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Eine Drohnen-Beschaffung im Blindflug

Die Schweizer Armee kauft Hightech-Material in Israel bei einer politisch wie wirtschaftlich umstrittenen Firma ein.
Christian Mensch
Die "Orbiter 2b".

Die "Orbiter 2b".

Die Evaluation ist abgeschlossen, der Kaufentscheid für eine erste Tranche ist gefällt. Die Schweizer Armee beschafft für die Bodentruppen die Drohne "Orbiter 2b" des israelischen Rüstungsunternehmens Aeronautics Defense Systems (ADS). Dies bestätigt auf Anfrage ein Sprecher der Armasuisse, der Beschaffungsstelle des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Die Beschaffung ist Teil einer umfassenden Aufrüstaktion mit unbemannten Flugkörpern unterschiedlicher Grösse. Auf der Einkaufsliste stehen dabei vor allem israelische Produkte.

Der «Orbiter 2b» soll eine "Fähigkeitslücke" in der Schweizer Armee schliessen. Denn ein wesentlicher Faktor beim Einsatz moderner Streitkräfte sei eine mobile, luftgestützte Bildaufklärung für die Bodentruppen, heisst es im Projektbericht 2017 des VBS. Wenig Übersicht scheint es allerdings bei der Frage zu haben, wer die Drohne liefert.

Ein Lieferant unter politischer Beobachtung

Dabei ist die börsenkotierte Aeronautics nicht nur wirtschaftlichen Turbulenzen ausgesetzt, sondern steht auch unter politischer Beobachtung. Das israelische Verteidigungsministerium hat etwa im vergangenen Jahr eine Untersuchungen gegen die Firma eingeleitet wegen möglicher Umgehung von Exportvorschriften. Seit ADS mit Burma geschäftet, stehe die Firma zudem auf einer Sanktionsliste der Vereinigten Staaten, schreibt das spezialisierte französische Online-Medium "Intelligence Online". ADS sei deshalb der Einbau von Komponenten mit US-Technologie untersagt.

Die Untersuchungen schwächen die wirtschaftliche Basis der ADS, doch die hervorragenden Kontakte des Managements nicht zuletzt zu arabischen Staaten der Golfregion machen die Firma wieder interessant. Im Herbst hat der Technologiepartner Rafael, ein anderes israelischen High-Tech-Rüstungsunternehmen, der ADS ein Übernahmeangebot gemacht. ADS lehnte es als zu tief ab, vertiefte jedoch kürzlich mit Rafael die Zusammenarbeit. Politisch brisant wurde es kurz vor Weihnachten, als bei ADS eine gänzlich unbekannte panamesische Firma ERJ-145 Nua Inc. als neuer 13-Prozent-Aktionär auftauchte. Dahinter steckte der israelische Deal-Maker Aaron Frenkel. Der Unternehmer Frenkel ist seit Recherchen dieser Zeitung auch in der Schweiz kein Unbekannter: In einer verdeckten Aktion hatte er die Altenrhein Aviation, ein Servicebetrieb für Kleinjets auf dem gleichnamigen Flughafen in der Ostschweiz, gekauft und war mit dieser Firma in eine Flugzeug-Beschaffungsaffäre in Polen verwickelt.

Frenkel, der mit Immobilien und Flugzeugdeals ein Grossvermögen verdient hat, gehört zum erweiterten Kreis kremelnaher Oligarchen. Zu Frenkels Imperium gehört unter anderem auch die Firma Uvision Air, die sich auf die Entwicklung von Kampfdrohnen spezialisiert hat. Sein Vorzeigeprodukt "Hero 30" wird als Mikro-Kamikaze-Drohne angepriesen. Internationale Beobachter gehen davon aus, dass Frenkel bei Aeronautics vor allem ein Geschäft sieht.

Im November hat die staatlich-schweizerische Waffenschmiede RUAG mit der politisch eher unverdächtigen israelischen Drohenschmiede Elbit Systems ein Jointventures angekündigt. Doch schon diese Meldung verleitete SP-Nationalrat Fabio Molina (ZH) zu einer Anfrage an die Regierung, ob damit nicht eine Verletzung der schweizerischen Neutralität drohe. Die Antwort des Bundesrates steht noch aus. Auf die Frage an die Armasuisse, was sie von den Vorgängen bei ihrem neuen Drohnen-Lieferanten halte, erklärt diese: "Was die Veränderungen im Gesellschafterkreis bei der börsennotierten Aeronautics betrifft, haben wir keine Kenntnis.""

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