Energiesparer – kalt erwischt

«Energie-Vorbild Bund»: Der Titel des Berichts, den das Bundesamt für Energie gestern in Dübendorf präsentiert hat, verspricht nicht zu viel. Die Bundesverwaltung samt SBB, Post, Swisscom und Skyguide erweist sich darin als Musterknabe beziehungsweise -mädchen.

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«Energie-Vorbild Bund»: Der Titel des Berichts, den das Bundesamt für Energie gestern in Dübendorf präsentiert hat, verspricht nicht zu viel. Die Bundesverwaltung samt SBB, Post, Swisscom und Skyguide erweist sich darin als Musterknabe beziehungsweise -mädchen. Seit 2006 hat sie ihre Energieeffizienz um 26,7 Prozent gesteigert. Geplant waren nur 25 Prozent. Wie das die Beteiligten geschafft haben, wird selbstverständlich auch verraten. Schliesslich ist es das erklärte Ziel, mit gutem Beispiel voranzugehen und dem Rest des Landes zu zeigen, «wie es geht».

Offenbar mit viel Kreativität. So spart die Flugsicherung Skyguide Energie, indem sie die Instrumentenlandesysteme mit Drohnen anstelle von zweimotorigen bemannten Flugzeugen wartet. Mindestens so viel Einfallsreichtum beweisen die SBB: Sie setzen ihre Kundinnen und Kunden zur Energieproduktion ein. Nicht in den Zügen, aber auf den Rolltreppen, von denen sie landesweit 272 Stück betreiben. Die Idee, die in Genf Cornavin getestet wird, heisst «Rekuperation»: Fährt die mit Menschen besetzte Rolltreppe nach unten, wird der Motor zum Generator und speist Energie ins Netz zurück.

Bei diesen Highlights des vergangenen «Energie-Vorbild-Bund»-Jahres handelt es sich um spezifische Massnahmen. Schliesslich verfügt nicht jedes Unternehmen – egal ob privat oder im Besitz des Bundes – über 272 Rolltreppen. Daneben werden in dem Bericht 39 Massnahmen aufgelistet, zu denen sich sämtliche Akteure verpflichtet haben. Diese reichen vom Verzicht auf den Bau neuer Ölheizungen über die Förderung von Videokonferenzen bis hin zur Bereitstellung von Velos samt Parkplätzen.

Ob alle Massnahmen alle Bundesstellen gleichermassen erfreuen, ist eine andere Frage. Bei Neubauten und Sanierungen von WC-Anlagen zum Beispiel ist nur noch Kaltwasser erlaubt – während das Bundesamt für Gesundheit unbeirrt als Massnahme zur Grippevorbeugung empfiehlt, die Hände mit Seife und heissem Wasser zu waschen. Immerhin: In den Duschen, deren Bau für die zu fördernden Velofahrer ebenfalls forciert wird, darf weiterhin heiss geduscht werden. So werden die Bundesangestellten zwar vielleicht krank. Zumindest für gutes Raumklima ohne störenden Schweissgeruch ist aber gesorgt. (eno)