Wegen Menschenrechtsverletzungen: Erste Austritte aus Protest beim WWF

Die Tierschutzstiftung WWF soll in Asien und Afrika skrupellose Wildhüter angeheuert haben. Die Enthüllungen haben in der Schweiz bereits zu Austritten geführt. Geldgeber wie Migros oder Coop wollen an der Zusammenarbeit festhalten.

Daniel Fuchs
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Sexuelle Gewalt, Folter, Mord – vielen der 270000 Schweizer Spenderinnen und Spender von WWF erging es diese Woche ähnlich wie Regula Bachmann-Steiner, Sektionspräsidentin des WWF Aargau. Sie traute ihren Augen nicht, als sie die Schlagzeilen über ihre Organisation las. In Ländern wie Kongo, Kamerun oder Nepal sollen vom WWF bezahlte Wildhüter gefoltert und gemordet haben, bei ihrem Kampf gegen die Wilderei Menschenrechte mit Füssen getreten haben.

Die WWF-Kantonalsektionen zwischen Basel und St. Gallen geben sich bedeckt. Bachmann-Steiner von der Aargauer Sektion ist eine der wenigen Sektionspräsidentinnen, die sich äussern mögen. «Der WWF muss der Sache unbedingt auf den Grund gehen. Das wühlt uns in den Sektionen sehr stark auf, und ich will unbedingt wissen, was da genau vor sich gegangen ist», sagt sie auf Anfrage. Am Mittwoch habe sie sich deswegen in einer E-Mail an die WWF-Zentrale in Zürich gewandt.

Mitglieder sind beunruhigt

Solche Meldungen an die Zentrale gingen auch aus anderen Sektionen ein. Und schon morgen Samstag werden die Menschenrechtsverletzungen Thema an der WWF-Präsidentenkonferenz in Bern, an der alle 23 Schweizer Sektionen vertreten sind. Der WWF-Schweiz-CEO Thomas Vellacott werde dort über die Anschuldigungen und die Aufarbeitung informieren. Das habe WWF Schweiz in einer Mail an die Regionalpräsidenten geschrieben, sagt Jörg Häfliger, Präsident der WWF-Sektion Luzern. Die Kantonalsektionen fürchten um den guten Ruf ihrer Organisation. Diese ist auf Spenden angewiesen. Letztes Jahr waren es in der Schweiz knapp 40 Millionen Franken.

Die Verärgerung der Mitglieder ist bereits spürbar, wenn auch erst vereinzelt. «Heute hatten wir 13 Austritte, die wir im Kontext des ‹Buzzfeed›-Artikels sehen», schreibt WWF Schweiz gestern Abend auf Anfrage. Das Onlinemedium «Buzzfeed» hatte zusammen mit Partnern die aufwendige Recherche veröffentlicht.

Andere Mitglieder, so WWF Schweiz, seien beunruhigt wegen der Reputation des WWF. «Sie bitten uns, die Vorwürfe schnell und sauber aufzuarbeiten.» Das hat der WWF versprochen.

Eine gründliche Aufarbeitung erwarten aber nicht nur die Mitglieder in den Sektionen, sondern auch wichtige Geldgeber aus der Wirtschaft. Bis zu sechs Millionen Franken jährlich erhält der WWF Schweiz allein von Migros und Coop zusammen. Beide halten an der Partnerschaft mit dem WWF fest. Andere bekannte Geldgeber des WWF heissen Emmi, Ikea, Lidl oder Swisscom. Keiner der insgesamt elf Firmenpartner will zum jetzigen Zeitpunkt die Partnerschaft beenden.