Ein Sturm im Wasserglas

Die Juso wollen der Zürcher Kantonalbank die Spitzenlöhne kappen – und die Grünen machen nicht mit. Resultat: Ein Sturm der Entrüstung auf Twitter.

Severin Schwendener
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Balthasar Glättli (Bild: ky)

Balthasar Glättli (Bild: ky)

ZÜRICH. Auslöser war ein Vorstoss der Juso im Zürcher Kantonsrat. Die beiden Juso-Kantonsrätinnen Mattea Meyer und Rosmarie Joss reichten letzte Woche eine parlamentarische Initiative ein, die eine Lohnbandbreite von 1:12 für die Zürcher Kantonalbank fordert. Damit werde «eine alte und anerkannte Forderung der Linken» umgesetzt; zudem möchte die Juso damit die Anliegen ihrer 1:12-Initiative in einem konkreten Bereich umsetzen. Was den Juso gar nicht gefiel: Die Fraktion der Grünen verweigerte dem Vorstoss ihre Unterschrift.

Glättli soll's richten

Das Nein der Grünen löste bei den Juso einen Sturm der Entrüstung aus, auf Twitter kam es zu einem sogenannten Thunder Clap oder Shitstorm gegen den grünen Nationalrat und Twitterer Balthasar Glättli. Einer, der dazu beigetragen hat, ist SP-Nationalrat Cédric Wermuth, er hat die Tweets der Juso weiterverbreitet. Warum aber hat sich der Zorn der Juso gerade gegen Glättli gerichtet? «Balthasar Glättli ist sehr beliebt bei den Jungen unserer Partei», sagt Wermuth, «er ist so etwas wie eine Galionsfigur der Grünen. Die Juso wollte an ihn appellieren, sich einzumischen.» Doch genau davon will Glättli nichts wissen: «Ich kann den Parlamentariern der Juso die Überzeugungsarbeit nicht abnehmen», schreibt der grüne Nationalrat auf seiner Homepage. Und auf Nachfrage unserer Zeitung geht er noch einen Schritt weiter: «Die Taktik der Juso, den Grünen nun bei allen Gelegenheiten ans Bein zu pinkeln, wird eher bewirken, dass sich Grüne, welche solche Vorstösse tendenziell unterstützen, abwenden werden.»

Initiative Ja, Vorstoss Nein

Doch warum haben die Grünen den Vorstoss denn nicht unterstützt, wo sie doch im Initiativkomitee der nationalen 1:12-Initiative sitzen? «Ich kann es wirklich auch nach mehreren Tagen noch nicht verstehen», sagt Wermuth dazu. «Diesen Entscheid hat niemand von uns erwartet.» Und er befürchtet Auswirkungen auf ebendiese Initiative. «Der Entscheid der Zürcher Grünen dürfte uns während des gesamten Abstimmungskampfes um die Ohren gehauen werden – und es wäre alleine gegen Economiesuisse schwer genug gewesen.» Glättli dagegen, der den Vorstoss unterstützt hätte, wenn er Kantonsrat wäre, sieht allerdings sachliche Gründe für eine Ablehnung. «Die Schweizerische Initiative will eine generelle Limitierung der Lohnschere für alle Unternehmen in der Schweiz. Der Juso-Vorstoss fordert diese Limitierung für ein einziges Unternehmen, nämlich die ZKB. Man darf die Frage stellen, ob diese Einschränkung nur bei einem einzelnen Unternehmen sinnvoll ist – auch wenn man das allgemeine Grundanliegen unterstützt.»

Amerikanisierung der Politik

Zu denken gab Glättli aber auch der Shitstorm auf Twitter. «Eine Amerikanisierung der Politik wird sich kaum aufhalten lassen», sagt er. «Allerdings sind wir Politiker hier gefordert, unsere Haltung nicht wie Fahnen im Wind zu ändern.» Und auch Wermuth hat bereits Erfahrungen mit dieser Art der Politik gemacht. «Das ist uns allen schon passiert», stellt er nüchtern fest. Offenbar gehört das dazu, wenn man sich als Politiker auch in den neuen Medien äussern möchte.