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Einst verboten: Jetzt testet die Migros die M-Budget-Filiale

Am Bahnhof Lausanne hat die Migros vor kurzem ein neues Shop-Konzept eröffnet, in dem es nur Produkte der kultig-grünen Billig-Eigenmarke gibt. Brisant: Das hätte die Händlerin bis vor ein paar Jahren nicht dürfen – aus gutem Grund.
Benjamin Weinmann aus Genf
Kultmarke - neu mit eigenem Shop: M-Budget. (KEYSTONE)

Kultmarke - neu mit eigenem Shop: M-Budget. (KEYSTONE)

Die Marke ist bei vielen Kunden Kult. „M-Budget“ gilt als eine der stärksten Eigenmarken im Migros-Portfolio mit rund 500 Artikeln. Vor allem aber gehört sie zu den strategisch wichtigsten. Denn als sie 1996 eingeführt wurde, waren die deutschen Harddiscounter Aldi und Lidl noch nicht im Land. Mit der grün-weissen Billigmarke M-Budget gelang es der Migros aber frühzeitig, sich als Supermarkt mit günstigen Einkaufsmöglichkeiten zu positionieren. Coop zog erst 2005 mit „Prix Garantie“ nach. Der zu späte Entscheid haftet noch immer an Coops teurerem Image.

Nun erfährt die M-Budget-Marke eine Erweiterung. Vor einigen Tagen hat die Migros Genossenschaft Waadt am Bahnhof Lausanne eine M-Budget-Filiale eröffnet. In den Regalen gibt es praktisch nur Produkte der Billiglinie: Backwaren, Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse und Non-Food-Artikel. Beim Lausanner Geschäft, das sieben Tagen die Woche geöffnet von früh morgens bis Mitternacht geöffnet ist, handelt es sich um einen so genannten Pop-up-Store, eine temporäre Filiale, die nächsten Sommer wieder geschlossen wird.

Auf Anfrage sagt eine Sprecherin, dass vor allem Backwaren wie Donuts, Schoggi-Brötli oder Schinkengipfeli von der Pendlerkundschaft gekauft werden, insbesondere während der ersten Tageshälfte. Gegen Abend seien Produkte für den schnellen Hunger oder zum Kochen des Abendessens zu Hause gefragt. Besonders erfolgreich seien auch die M-Budget-Energydrinks. Alkoholische Getränke sind nicht im Sortiment.

Der Denner-Deal von 2007 und seine Folgen

Die M-Budget-Filiale hat einen pikanten Hintergrund. Denn bis noch vor fünf Jahren wäre sie gar nicht erlaubt gewesen. 2007 kaufte die Migros den Discounter Denner von Philippe Gaydoul, dem Enkel von Denner-Gründer Karl Schweri. Zu jener Zeit war bereits klar, dass die deutschen Harddiscounter den Schweizer Markt erobern wollen: Aldi startete 2005, Lidl folgte 2009. Mit Denner sicherte sich die Migros ein Discount-Bollwerk.

Der Deal rief die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) auf den Plan. Sie genehmigte die Übernahme, allerdings mit zahlreichen Auflagen. Die Angst der Behörden war es, dass die Migros ihre neugewonnene Macht ausnutzen würde. So sagte eine Weko-Auflage deutlich, dass die Migros keine M-Budget-Geschäfte eröffnen darf. Seit 2014 sind die Auflagen ausgelaufen.

Die Sprecherin der Migros-Waadt sagt, weitere M-Budget-Filialen seien in Zukunft nicht geplant. Zudem sei es ein eigenes Projekt der eigenen Genossenschaft, ohne Zutun des Migros-Genossenschaftsbunds in Zürich. Allerdings ist auch klar: Ein Pop-up-Geschäft dient in erster Linie dazu, ein neues Konzept zu testen – und dieses im Erfolgsfall längerfristig umzusetzen.

Die Migros expandiert mit Hämorrhoiden-Operationen

Zudem wäre eine M-Budget-Kette heute deutlich weniger brisant als noch zu Zeiten der Denner-Übernahme. Denn inzwischen haben Aldi und Lidl in der Schweiz stark expandiert. Der Online-Handel und der Einkaufstourismus sorgen für zusätzliche Konkurrenz im Lebensmittelmarkt.

Andererseits hat sich die Migros derweil in anderen Bereichen breitgemacht. Sie kaufte mit Digitec-Galaxus das grösste Schweizer Online-Warenhaus, sie expandiert mit Fitnesketten, Apotheken, Artzpraxen und neuerdings sogar Spitälern, in denen sie chirurgische Eingriffe wie Vasektomien oder Hämorrhoiden-Operationen anbietet.

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