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ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT: Private sollen der Entwicklungshilfe Schub geben

Angesichts knapper Finanzen setzt der Bund auf die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Firmen sollen Know-how in arme Regionen bringen – und zunehmend auch Entwicklungsprogramme finanzieren.

Die Entwicklungsagenda der UNO ist ehrgeizig. So soll bis 2030 der Hunger aus der Welt verbannt sein. Zudem soll niemand mehr mit weniger als 1.25 Dollar pro Tag leben müssen.

Um dieses Ziel zu erreichen, stützt sich die öffentliche Hand zunehmend auf den privaten Sektor – auch die Schweiz. «Ohne aktive Beteiligung des Privatsektors werden wir die Entwicklungs­ziele der Agenda 2030 nicht er­reichen», sagte Manuel Sager gestern an der Jahresmedienkonferenz der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit. Der Deza-Chef kündigte an, die Zahl der Partnerschaften mit Firmen, Universitäten und NGO in den nächsten drei Jahren von 30 auf 60 zu verdoppeln. Er steckt grosse Hoffnungen in den privaten Sektor.

Es geht um den Wissenstransfer, bei dem die Deza auf die privaten Partner angewiesen ist, da sie nicht selbst forscht. So hat die Deza mit der ETH Lausanne sowie einem privaten Forschungskonsortium zum Beispiel eine neue Zementmischung entwickelt, die weniger Kohlendioxid verursacht. Wird diese weltweit angewendet, kann ein Prozent der globalen CO2-Emission eingespart werden, was dem achtfachen Gesamtausstoss der Schweiz entspricht.

Firmen tragen Kosten für erfolglose Programme

Doch nicht nur Wissen sollen Private weitergeben, auch Kapital. Die Deza experimentiert gegenwärtig mit neuen Finanzierungsmodellen. Grund dafür ist unter anderem der finanzielle Druck auf die Entwicklungshilfe, der bei jeder Sparrunde des Bundes grösser wird. «Innovative ­Finanzierungsmodelle sind gefragt», sagte Sager gestern. Er sprach von mehreren Pilotprojekten, die erfolgreich angelaufen seien. Weitere sind laut ihm in Vorbereitung.

Beispielhaft ist ein Projekt des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK). Eine private Investorengruppe rund um die Münchner Rückversicherungsgesellschaft Munich Re und die Schweizer Privatbank Lombard Odier investiert 26 Millionen Franken in den Aufbau von drei Rehabilitationszentren in Nigeria, Mali und der Demokratischen Republik Kongo, die körperlich behinderten Menschen Zugang zu medizinischen Geräten und Physiotherapie verschaffen sollen. Fünf Jahre, nachdem die Klinken ihren Betrieb aufgenommen haben, wird Bilanz gezogen. Werden die definierten Ziele erreicht, erhalten die privaten Investoren ihr Geld mit einer kleinen Prämie zurück. Die Kosten übernehmen in diesem Fall die Deza und Entwicklungsagenturen anderer Länder sowie eine spanische Stiftung, wobei die Schweiz maximal zehn Millionen Franken beiträgt. Sind die Kliniken hingegen ein Misserfolg, übernehmen die privaten Geldgeber die Kosten des Programms.

Die Vorteile für öffentliche Hand: Die Privatwirtschaft übernimmt die Vorfinanzierung und trägt das Risiko eines Fehlschlags. Die Schweiz kann im Gegenzug sicherstellen, dass die Steuergelder nur in Programme fliessen, die tatsächlich funktionieren. Firmen wiederum kommen ihrer sozialen Verantwortung nach, indem sie in Social ­Impact Bonds investieren, wie das Finanzierungsmodell in der Fachsprache heisst.

Engagiert ist die Schweiz auch bei einem Arbeitsmarktprogramm in Kolumbien. Mehrere Stiftungen haben sich bereiterklärt, ein Programm der kolumbianischen Regierung vorzufinanzieren, um einer Gruppe junger Arbeitsloser in Bogotá, Cali, und Pereira einen Job zu verschaffen. 514 Personen sollen dabei speziell geschult und bei der Jobsuche unterstützt werden. Je mehr von ihnen eine Stelle finden, desto höher fällt die Rückzahlung an die beteiligten Stiftungen aus. Die Schweiz hat sich verpflichtet, im Erfolgsfall maximal drei Millionen dieser Kosten zu tragen.

Vorerst geht es der Schweiz vor allem darum, das Potenzial dieser neuen Finanzierungsform zu testen. Bewährt sich das Modell, wird die Deza künftig verstärkt auf Social Impact Bonds setzen.

Roger Braun

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