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Älpler-Verband: «Es gilt, das Thema Klima­anpassungen prioritär zu behandeln»

Die extreme Trockenheit hat vielen Älplern schwer zu schaffen gemacht. Es fehlt an Futter und Trinkwasser. Teilweise müssen sie deutlich früher ins Tal ziehen.
Dominic Wirth
Kühe auf der Alp Obermatt unterhalb des Dossens auf der Rigi. Das Wasser in der Trinkwanne musste wegen der trockenen Quellen hinauf­transportiert werden. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Alp Obermatt, 9. August 2018))

Kühe auf der Alp Obermatt unterhalb des Dossens auf der Rigi. Das Wasser in der Trinkwanne musste wegen der trockenen Quellen hinauf­transportiert werden. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Alp Obermatt, 9. August 2018))

Jörg Beck war auf das Schlimmste gefasst, als er sich vor ein paar Tagen daran machte, die Folgen dieses aussergewöhnlichen Sommers für die Schweizer Alpen zu vermessen. Beck ist Geschäftsführer des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbands (SAV), und er befürchtete, dass ihm aus den Kantonen reihenweise von braunen Alpweiden berichtet würde, von frühzeitigen Alpabzügen, von fehlendem Wasser.

Ganz so schlimm ist es dann aber nicht gekommen, «sehr unterschiedlich» seien die Älpler von der Trockenheit betroffen, sagt Beck. Eines aber gilt für alle von ihnen: Von diesem Sommer werden sie noch lange reden. So etwas, heisst es aus allen Landesteilen, habe man kaum einmal erlebt. Auch Erkenntnisse des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie (Meteo Schweiz) illustrieren, wie aussergewöhnlich der Sommer 2018 ist. In der ­Ostschweiz ist die monatelange Regenarmut laut dem Amt gar ein «Jahrhundert-Ereignis». Zwischen Zürich und Bodensee fiel von April bis August seit Messbeginn im Jahr 1864 noch nie so wenig Niederschlag wie heuer. Auch in der West- und der Südschweiz hat es viel zu wenig geregnet.

Alpsaison endet vielerorts früher

In verschiedenen Kantonen geht die Alpsaison deshalb heuer früher als geplant zu Ende. Das ist im Westen so, im Wallis etwa, wo man im Landwirtschaftszentrum Visp mit sieben bis zehn Tagen früheren Alpabfahrten rechnet. Ähnlich klingt es im Kanton Freiburg. Andernorts hält man sich mit Schätzungen zurück. Doch betroffen ist das ganze Land. Aus Bern heisst es, dass die Rinder an gewissen Orten früher abfahren müssten. In der Zentralschweiz, im Kanton Luzern, wollen laut dem Amt für Landwirtschaft und Wald zehn Älpler früher ins Tal oder sind bereits dort; bei 243 Sömmerungsbetrieben ist das aber nur ein Bruchteil. Die Verantwortlichen in St. Gallen und Graubünden berichten, gerade die tiefer gelegenen Alpen hätten zu kämpfen.

Die unterschiedliche Betroffenheit ist ein Abbild der geografischen und technologischen Vielfalt im Land. Es gibt jene Alpen, die vom Schmelzwasser profitieren oder dank Gewittern mehr oder weniger schadlos ­geblieben sind. Es gibt jene, die dank kürzlich getätigten Investitionen in die Wasserversorgung, neue Leitungen, grössere Zisternen oder Quellerschliessungen etwa, gut über die Runden kamen. Andere mussten sich – gerade in der Ostschweiz – auf aufwendige und teure Art mit zusätzlichem Wasser versorgen. Für jene, die das nicht verkraften, hat die Schweizer Berghilfe eine halbe Million Franken bereitgestellt. Die ersten Gesuche sind bereits eingetroffen.

Ein Drittel des Schweizer Rindviehbestands verbringt den Sommer laut SAV auf der Alp, und ohne Wasser geht das nicht. Es bringt in Form von Niederschlag das Gras zum Wachsen, von dem sich die Kühe ernähren. Dass der Regen in diesem Jahr vielerorts fehlte, führte dazu, dass der sogenannte Zweitaufwuchs nicht stattfand, das Gras also nicht nachspross – und damit auf manch einer Alp das Futter knapp wurde. Fehlt der Niederschlag, fehlt zudem oft auch das Trinkwasser für Mensch und Tier. Dann haben die Älpler ein Problem – aber eines, das sie mit Wassertransporten oder einem Ausbau der Infrastruktur lösen können. Anders ist das beim ­fehlenden Niederschlag: Der lässt sich nicht einfach so ersetzen. «Alpen bewässern, das geht nicht, das ist zu teuer», erklärt Jörg Beck.

Trockenheit wird zunehmen

In den nächsten Wochen kehrt der grosse Teil der Schweizer Kühe wieder ins Tal zurück. Der Alpsommer 2018 ist dann Geschichte, doch beim Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verband wird er noch eine Weile ein Thema bleiben. «Bei uns schrillen nach diesem Sommer die Alarmglocken. Bisher kamen wir meistens glimpflich davon, doch nun ist das anders», sagt Beck. Es gelte nun, das Thema Klima­anpassungen prioritär zu behandeln. Laut Meteo Schweiz gibt es zwar keinen Trend zu weniger Regen. Die Sommertrockenheit werde dennoch akuter, weil die steigenden Temperaturen die Verdunstung verstärken und damit die verfügbare Wassermenge verringern. «Wir müssen vertieft diskutieren, was unsere Strategie für die Zukunft ist», sagt Beck.

Die Schweizer Älpler haben diesen Sommer oft zum Himmel geschaut und auf Regen gehofft. Der Sommer neigt sich allmählich seinem Ende zu. Doch der Blick zum Himmel bleibt. Denn auch die Niederschlagsmenge in den kälteren Monaten ist für die Alpen wichtig; der viele Schnee des letzten Winters hat ihnen ­geholfen, den extremen Sommer einigermassen zu überstehen. Jörg Beck sagt es so: «Ein schneearmer Winter, dann ein trockener Sommer: Dann wird es richtig ­ungemütlich.»

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