Bildsungsbericht

Erziehungsdirektorin Steiner: «Allein Zürich benötigt 10'000 neue Lehrstellen»

Silvia Steiner, Präsidentin der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren, will Kleinkinder fördern und mehr Lehrstellen schaffen.

Yannick Nock
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«Manchmal schleppen Kinder die Nachteile ein Leben lang mit sich.»

«Manchmal schleppen Kinder die Nachteile ein Leben lang mit sich.»

KEYSTONE

Frau Steiner, der Bildungsbericht offenbart grosse Leistungsunterschiede zwischen Schweizern und Schülern mit Migrationshintergrund. Die Differenzen sind schon im Kindergarten zu sehen. Müssen die Kinder früher gefördert werden?

Silvia Steiner: Ja, bei uns in Zürich, aber auch auf Bundesebene ist die Frühförderung ein wichtiges Thema. Wir werden grössere Anstrengungen unternehmen, um diese Lücken zu schliessen. Sonst schleppen Kinder die Nachteile bis zum Ende der Schulzeit mit sich. Manchmal sogar ein ganzes Leben.

Was wollen Sie konkret tun?

Wichtig ist, die Eltern und Familien mit ins Boot zu holen. Es liegt besonders an ihnen, ihre Kinder auf die Schule und den Kindergarten vorzubereiten. Wir wollen Eltern animieren, mehr mit ihren Kindern zu sprechen, zu diskutieren und ihnen Geschichten vorzulesen. So lernen sie den sozialen Austausch.

Welche anderen Schlüsse lassen sich aus dem Bildungsbericht ziehen?

Es ist noch zu früh, um Schlüsse zu ziehen. Wir müssen den Bericht zuerst sorgfältig analysieren. Ein erster Eindruck bestärkt mich aber darin, dass wir in den letzten Jahren die richtigen Weichen gestellt haben und auf einem guten Weg sind.

Was hat Sie im Bericht besonders überrascht?

Die Frage nach dem prüfungsfreien Zutritt an die Mittelschulen hat erstaunlich klare Ergebnisse hervorgebracht. Wie viele Schüler die Maturität schaffen, hängt anscheinend stark von den unterschiedlichen Selektionsmassnahmen in den Kantonen ab, also ob man für die Aufnahme ans Gymnasium eine Prüfung machen muss oder nicht. Mit diesen Unterschieden müssen wir leben, da auch die demografische und wirtschaftliche Situation in den Kantonen eine grosse Rolle spielt. Trotzdem bleibt es Aufgabe der Kantone, dafür zu sorgen, dass ihre Maturanden an den Hochschulen bestehen können. Das scheint nicht immer der Fall zu sein.

Die Demografie sorgt auch für steigende Schülerzahlen. Bis 2025 werden in manchen Kantonen, darunter Zürich und Basel-Stadt, neue Höchstwerte erreicht. Wie bereiten Sie sich darauf vor?

Die Zunahme betrifft vor allem die urbanen Gebiete. Im Kanton Zürich sind wir seit einigen Jahren bereits in der Vorbereitung und Planung für den Schüleranstieg. So bauen wir zwei neue Gymnasien und schaffen auch genügend Plätze für die Berufsschüler. Ausserdem sind wir mit den Unternehmen im ständigen Austausch, um bei der Berufslehre gewappnet zu sein und genügend Lehrstellen anzubieten. In zehn Jahren werden wir allein im Kanton Zürich rund 10'000 zusätzliche Lehrstellen benötigen. Das wird eine grosse Herausforderung.