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Erhebung zeigt: Schweizer Lehrer leisten bis zu 300 Stunden Überzeit jährlich – ohne Entschädigung

Der Schweizerische Dachverband der Lehrer liess seine Mitglieder zum dritten Mal innert 20 Jahren die Arbeitszeit protokollieren. Die Auswertung zeigt: Ausgerechnet bei Teilzeitpensen ist die zeitliche Arbeitsbelastung überproportional hoch.
Evelyne Fischer

Hiesige Lehrer haben die höchsten Sollarbeitszeiten aller OECD-Staaten und leisten unbezahlte Überstunden in dreistelliger Millionenhöhe: Dies ist ein Fazit der Arbeitszeiterhebung, welche der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer der Schweiz (LCH) heute publik gemacht hat.

Lehrerinnen und Lehrer in der Schweiz leisten viel Überzeit. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, Glarus, 17. Mai 2018)

Lehrerinnen und Lehrer in der Schweiz leisten viel Überzeit. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, Glarus, 17. Mai 2018)

39'600 Mitglieder wurden zwischen Oktober 2017 und September 2018 aufgefordert, während einer Woche ihre Arbeitszeit zu protokollieren. 10'000 Deutschschweizer Lehrer und 800 schulische Heilpädagogen machten mit. Dies entspricht laut Mitteilung einer repräsentativen Rücklaufquote von 31 Prozent. Erstmals beteiligte sich auch der Westschweizer Dachverband.

Deutschschweiz: Zwischen 8,6 und 16 Prozent unbezahlte Überzeit

Bereits 1999 und 2009 hat der LCH die Jahresarbeitszeit von Lehrpersonen wissenschaftlich erheben lassen. Die neue Untersuchung zeigt: Je nach Stufe beträgt die Jahresarbeitszeit – hochgerechnet auf ein Vollpensum – zwischen 2080 und 2222 Stunden. Sie liegt damit deutlich über dem durchschnittlichen Soll von 1916 Stunden. Gegenüber der letzten Erhebung vor zehn Jahren ist zwar eine Verbesserung erkennbar: Damals leisteten Vollzeit-Lehrer über drei Wochen Überstunden ohne Kompensationsmöglichkeit. Der LCH hält fest:

«Die verfügbaren Ressourcen und die Anforderungen im Lehrberuf stehen aber nach wie vor in keinem ausgewogenen Verhältnis.»

Gemäss dem Verband lässt sich die Abnahme durch gesteigerte Effizienz, langfristigere Planung und weniger Weiterbildungen erklären. Die Auswertung in der Romandie ergibt: Hier leisten die Lehrer über alle Stufen gerechnet eine Überzeit in der Höhe von zwei Prozent. Die Jahresarbeitszeit für ein Vollzeitäquivalent liegt bei 1892 Stunden, während die Referenzarbeitszeit in der Romandie 1853 Stunden beträgt.

Wie die beiden Dachverbände aus den Resultaten schliessen, reduzieren ihre Mitglieder das Pensum, um eine Überlastung zu vermeiden. Das habe einen hohen Preis. Denn:

«Je tiefer das Arbeitspensum ist, desto mehr Überstunden fallen proportional an.»

Bei einem Pensum von weniger als 50 Stellenprozenten übersteigt die Jahresarbeitszeit das Soll um bis zu einem Viertel. Der LCH resümiert: Der Berufsauftrag lässt sich mit den verfügbaren zeitlichen Ressourcen nicht erfüllen – gerade auch mit Blick auf die gestiegenen Unterrichtsanforderungen.

Dachverband fordert Entlastung

Aus der schweizweiten Erhebung leitet der Dachverband mehrere Forderungen ab: Soll der Berufsauftrag innerhalb der Referenzarbeitszeit erfüllbar sein, müssen Lehrer in unterrichtsbezogenen Tätigkeiten entlastet werden. Der LCH kritisiert die unbezahlte Überzeit und verlangt eine Senkung der Pflichtlektionenzahl, mehr Ressourcen für die Klassenleitung sowie mehr Zeit für Elternarbeit.

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