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Embryo-Debatte geht bald weiter

Die Gegner der Präimplantationsdiagnostik geben nicht auf. Nun bekämpfen sie das Embryonen-Screening mit einem Referendum.
Jürg Ackermann
Gut bewegliche Spermien werden vor der Befruchtung isoliert. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Gut bewegliche Spermien werden vor der Befruchtung isoliert. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Es ist nur ein Halbsatz, der in der Verfassung angepasst wird. Doch kleine Änderungen können manchmal Grosses bewirken. Insbesondere für unfruchtbare Paare mit dringendem Kinderwunsch, insbesondere auch für die Fortpflanzungsmedizin in der Schweiz. «Dank dem Ja zur PID können wir mit weniger Aufwand mehr gesunde Kinder mit weniger Komplikationen auf die Welt bringen», sagt Christian De Geyter, der Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin. Das Ergebnis sei deshalb ein grosser Gewinn. Weil die Ärzte nun bis zu zwölf statt bisher nur drei befruchtete Eizellen ausserhalb des Mutterleibs entwickeln können, erhöhen sich die Chancen auf eine Schwangerschaft. Denn unter dem Mikroskop lässt sich innerhalb der ersten Tage nach der Vereinigung von Ei- und Samenzelle erkennen, welcher Embryo sich weiterentwickelt und welcher nicht.

«Ethisch unzumutbar»

Weil dieses Verfahren bisher in der Schweiz nicht möglich war, fürchteten nicht nur Reproduktionsmediziner eine Zunahme des «Fruchtbarkeits-Tourismus», zumal Österreich und Deutschland die PID seit kurzem ebenfalls erlauben. Einzelne grenznahe Kliniken erarbeiteten bereits Notfallszenarien. «Ein Nein hätte uns über Jahre hinaus völlig blockiert. Wir haben Kooperationen in Deutschland oder Österreich geprüft, weil wir unseren Patientinnen weiter hätten Embryonen einpflanzen müssen, von denen wir eigentlich hätten wissen können, dass sie nicht lebensfähig sind. Das wäre ethisch zunehmend unzumutbar geworden», sagt Felix Häberlin, Leitender Arzt der Fortpflanzungsmedizin am Kantonsspital St. Gallen.

EVP ist gerüstet

Während sich die Befürworter über das Ergebnis freuten, rüsteten sich die Gegner bereits für den nächsten Kampf. Weil das Parlament das Ausführungsgesetz schon beschlossen hat, läuft die 100tägige Referendumsfrist sofort an. Marianne Streiff, EVP-Nationalrätin und Co-Präsidentin des Nein-Komitees, wird sich mit ihren Mitstreitern aus verschiedenen Parteien und Behindertenorganisationen bald zu einer ersten Sitzung treffen. Dass die EVP das Referendum ergreifen wird, darüber gibt es keinen Zweifel. «Viele haben uns zugesichert, dass sie zwar für den Verfassungsartikel sind, das Ausführungsgesetz aber bekämpfen, weil es viel zu weit geht», sagt Streiff. Dass nicht nur erblich vorbelastete Eltern Embryonen auf Gendefekte untersuchen lassen könnten, sondern alle unfruchtbaren Paare, fördere die Selektion zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben. Insbesondere sei auch die Frage ungeklärt, was mit überzähligen Embryonen passiere.

Anders sehen dies die Fortpflanzungsmediziner. Christian De Geyter ist überzeugt, dass die Befürworter einer modernen Fortpflanzungsmedizin auch bei einem Referendum gute Karten haben. «Der jetzige Abstimmungskampf fand unter dem Titel PID statt. Das wird beim Referendum nicht anders sein. 62 Prozent haben heute Ja gestimmt. Daher bin ich optimistisch, dass das Volk auch ein zweites Mal Ja sagt.» Die Befürworter ziehen immer wieder auch den Vergleich zu Pränataltests während der Schwangerschaft. Die PID mache nichts anderes, als diese Untersuchungen beim Embryo – vor dem Einpflanzen in den Mutterleib – zu ermöglichen. Dadurch könnten spätere Schwangerschaftsabbrüche vermieden werden.

Wie viel darf die Medizin?

Sicher ist: Die Debatte über das Ausführungsgesetz wird nicht minder emotional verlaufen als die gestrige Verfassungsabstimmung. Denn erneut wird es um wichtige Grundsatzfragen gehen: Was darf die moderne Medizin? Wie viel ist dem Gewissen der werdenden Eltern zuzutrauen? Wo muss der Staat einschreiten? Obwohl die Meinungsbildung nicht nach dem üblichen Links-Rechts-Schema verlief und auch grosse Parteien wie die SVP oder die SP gespalten waren, lassen sich im Abstimmungsergebnis klare Linien erkennen. In der Romandie und in den Städten wurde die PID deutlich angenommen. In ländlichen Gebieten in der Deutschschweiz überwog die Skepsis.

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