Eine grosse Kiste, die nicht nur kostet

Heute zahlt ein Schweizer Haushalt durchschnittlich 900 Franken pro Jahr für Strom. Mit der vom Bundesrat beschlossenen Energiestrategie steigen diese Kosten um 20 bis 30 Prozent.

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Heute zahlt ein Schweizer Haushalt durchschnittlich 900 Franken pro Jahr für Strom. Mit der vom Bundesrat beschlossenen Energiestrategie steigen diese Kosten um 20 bis 30 Prozent. Der Grund: Will die Schweiz den vom Parlament beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie schaffen, braucht es neue Anlagen für die Energieproduktion aus Sonne und Wind, den Ausbau der Wasserkraft und des Stromnetzes. Diese Investitionen werden auf 39 Milliarden Franken geschätzt. «Eine grosse Kiste», wie Doris Leuthard sagt.

Die Energiewende ist also nicht «gratis» zu haben. Mehr kosten würde Energie in Zukunft aber ohnehin. Investitionen in das veraltete Netz sind unumgänglich. Die Preise für Erdöl steigen, und die drei Schweizer AKW müssen angesichts ihres Alters auf absehbare Zeit vom Netz. Wollte man neue bauen, wären damit ebenfalls 30 Milliarden Franken weg. Das aber wollen Bund und Parlament spätestens seit Fukushima nicht.

Allerdings soll die Schweiz nicht nur investieren, sondern künftig 35 Prozent Energie einsparen. Falls sie dieses Ziel erreicht, spürt der Konsument die Wende in seinem Portemonnaie letztendlich kaum. Dass der Bund beim Sparen vor allem auf Effizienzsteigerungen setzt, macht Sinn. Heute geht nämlich rund ein Drittel des Stroms in den Haushalten schlicht verloren, etwa weil er in wartende Kaffeemaschinen und Computer fliesst. Bei der Aufstockung der Mittel für das Gebäudeprogramm setzt der Bund zudem auf ein Instrument, das in der Bevölkerung bereits grossen Anklang gefunden hat. Und mit der Aufhebung des «Deckels» auf der langen Warteliste all jener, die mit den Fördermitteln des Bundes umweltfreundliche Projekte realisieren wollen, bekommt die Wende zusätzlichen Schwung.

Auf eine Ökosteuer, das radikale Instrument zur Steigerung der Effizienz, verzichtet der Bundesrat vorerst. Angesichts der politischen Widerstände ist das verständlich und entspricht pragmatischer Politik. Auch so wird die Reform noch genug zu reden geben: Noch nie musste die Strombranche so grundlegend umdenken wie jetzt. Denise Lachat

denise.lachat@tagblatt.ch