«Eine Unverschämtheit»: Neue Publibike-Tarife lösen Proteststurm aus

Knall auf Fall hat der Leihvelo-Anbieter Publibike die Preise angepasst. Stammkunden sind sauer, weil die Flatrate für E-Bikes wegfällt. Und weil den Nutzern Preiserhöhungen als «Verbesserungen» verkauft werden. Das steckt dahinter.

Adrian Müller / watson.ch
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Flatrate ade: Neu fallen bei jeder E-Bike-Ausleihe für die Nutzer zusätzliche Kosten an.

Flatrate ade: Neu fallen bei jeder E-Bike-Ausleihe für die Nutzer zusätzliche Kosten an.

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Über 130'000 Kundinnen und Kunden haben gestern verwirrende Post von Publibike erhalten. «Wir haben hart gearbeitet und freuen uns, dir ein brandneues Abo-Angebot anzubieten, das ab sofort gültig ist», steht in einem Kundenmail.

Hinter der Werbebotschaft versteckt sich jedoch eine saftige Preiserhöhung. So kostet etwa das Abo «B-Fit» (früher Easybike) neu 99 statt 60 Franken pro Jahr.

Gar ganz gestrichen hat die Tochterfirma von Postauto die E-Bike-Flatrate. Zwar kostet das Vielnutzer-Abo «B-More» neu 179 statt 290 Franken. Die Nutzer zahlen aber neu für jede E-Bike-Ausleihe zusätzlich einen Franken und 50 Rappen für ein normales Velo.

watson-User David (20) ist empört: «Die neuen Preise stressen mich extrem. Jetzt kann ich nicht mehr einfach so viele E-Bikes ausleihen, wie ich will, sondern zahle jedes Mal drauf. Das kostet mich rasch viel mehr als früher», sagt der Lernende aus Bern.

Wegen den Preiserhöhungen ist bei der Publibike-Community Feuer im Dach. Auf der Instagram-Seite des Leihvelo-Anbieters hagelt es Kritik. Einige Auszüge:

«Würde ich das Abo nicht vom Geschäft gesponsert kriegen, wären Sie mich als Kunden sofort los. Das was Sie hier abziehen ist nichts als Betrug und Schikane. Es ist mir ein Rätsel, wie Sie langjährige treue Kunden – geschweige denn ohne Ankündigung – von einem Tag auf den anderen ins kalte Wasser schmeissen und den neuen Betrag abbuchen. Das ist überhaupt nicht kundenorientiert und eine überaus dumme Marketingstrategie. Auch Ihre Rechtfertigung ‹dass es ja jetzt günstiger wäre› ist eine reine Farce. In einer Hochrechnung ist man schnell auf einem mehr als doppelt so hohem Betrag jährlich.»

Ein Absatz im Kundenmail sorgt bei den Publibike-Usern besonders für Stirnrunzeln. So konnten die Nutzer schon bis anhin fünf Velos gleichzeitig ausleihen – und zwar gratis. Im Schreiben preist dies Publibike als Neuerung an: «Ab jetzt kannst du bis zu 5 Velos gleichzeitig öffnen! So können auch deine Familie und Freunde von PubliBike profitieren.» Nun verlangt Publibike ab dem zweiten Velo die Grundtaxe von 2.90 pro Bike. Die Nutzer fühlen sich verschaukelt:

«Die neuen Abos und insbesondere die Kommunikation ist eine Unverschämtheit. Ich konnte bisher 5 Velos für die ersten 30 Minutes gratis ausleihen und nun wird mir das kostenpflichtige Ausleihen als Vorteil verkauft. Geht’s noch unverschämter?»
Die neuen Tarife im Überblick.

Die neuen Tarife im Überblick.

ZVG

Publibike begründet die Preiserhöhungen in einer Medienmitteilung mit den «hohen Kosten für den Unterhalt der Stationen und Velos und der Verteillogistik». Mit den neuen Tarifen wolle man die Einnahmen erhöhen. Publibike biete aber im Branchenvergleich weiterhin ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis an, heisst es.

Für watson-User David ist trotzdem klar: Er wird sein Publibike-Abo schweren Herzens kündigen und wieder auf den ÖV umsteigen. «Ich bin auf die E-Bikes angewiesen. Für mich sind die Preiserhöhungen als Lernender nicht tragbar.»

Publibike kämpft mit Verlust

Publibike ist dringend auf höhere Einnahmen angewiesen, um aus der Verlustzone zu kommen. Die letzten beiden Jahre hätten gezeigt, dass das Geschäft mit Leihvelos nicht rentabel betrieben werden könne, sagte der Publibike-Geschäftsführer im März zu SRF. Die Postauto-Tochter will nun mit Städten wie Bern und Zürich neue Verträge aushandeln, so dass diese künftig höhere Beiträge an Publibike bezahlen. Bislang überweisen die grossen Städte nur einen symbolischen Betrag und stellen die Parkflächen gratis zur Verfügung.