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Ein Tal hängt von Luxusuhren ab

LE BRASSUS. Die Luxusuhren-Industrie im Vallée de Joux boomt. Eine Traditionsfirma plant in der Randregion ein Museum der Superlative. Doch das Wachstum hat seinen Preis. Erkundungen in einem Tal der Gegensätze.
Tobias Gafafer
Unkonventionelle Architektur auf 1000 Metern über Meer: Audemars Piguet will in Le Brassus ein neues Uhrenmuseum bauen. (Bild: pd)

Unkonventionelle Architektur auf 1000 Metern über Meer: Audemars Piguet will in Le Brassus ein neues Uhrenmuseum bauen. (Bild: pd)

Im Vallée de Joux scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die malerisch gelegenen Dörfer, umgeben von Tannenwäldern, sind fast menschenleer. Ein starker Wind weht an diesem Morgen, im Hotel zur Forelle sitzen einige Pensionäre aus der Deutschschweiz. Der Bummelzug, der von Vallorbe ins Hochtal fährt, unterbricht einmal pro Stunde die Ruhe. Immer wieder stand er vor der Einstellung.

Das Vallée de Joux ist ein Tal der Gegensätze: Die abgelegene Region zählt zu den dynamischsten der Schweiz und ist das Herz der Uhrenindustrie im Waadtland. Jaeger-LeCoultre, Bulgari, Patek Philippe, Audemars Piguet: Vom Lac de Joux bis zur Grenze überbieten sich die Fabriken geradezu mit klingenden Namen. Für Kenner der Luxusmarken ist das Hochtal, was das Burgund oder Médoc dem Weinliebhaber ist. Und die Branche boomt: In zehn Jahren verdreifachte sie die Produktion. Laut einer Studie der Waadtländer Kantonalbank wuchs sie mehr als doppelt so schnell wie das Bruttoinlandprodukt. Die Zahl der Arbeitsplätze verdoppelte sich seit 1985 – nur vor der grossen Krise in den Siebzigerjahren waren es mehr.

Messi und Familientradition

Die Zuversicht der Branche verkörpert ein Projekt der Luxusmarke Audemars Piguet. Beim Firmensitz in Le Brassus will sie ein neues Uhrenmuseum in Form einer Spirale bauen. Den Wettbewerb gewann im Juni das hippe Büro BIG aus Kopenhagen, das sich mit frechen Ideen einen Namen gemacht hat. Audemars Piguet hat zwar seit 1992 ein Museum. Nur ein kleiner Teil der 1300 Uhren kann Direktor Sébastien Vivas aber heute der Öffentlichkeit präsentieren. Der Bau soll sich auf natürliche Weise in die Landschaft einfügen.

«Unsere Treue zur Tradition des Vallée de Joux ist gross», sagt Vivas. Tatsächlich blieb die Luxusmarke, die die Art Basel sponsert und Fussballer Lionel Messi zu ihren Botschaftern zählt, stets im Hochtal verwurzelt. Als letzte Firma ist Audemars Piguet seit 1875 in Familienbesitz, während heute neben der Swatch-Gruppe Luxusgüterkonzerne dominieren. 670 Arbeitsplätze bietet sie allein in Le Brassus. Damit das Unternehmen im geschützten Tal eine neue Fabrik bauen konnte, wurde im Dorf sogar der Bahnhof verschoben.

Über Mittag profitiert auch das Kleingewerbe der Region vom Boom. Das Restaurant über dem Lac de Joux ist voll, auf dem Menu: Pommes frites mit Eglifilets oder Pferdesteak. «Wir haben viel getan, damit das Wachstum ohne Schaden erfolgt», sagt Eric Duruz, Wirtschaftsförderer der Region. Von wenigen Bausünden abgesehen hat das Tal seine natürliche Schönheit bewahrt. Firmen bieten für Mitarbeiter Pendelbusse an. Der bescheidene öV wurde ausgebaut. Und nachdem die Einwohnerzahl über lange Zeit stagnierte oder zurückging, nahm sie in den letzten Jahren wieder zu.

Branche als Klumpenrisiko

Dass es im Tal mehr Arbeitsplätze als Einwohner gibt, schafft auch Probleme. Abends sind die Dörfer verlassen. Allein von 2005 bis 2008 verdoppelte sich die Zahl der Grenzgänger aus Frankreich. Der grösste Teil kommt mit dem Auto, die Fabriken haben grosse Parkplätze. Morgens und abends staut sich der Verkehr. Mittlerweile gibt es auch im Vallée de Joux eine SVP-Sektion.

Dennoch lehnte hier eine klare Mehrheit die Einwanderungs-Initiative ab. Die Existenz des Tales hängt vom Wohlergehen der Uhrenindustrie ab, die 76 Prozent der Arbeitsplätze anbietet. Kommt hinzu, dass hier ein Menschenschlag lebt, der dem Franzosen aus dem Jura kulturell näher ist als dem Genfer. Die tiefe Arbeitslosigkeit von rund zwei Prozent, die unter dem kantonalen Schnitt ist, trägt ebenso zur Akzeptanz der Grenzgänger bei. «Es ist nicht einfach, Schweizer für die Arbeit im Vallée de Joux zu finden», sagt Duruz.

Nach dem 9. Februar sind auch für die Uhrenindustrie viele Fragen offen. Sorgen bereitet Duruz zudem die laufende Verschärfung der Raumplanung, die die Entwicklung einer Randregion erschwere. Vorerst aber herrscht auch in den Fabriken Ruhe: Die meisten schliessen für drei Wochen ihre Tore. Am Montag beginnen die traditionellen Uhrenmacherferien.

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