Es geht nicht nur um Geld, es geht auch um Würde

Nach dem Nationalrat hat jetzt auch der Ständerat der Entschädigung der Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen zugestimmt. Zudem sollen die Geschehnisse umfassend wissenschaftlich aufgearbeitet werden.

Richard Clavadetscher
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Nach dem Nationalrat hat jetzt auch der Ständerat der Entschädigung der Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen zugestimmt. Zudem sollen die Geschehnisse umfassend wissenschaftlich aufgearbeitet werden. Das geht mit dem Gegenvorschlag, dem das Parlament nun zustimmte, schneller als mit der Wiedergutmachungs-Initiative. Angesichts des fortgeschrittenen Alters der noch lebenden Opfer ist dies von Bedeutung.

Die Wiedergutmachung ist also auf gutem Weg – könnte man sagen. Sollte man aber nicht. Denn angesichts der schweren psychischen und körperlichen Verletzungen, der sexuellen Übergriffe, der erzwungenen Sterilisationen, der administrativen Versorgungen und der Medikamentenversuche, um die es hier geht, ist das Wort Wiedergutmachung nichts anderes als ein Euphemismus.

Was jetzt geschieht, ist neben dem Ausrichten von finanzieller Genugtuung lediglich das überfällige Eingeständnis von Schuld und die Anerkennung der Würde der Betroffenen durch das eidgenössische Parlament – nicht mehr und nicht weniger. Nichts kann dabei wieder gutgemacht werden, denn die Wunden sind geschlagen und vernarbt. Immerhin können die Betroffenen heute und anders als früher diese Narben ohne Scham öffentlich zeigen und auf unser Mitgefühl zählen, statt diese Wundmale zu verstecken, wie sie es während so langer Zeit meinten tun zu müssen.

Bei aller Befriedigung über den zügig erfolgten positiven Parlamentsentscheid bleibt doch ein ungutes Gefühl. Denn dieser Entscheid ist nur unter dem Druck der Wiedergutmachungs-Initiative zustande gekommen. Ohne ihn hätten die letzten Opfer diese Genugtuung sehr wahrscheinlich gar nicht mehr erleben dürfen.