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Eine Kita für den Nachwuchs der Feuerwehrleute: Kann diese Idee die Schweizer Feuerwehren retten?

Eine Aargauer Dorffeuerwehr bietet während Einsätzen Kinderbetreuung an - und wird dafür mit einem Preis geehrt. Nun soll das Modell Schule machen.
Dominic Wirth

Wenn es brennt im Aargauer Dorf Eggenwil, dann rücken nicht nur die Feuerwehrleute ins Magazin ein. Sondern auch die Frauen der Feuerwehr-Kinderbetreuung, eine Eggenwiler Erfindung, die es sonst nirgendwo im Land gibt. Sie ziehen keinen Schutzanzug an und steigen auch nicht auf den Löschzug. Sondern nehmen die Kinder der Feuerwehrleute in Empfang. Und beschäftigen sie in der nahen Dorfturnhalle. Spielen mit ihnen, kochen vielleicht sogar etwas - bis der Einsatz vorbei ist.

Am Mittwochabend wurde die Eggenwiler Feuerwehr für ihre Innovation mit dem Swiss Re Milizpreis 2019 ausgezeichnet. Kommandant Thomas Hausherr hat den Preis in Empfang genommen, und er freut sich auch am Tag danach noch über ihn. «Wir haben viele Gratulationen erhalten», sagt er.

Eine Erfolgsgeschichte

Es ist fünf Jahre her, dass Hausherr die Idee hatte, eine Feuerwehr-Kita ins Leben zu rufen. In Eggenwil hatten sie damals immer wieder das Problem, dass Feuerwehrleute nicht zu einem Einsatz kommen konnten, weil ihre Kinder sonst alleine zu Hause zurückgeblieben wären. Und dann gab es noch jene Leute im Dorf, die angefragt wurden, ob sie nicht in die Feuerwehr kommen wollen. Und die darauf antworteten, das ginge nicht, die Kinder halt.

Die Feuerwehr Eggenwil beschloss, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Und gründete die Kinderbetreuungsgruppe. Die hat sich als Erfolgsgeschichte entpuppt. Mehrere neue Einsatzkräfte sind dank der «Feuerwehr-Kita» zu Hausherrs Truppe gestossen.

In Eggenwil sind - der Kindbetreuung sei dank - die Personalsorgen Vergangenheit. An vielen anderen Orten aber haben die Feuerwehren zu kämpfen. Sie tun sich schwer, Nachwuchs zu rekrutieren. Das Milizsystem stösst auch hier an seine Grenzen, so, wie es das in den Gemeinderäten tut oder den Vereinen. Die Zahl Angehörigen der Feuerwehr ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. 2005 waren es 115'370, im letzten Jahr nur noch 83'979.

Der Rückgang hat zwar auch damit zu tun, dass sich viele Feuerwehren neu organisiert haben und weniger Personal brauchen. Seine Hauptursache aber ist, dass es vielen Leuten schlicht zu kompliziert geworden ist, Beruf, Familie und Hobbies so zu organisieren, dass noch genug Zeit für die Feuerwehr bleibt. Die Rekrutierungsprobleme seien «ein Dauerthema», sagt Urs Bächtold, der Direktor des Schweizer Feuerwehrverbands.

Eggenwil will noch ausbauen

Das führt zur Frage, ob Eggenwil die Lösung für die Schweiz sein kann. Bächtold beantwortet sie mit Ja, zumindest teilweise. «Die Kameraden im Aargau hatten Zuwachs, das zeigt, dass ihr Modell funktioniert», sagt er. Bächtold empfiehlt Kommandanten mit Nachwuchssorgen im ganzen Land, das Eggenwiler Modell unter die Lupe zu nehmen. «Ich finde, man sollte das überall prüfen», sagt er - fügt aber hinzu, dass die Bedingungen von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich seien. Und damit auch die Probleme. «Man kann das Kita-Modell nicht einfach überall anwenden, aber es lohnt sich, das anzuschauen», sagt Bächtold.

In Eggenwil fühlt sich Thomas Hausherr durch seine Rekrutierungserfolge - und auch die Auszeichnung mit dem Milizpreis - in seinen Bemühungen bestärkt. Er will die Kinderbetreuung auf das nächste Jahr hin ausbauen, die Zahl der Betreuerinnen von drei auf sechs vergrössern. Und damit nicht wie bis anhin nur bei grösseren Einsätzen eine Betreuung bereitstellen. Sondern auch bei kleineren.

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