anders. Er gibt höflich Auskunft, sagt aber kein Wort mehr als nötig. Am liebsten wäre ihm, man liesse sein Tagebuch für sich sprechen. Dieses endet allerdings am Tag seiner Befreiung. Seither gibt es für ihn ein Danach und ein Davor. Hier spricht er über das Danach.

Max Göldi würde nicht mehr in arabische Länder reisen. Bild: Mischa Christen

Max Göldi würde nicht mehr in arabische Länder reisen. Bild: Mischa Christen

Max Göldi, am 14. Juni 2010 landeten Sie, nach zweijähriger Zeit als Geisel in Libyen, mit dem Bundesratsjet in der Schweiz und begannen ein neues Leben. Was war das Schwierigste dabei?

Bei der Landung in Zürich war ich euphorisch. Doch danach fiel ich in ein Loch. Ich hatte während mehrerer Wochen Mühe, zurück in mein normales Leben zu finden. Am schwierigsten war, dass ich plötzlich wieder selber entscheiden konnte: Was mache ich heute? Was plane ich morgen? Zuvor war ich abhängig von anderen Leuten, und zeitweise konnte ich nicht einmal selber bestimmen, wann ich auf die Toilette gehe. Ich musste an die Türe klopfen und warten.

Sie hatten Ihre Frau fast zwei Jahre lang nicht mehr gesehen. Wie veränderte das Ihre Beziehung?

Die Episode hat unsere Verbindung gestärkt. Aber unsere Beziehung hat sich nicht grundlegend verändert. Wir haben unser bisheriges Zusammenleben wieder weitergeführt wie zuvor.

Wie hat sich Ihre berufliche Karriere entwickelt?

Ich liess mich zuerst freistellen, um mich neu zu orientieren. Die ABB liess mir bei der Stellensuche freie Wahl und hätte mir wohl praktisch jeden Wunsch erfüllt. Ich habe mich entschieden, keine Führungsposition mehr zu übernehmen. Ich wollte mehr oder weniger alleine arbeiten, ohne eigene Mitarbeiter, und wählte eine Marketing-Stelle in Japan, wo meine Frau herkommt. Ich arbeitete für den Re-Export und versuchte die ABB einzubringen, wenn Japaner irgendwo auf der Welt ein Kraftwerk oder Industrieanlagen bauen wollten.

Vor zwei Jahren liessen Sie sich frühpensionieren, um an Ihrem Buch zu arbeiten und das Geschehene zu verarbeiten. Wie gelang Ihnen das?

Emotional bin ich ein ausgeglichener Mensch. Ich war nie der Typ, der mal total euphorisch ist und dann wieder total deprimiert, zudem habe ich einen eher trockenen Humor. Das merkt man beim Lesen meines Buches. Auch in schwierigen Phasen mache ich keine grossen Gefühlssprünge. Das Schreiben tat mir ganz einfach gut, um das Erlebte zu verarbeiten.

Ihr Buch endet mit dem Satz, es werde immer ein Davor und ein Danach geben. Wie ist das Danach?

Ich denke jeden Tag an meine Zeit in Libyen. Inzwischen erinnere ich mich aber vor allem an die schönen und lustigen Momente, die es damals auch gab. Über viele Vorfälle und Episoden, die ich in der Schweizer Botschaft in Tripolis erlebte, kann ich heute lachen. Im Nachhinein erscheinen mir viele Situationen, die mir damals Angst machten, skurril. Zum Beispiel die seltsamen Gerichtsprozesse.

Sind Sie dadurch ein misstrauischer Mensch geworden?

Nein, aber meine Welt ist klein geworden. Früher wäre ich für meinen Beruf in jedes Land gereist. Ich hatte sogar Freude daran. Heute würde ich nicht mehr freiwillig in arabische Länder reisen. Aber das muss ich ohnehin nicht mehr, schliesslich bin ich im Ruhestand.

Wie ist Ihr Leben als Pensionär?

Ich führe ein Leben wie jeder andere Pensionär.

Sie leben nicht mehr in der Schweiz und halten Ihren neuen Wohnort geheim. Mit Ihrem Buch suchen Sie die Öffentlichkeit, Sie wehren sich aber dagegen, eine öffentliche Figur zu werden.

Ich mache jetzt ein bisschen Marketing für mein Buch, weil ich einen Beitrag dafür leisten möchte, dass die Libyen-Affäre von A bis Z dokumentiert ist. Persönlich möchte ich aber meine Ruhe haben. Deshalb werde ich danach wieder aus der Öffentlichkeit verschwinden.

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