ELISABETH KOPP: Ein Telefonanruf veränderte ihr Leben

Heute wird die frühere Bundesrätin Elisabeth Kopp 80. Mit ihrem Namen verbunden ist ein Anruf an ihren Ehemann, der sie schliesslich das Amt kostete.

Richard Clavadetscher
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Die erste Bundesrätin der Schweiz - und bis heute die einzige, die auf Druck der Medien zurückgetreten ist: Elisabeth Kopp. (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Die erste Bundesrätin der Schweiz - und bis heute die einzige, die auf Druck der Medien zurückgetreten ist: Elisabeth Kopp. (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Das Schwarz-Weiss-Bild ist ein Dokument der Zeitgeschichte: Elisabeth Kopp, fotografiert durch die Seitenscheibe des Autos, das sie aus Bern wegbringt. Es ist der 12. Januar 1989. Die Bundesrätin hat soeben mit sofortiger Wirkung ihr Amt niedergelegt. Elisabeth Kopp schaut direkt in die Kamera – und ihr Blick lässt die Verletzungen erahnen, die sie im Verlauf der Wochen und Monate zuvor erlitten hatte. Kopps Rücktritt war die Folge eines Telefonanrufs: Sie hatte von Bern aus ihren Ehemann Hans W. Kopp angerufen, um ihn zum Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der Shakarchi Trading AG zu bewegen. Die Firma mit Sitz in Zürich war auf Devisen- und Goldhandel spezialisiert. Sie stand im Ruch der Geldwäscherei, und als die Vorsteherin des Justiz- und Polizeidepartements davon erfuhr, informierte sie umgehend den Ehemann.

Dieses Telefongespräch stand am Anfang des Kesseltreibens, das einsetzte, als die Medien vom Anruf erfuhren, und mit dem Rücktritt der Magistratin endete. Den Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung verneinte das Bundesgericht später zwar, aber da war die Sache längst gelaufen. Die Eheleute Kopp waren zu Unpersonen geworden, mit denen niemand mehr etwas zu tun haben wollte. Auch die deswegen eingesetzte PUK kam zum Ergebnis, der «Fehler» – das lange Verschweigen des Telefonanrufs – sei in ein gerechtes Verhältnis zur guten Arbeit Kopps als Bundesrätin zu setzen.

Der Rücktritt beendete die beispiellose politische Karriere einer aussergewöhnlichen Frau, Tochter aus gutem Haus: Der Vater war Direktor der eidgenössischen Finanzverwaltung sowie Vizedirektor der Nationalbank und stammte ebenso aus einer Textilindustriellen-Familie wie die Mutter.

Elisabeth Kopp studierte an der Universität Zürich Jurisprudenz. Das Studium schloss sie mit «summa cum laude» ab. Politisiert wurde die junge Frau durch den Volksaufstand in der DDR im Jahr 1953. Nach dem Ungarn-Aufstand 1956 setzte sie sich für die Flüchtlinge ein, unterbrach deswegen gar ihr Studium für zwei Jahre. Im Jahr 2006 würdigte Ungarn dieses Engagement mit der Verleihung seines höchsten Verdienstordens. Im Zuge ihres Engagements gegen den Kommunismus lernte Elisabeth Kopp ihren späteren Ehemann kennen. Hans W. Kopp machte sich als Wirtschafts- und Medienanwalt einen Namen und präsidierte – es war die Zeit der Gesamtkonzeptionen – von 1978–1984 die Expertenkommission für eine Mediengesamtkonzeption.

Nach der Heirat im Jahr 1960 baute das Ehepaar seine Anwaltspraxis auf. Die Juristin engagierte sich daneben stets politisch, vorab für die Gleichstellung der Frauen. Bereits 1970, unmittelbar nach Einführung des Frauenstimmrechts im Kanton Zürich, wurde sie in Zumikon zur ersten Gemeindepräsidentin der Schweiz gewählt. Ihre nationale Karriere startete die überzeugte Freisinnige 1979 mit der Wahl in den Nationalrat. Nach der Wiederwahl schaffte sie 1984 den Sprung in den Bundesrat. Elisabeth Kopp war das erste weibliche Mitglied der Landesregierung. Nach dem Rücktritt, der ihre politische und berufliche Existenz – sowie jene des Ehemanns – vernichtete, zog sich Elisabeth Kopp lange Jahre zurück. Erst zu Beginn des neuen Jahrtausends trat sie wieder öffentlich auf, engagierte sich im Hochschulbereich, später auch politisch – etwa für den UNO-Beitritt der Schweiz sowie die Mutterschaftsversicherung. 2003 versöhnte sie sich mit der FDP, die sie im Zuge der «Kopp-Affäre» schnell fallen gelassen hatte. Die gesellschaftliche Rehabilitierung erfolgte in den Folgejahren.