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Energieschub für Nationalrat Thomas Böhni

Nationalrat Thomas Böhni hatte gestern einen kurzen Arbeitsweg. Seinen himmelblauen Audi mit Thurgauer Nummernschild parkierte er mitten auf dem Bundesplatz. Normalerweise meidet der 50-Jährige Aufmerksamkeit.
Noemi Heule/Bern

Nationalrat Thomas Böhni hatte gestern einen kurzen Arbeitsweg. Seinen himmelblauen Audi mit Thurgauer Nummernschild parkierte er mitten auf dem Bundesplatz. Normalerweise meidet der 50-Jährige Aufmerksamkeit. Gestern fühlte er sich aber sichtlich wohl, als er vor Bundesrat Schneider-Ammann, Vertretern der Energie-Branche und Presse sein neustes Ansinnen vorstellte. Der Ingenieur, der im Rat in der ungeliebten Geschäftsprüfungskommission sitzt, konnte sich denn auch seiner Passion widmen: der Energiepolitik.

Diesel aus Kohlenstoff und Wasser

Nicht dem zehnjährigen Familienwagen galt auf dem Bundesplatz die Aufmerksamkeit, sondern dem Inhalt seines Tanks. Er war gefüllt mit synthetischem Diesel. Dieser wiederum setzt sich zusammen aus erneuerbarem Strom, Kohlendioxid und Wasser. Die ebenfalls anwesende Firma Climeworks – ein Spin-off der ETH – stellte einen Prototyp her, mit dem man CO2 aus der Luft gewinnen kann. Dieser wird mit Wasserstoff aus der Elektrolyse angereichert und so in einen flüssigen, dieselähnlichen Treibstoff verwandelt, erklärte Böhni. Allerdings: Um den synthetischen Energieträger herzustellen, ist selbst Energie nötig.

Investoren in den Startlöchern

Böhni möchte dafür Strom einsetzen, den die Wasserkraftwerke stetig überschüssig produzieren. Umgewandelt in flüssigen Treibstoff, liesse sich dieser sogar speichern. Und der Haken? «Der Haken ist, dass es keinen Haken gibt», sagte er und fügte an: «Das kann nur niemand so recht glauben.» Es sei deshalb noch viel Überzeugungsarbeit nötig. Und Entwicklungsarbeit: Noch seien viele Fragen offen. Um die Forschung zu betreiben, soll bald eine riesige Anlage gebaut werden. Investoren stehen in den Startlöchern. Sie drohen aber wieder abzuspringen, sollten die politischen Rahmenbedingungen nicht stimmen.

Damit es sich für die Geldgeber lohnen soll, müssten die Fahrzeuge von künftigen CO2-Abgaben befreit werden. Schliesslich seien die Fahrzeuge CO2-neutral, da sie kein «neues» CO2 produzieren, sondern lediglich jenes aus der Luft recyceln, so Böhni. Er hat im Parlament eine entsprechende Motion eingereicht. Die Vorlage wurde im Rat noch nicht besprochen, der Bundesrat allerdings empfiehlt, sie abzulehnen. «Zurzeit sind noch zahlreiche technische, ökologische, ökonomische und vollzugsspezifische Fragen offen», begründet die Regierung den Entscheid.

«Wiederwahl wäre Wunder»

Bis Ende Jahr möchte Böhni, der selbst mehrere Firmen im Bereich Energie aufgebaut hat, die politischen Weichen stellen. Ansonsten befürchtet er, «dass die Forschung ins Ausland verlagert wird». Ob er selbst dann noch im Nationalrat sitzt, ist fraglich. Als «typischer Hinterbänkler» und «Zufallskandidat» bezeichneten Ratskollegen den unscheinbaren Politiker zwei Jahre nach seiner Wahl. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Eine Wiederwahl im Herbst ist deshalb unwahrscheinlich. «Seine Wiederwahl wäre ein Wunder», schrieb kürzlich die «Aargauer Zeitung».

Bundesrats-Geleit nach Frauenfeld

Immerhin: Gestern beehrte ihn Bundesrat Schneider-Amman mit seiner Anwesenheit. Der Wirtschaftsminister lobte die Innovationskraft des Projekts. «Eine wahre Innovation definiert sich aber dadurch, dass jemand dafür zahlt», sagte er, bevor er Böhni eigenhändig den Tank mit der durchsichtigen Flüssigkeit füllte. Ob des hohen Besuchs war Böhni gar zum Spassen aufgelegt: Der Wirtschaftsminister habe sich bereit erklärt, das Auto zu fahren, solange der Treibstoff reiche. Sein Fahrzeug brauche aber nur 3,3 Liter auf 100 Kilometer: «Der Bundesrat muss mich wohl oder übel zurück nach Frauenfeld fahren.»

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