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Natürlich hornlos liegt im Trend

Die schmerzhafte Enthornung muss nicht sein: Kühe können auch so gezüchtet werden, dass sie bereits hornlos auf die Welt kommen. Das wird bei den Bauern immer beliebter.
Michel Burtscher
Hornlose Kühe sind laut Experten einfach zu züchten. Bild: Ralf Menache / Getty

Hornlose Kühe sind laut Experten einfach zu züchten. Bild: Ralf Menache / Getty

Ein angenehmer Eingriff ist es sicher nicht, den die meisten Kälber in der Schweiz während der ersten Wochen ihres Lebens über sich ergehen lassen müssen: Mit einem Brennstab werden ihnen die Hornansätze ausgebrannt, um das Hornwachstum zu unterbinden. Von Gesetzes wegen müssen die Tiere dabei zwar betäubt sein, doch Schmerzen haben sie nachher trotzdem – und das wohl nachhaltig. Gemäss einer Studie der Universität Bern, über welche die Sonntagsausgabe unserer Zeitung berichtete, leiden 38 Prozent der Kälber gar drei Monate nach dem Eingriff noch immer an erhöhter Schmerzempfindlichkeit.

Für die Befürworter der Hornkuh-Initiative, über welche die Bevölkerung am 25. November abstimmt, ist deshalb klar: Die Enthornung sei ein «schmerzhafter und massiver» Eingriff, komme gar einer «Verstümmelung» gleich. Mit finanziellen Anreizen will die Volksinitiative darum erreichen, dass künftig weniger Tiere enthornt werden.

Jede siebte Samendose von natürlich hornlosem Stier

Doch bereits heute gibt es eine schmerzlose Alternative zum Enthornen: Die Tiere können genetisch so gezüchtet werden, dass sie hornlos auf die Welt kommen, ein Ausbrennen also gar nicht nötig ist. Das tut zwar erste eine kleine Minderheit der Landwirte in der Schweiz, doch ihre Zahl nimmt zu. «Der Anteil natürlich hornloser Kühe ist bei den meisten Rassen stark am Steigen», sagt René Bucher, Medienverantwortlicher bei Swissgenetics, dem grössten Produzenten von Sperma für die künstliche Befruchtung.

Es gibt zwar keine genauen Zahlen dazu, wie viele natürlich hornlose Kühe in den Schweizer Ställen und auf den Wiesen stehen. Doch der Trend ist eindeutig. Bei Swissgenetics stammt über alle Rassen gesehen jede siebte verkaufte Samendose von natürlich hornlosen Stieren – das ist deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren. Mit der steigenden Nachfrage hat auch das Angebot zugenommen. Swissgenetics verkauft im Moment Samendosen von rund 60 natürlich hornlosen Stieren. Während bei der Fleischzucht schon länger hornlose Tiere gezüchtet werden, steht man bei der Milchzucht noch am Anfang, wie Hannes Jörg, Professor für Tiergenetik an der Fachhochschule Bern, sagt. Laut Jörg haben gewisse Bauern bis heute Vorbehalte, weil sie glaubten, hornlose Kühe seien minderwertig, hätten beispielsweise eine geringere Milchleistung. «Wissenschaftlich konnten dafür bisher aber keine Beweise gefunden werden», sagt Jörg. «Es gibt keinen Unterschied zwischen behornten und hornlosen Kühe der gleichen Rasse – mit Ausnahme der Hörner natürlich, die bei den einen fehlen und bei den anderen nicht.» Ähnlich äussert sich auch René Bucher von Swissgenetics: Wenn die übrige züchterische Qualität eines natürlich hornlosen Stiers gleich gut sei wie jene eines nicht natürlich hornlosen Stiers, habe der Einsatz eines natürlich hornlosen Stiers nur Vorteile. «Im Verkauf sind die Samendosen dieser Stiere nicht teurer – zudem entfällt das relativ teuer und aufwendige Enthornen», sagt Bucher.

Tierschutzorganisation äussert sich skeptisch

Auch der Bundesrat sieht viel Potenzial in der Zucht von genetisch hornlosen Kühen: Dies ermögliche den Landwirten, in Zukunft auf das Enthornen zu verzichten, schreibt er in seiner Botschaft zur Hornkuh-Initiative. Gleichzeitig warnt die Landesregierung, dass diesem «Zukunftsszenario mit der Annahme der Initiative entgegengewirkt» würde.

Da Hornlosigkeit dominant vererbt wird, ist das Merkmal relativ einfach zu züchten. Schnell geht es aber nicht, bis eine ganze Herde auf diese Art hornlos ist. Hannes Jörg von der Fachhochschule Bern sagt: «Bis ein Bauer seinen ganzen Stall auf hornlose Kühe umgestellt hat, dauert es zehn bis zwanzig Jahre.» Das liege unter anderem daran, dass Landwirte ihre Tiere möglichst lang nutzen wollten, sagt Jörg.

Die Tierschutzorganisation KAGfreiland kann der Züchtung genetisch hornloser Tiere wenig abgewinnen. Co-Geschäftsleiterin Melanie Hohl sagt, dass man das aktuell zwar noch akzeptiere. Doch wolle man den Eingriff in die Tierzucht grundsätzlich vermeiden und die Zucht auf genetische Hornlosigkeit nicht fördern, betont Hohl. Für KAGfreiland ist dies ein «tiefer Eingriff in die genetischen Grundlagen der Tiere, die über Jahrtausende entstanden sind und die wir in kurzer Zeit wegzüchten und zerstören können». Hohl sagt: «Wir verlangen, dass die Haltungsbedingungen dem Tier angepasst werden, und nicht das Tier den Haltungsbedingungen.»

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