Eine Milliarde für Neat-Zubringer

Auch Bern kommt mit dem Ausbau der Neat-Zubringer zum Gotthard in Verzug. Die Anpassung der Strecken für den Güterverkehr ist mit rund einer Milliarde Franken massiv teurer als erwartet. Die Realisierung ist erst gegen 2025 möglich.

Tobias Gafafer
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Kein Platz für Lastwagenanhänger: Die Neat-Zubringer sind ungenügend ausgebaut. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Kein Platz für Lastwagenanhänger: Die Neat-Zubringer sind ungenügend ausgebaut. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

BERN. Es geht bloss um 20 Zentimeter. Die Zufahrtsstrecken zum Gotthardbasistunnel sind für eine Höhe von 3,8 Meter ausgelegt, während in der Transportbranche immer mehr vier Meter gängig werden. Das führt dazu, dass ein Grossteil der zu verladenen Lastwagenanhänger diese Achse nicht wird nutzen können. Die neuen Gotthard- und Ceneritunnels entsprechen zwar europäischen Normen, die alten Tunnels und Brücken von Basel bis Erstfeld hingegen nicht. Deshalb will der Bund die neue Gotthardachse vollständig ausbauen. Druck macht auch das Parlament: Es verlangt, dass der 4-Meter-Korridor durch den Gotthard mit der Eröffnung des Basistunnels 2016 bereit ist. Nun zeigt sich, dass dies ein Wunschtraum bleibt. Die Kosten für den Ausbau der 20 fehlenden Zentimeter bewegen sich in der Grössenordnung von einer Milliarde Franken, wie Peter Füglistaler, Chef des Bundesamts für Verkehr (BAV), auf Anfrage sagt.

Es braucht teure neue Tunnels

Dass der 4-Meter-Korridor viel mehr als die bisher erwarteten 600 Millionen kosten soll, hat primär einen Grund. «Teuer wird der Ausbau, weil die alten Tunnels nur bei laufendem Betrieb erweitert werden können», sagt Füglistaler. Deshalb prüfe der Bund am Bözberg und anderswo den Bau neuer Tunnels, die parallel zu den Bestehenden verlaufen sollen. Denn die Zubringerstrecken der SBB von Basel ins Mittelland sind stark befahren und können nicht monatelang gesperrt werden. Verzögerungen sind damit programmiert: Der 4-Meter-Korridor kann laut Füglistaler frühestens zwischen 2020 und 2025 realisiert werden. Unklar ist auch, woher die Milliarde kommen soll. Der Bund prüfe, in welchem Ausbauschritt die Kosten eingeplant werden könnten, sagte Bundesrätin Doris Leuthard am Mittwoch bei der Präsentation der neuen Bahnfinanzierung. Absehbar ist, dass die Milliarde bei den geplanten Ausbauten für den Personenverkehr in der Romandie oder zwischen Zürich und Chur fehlen wird. Im Klartext: «Andere Projekte müssten verschoben werden», sagte Leuthard. Unter der neuen Verkehrsministerin und BAV-Chef Füglistaler hat ein eigentlicher Sinneswandel stattgefunden. Leuthard und ihr Chefbeamter legen beim Bahnausbau grossen Wert auf Kostenwahrheit.

«Ein Schildbürgerstreich»

Ständerat Rolf Büttiker (FDP/SO) kritisiert die Verzögerung beim 4-Meter-Korridor: «Es ist ein Schildbürgerstreich, wenn wir die teure Neat nicht optimal nutzen können.» Er schlägt vor, den Ausbau teils mit Subventionen für die Verlagerung zu bezahlen. Der Markt verlange den Transport von Lastwagenanhängern mit 4 Metern Höhe, sonst müsse die Strasse benutzt werden, sagt auch Irmtraut Tonndorf, Sprecherin des Transportunternehmens Hupac. «Man kann noch ewig Pingpong mit Deutschland und Italien spielen.» Tatsächlich sind auch Berlin und Rom mit dem Ausbau ihrer Neat-Zubringer in Verzug. Fraglich ist bloss, ob die Verzögerung auf Schweizer Seite so dramatisch ist. Die Achse via Lötschberg und Simplon ist bereits heute auf vier Meter ausgebaut, aber ausgelastet. Mit der Eröffnung des Gotthardbasistunnels könnten jene Züge, die keine Lastwagenanhänger transportieren, über diese Achse geleitet werden. Das würde neue Kapazitäten schaffen.

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