Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

ENERGIEPOLITIK: Der Atomlobby geht die Luft aus

Einst gefürchtet und angefeindet, hinterfragt die atomfreundliche Aves nach dem beschlossenen Atomausstieg ihre Existenzberechtigung. Gut möglich, dass der Verband bald der Vergangenheit angehört.
Roger Braun

Am Tag des Urnengangs zur Energiestrategie klang es noch kämpferisch. «Wir werden die Versprechen der Parteipräsidenten sehr genau beobachten», teilte die atomfreundliche «Aktion für eine vernünftige Energiepolitik Schweiz» (Aves) nach der Abstimmungsniederlage mit. Kritisch wollte sie prüfen, ob die Stromkosten wirklich nur um 40 Franken ansteigen und ob die kostendeckende Einspeisevergütung tatsächlich nach fünf Jahren abgeschafft wird.

Nur: Gegenwärtig stellt sich weniger die Frage, ob in fünf Jahren die Einspeisevergütung ausläuft, sondern ob es dann die Aves überhaupt noch gibt. Denn die Organisation stellt sich nach dem beschlossenen Atomausstieg die Frage, ob es sie noch braucht. An der letzten Vorstandssitzung gab es eine schonungslose Debatte über die Zukunft der Organisation. Dabei gab es auch Stimmen, welche ­ die Aves am liebsten auflösen würden.

Parlamentarier wenden sich ab

Ein Ende der Organisation wäre symbolträchtig. Die Aves ist nicht irgendein Wald-und-Wiesen-Verband, sondern brachte in der Vergangenheit das Blut links-grüner Atomgegner in Wallung. Für sie war die Aves das perfekte Beispiel für eine unheilvolle Nähe zwischen Politik und Wirtschaft. Auf dem Höhepunkt gehörten über 100 Bundesparlamentarier dem Verband an. «Die Atomlobby hat das Parlament fest im Griff», titelten die Medien noch im Jahr 2011, als die Stromkonzerne für ein neues Atomkraftwerk lobbyierten.

Dann kam der Reaktorunfall im japanischen Fukushima – und nicht nur der Stern der Atomenergie, sondern auch derjenige von Aves begann zu sinken. Die CVP wandelte sich unter ihrer Bundesrätin Doris Leuthard zur entschlossenen Ausstiegsbefürworterin, auch bei der FDP wagten sich immer weniger Vertreter, zur Atomenergie zu stehen. Mehrere Bundesparlamentarier verliessen die Organisation. Schlimmer noch: Kaum jemand trat der Aves nach erfolgreicher Wahl ins Bundesparlament bei. Heute gehören der Organisation nur noch 38 Bundesparlamentarier an. Zwei Drittel davon entstammt der SVP. Auch die Zahl der einfachen Mitglieder geht zurück. Einst waren es 6000, heute dürften es noch etwa 5000 sein. Viele einfache Mitglieder sind vor langer Zeit zur Organisation gestossen, nachdem diese im Jahr 1979 gegründet worden war. Die Aves gilt als überaltert.

Aves-Präsident Albert Rösti bestätigt die Grundsatzdiskussion im Vorstand. «Wir haben entschieden, dass die Geschäftsstelle ein Papier zur Zukunft der Aves erarbeiten wird und die Delegierten im November beschliessen, wie es weitergeht», sagt der SVP-Präsident. «Es gibt eine Vielzahl von Szenarien – von weiter wie bisher bis zur Auflösung der Organisation.»

In Betracht gezogen wird auch ein Namenswechsel inklusive einer Justierung des Vereinszwecks. Damit könnte sich die Organisation von der unpopulären Atomenergie lossagen und sich allgemein für eine marktnahe und günstige Stromversorgung einsetzen. Der Reiz läge ­darin, dass man das bestehende Netzwerk weiterverwenden könnte. Fraglich ist allerdings, ­ob man dafür Geldgeber finden wird. Viele Stromkonzerne sind inzwischen auch in den erneuerbaren Energien investiert. Sie profitieren von staatlichen Fördergeldern und haben deshalb wenig Interesse an einem marktnahen Modell.

Roger Braun

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.