Ein Romand führt die Armee

Philippe Rebord – das ist der Name des neuen Armeechefs. Er spricht französisch, was einigen Deutschschweizern sauer aufstösst.

Tobias Bär
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Philippe Rebord soll die Schweizer Armee in die Zukunft führen. Bild: Peter Klaunzer/KEY (Bild: PETER KLAUNZER (KEYSTONE))

Philippe Rebord soll die Schweizer Armee in die Zukunft führen. Bild: Peter Klaunzer/KEY (Bild: PETER KLAUNZER (KEYSTONE))

«Ich wurde gebeten, deutsch zu sprechen», sagte der künftige Armeechef Philippe Rebord bei seinem ersten Auftritt vor den Medien. Damit thematisierte Rebord die Sprachenfrage gleich selber, die im Vorfeld von Deutschschweizer Sicherheitspolitikern aufgeworfen worden war. Sie hatten nach dem Stabwechsel von Ueli Maurer zum Romand Guy Parmelin und der Ernennung einer Westschweizer Generalsekretärin die Befürchtung geäussert, an der Spitze des Verteidigungsdepartementes (VBS) werde bald nur noch französisch gesprochen. Dass nun mit Rebord auch noch der Korpskommandant aus der Romandie kommt, gefällt dem St. Galler CVP-Nationalrat Jakob Büchler ganz und gar nicht: «Ich hätte erwartet, dass man einen Kandidaten aus der Deutschschweiz nimmt.» FDP-Ständerat Joachim Eder (ZG), wie Büchler Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission, meint hingegen: «Die Sprachenfrage ist von untergeordneter Bedeutung. Es braucht eine starke Persönlichkeit, der die Reihen schliessen kann.» Obwohl er Rebord nicht direkt kenne, scheine dieser eine solche Persönlichkeit zu sein, so Eder.

Parmelin hatte eine Findungskommission mit der Suche nach dem neuen Armeechef beauftragt. Ihr gehörten neben VBS-Vertretern auch Exponenten der Kantone an. Die Kommission habe sich auf Kandidaten konzentriert, die am Ende ihrer Militärlaufbahn stünden, so Parmelin. Der 59jährige Rebord ist denn auch nur ein Jahr jünger als der abtretende Armeechef André Blattmann. Der Historiker, der seit mehr als 30 Jahren Berufsmilitär ist, setzte sich am Ende gegen drei Konkurrenten durch. Unter ihnen befand sich der 54jährige Ostschweizer Daniel Baumgartner, der seit April dieses Jahres das Heer kommandiert.

Rebord muss den Armeebestand halbieren

Rebord wird sein Amt Anfang 2017 antreten. Gemäss Parmelin ist vorgesehen, dass sich der Westschweizer nach spätestens sechs Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Seine primäre Aufgabe in dieser Zeit wird die Umsetzung der von Bundesrat und Parlament beschlossenen Armeereform sein. «Meine erste Priorität ist es, die Schlüsselfiguren für die Weiterentwicklung der Armee zu ernennen», sagte Rebord.

Doch die Armeereform, die unter anderem eine Halbierung des Sollbestandes von heute 220 000 auf 100 000 Mann und die Schliessung mehrerer Waffen- und Ausbildungsplätze vorsieht, wird nicht Rebords einzige Baustelle sein. Die Armee gibt derzeit kein gutes Bild ab, dessen ist sich auch Verteidigungsminister Parmelin bewusst. Er ordnete gestern eine «armeeweite Überprüfung von Prozessen» an. Dies wegen der «Häufung von Zwischenfällen und Ereignissen» in jüngster Zeit. Nachdem im Juni ein Jet der Patrouille Suisse in den Niederlanden abgestürzt war, verunglückte Ende August ein F/A-18-Kampfjet im Grimselgebiet, der Pilot kam ums Leben. Anfang dieser Woche informierte die Armee die Öffentlichkeit darüber, dass in der Infanterie Durchdiener Rekrutenschule in Aarau mehrere Kilogramm Sprengstoff vermisst werden. Hohe Wellen warf zudem die Beschaffung des Luftabwehrprojekts Bodluv. Im Februar machte unsere Zeitung publik, dass die beiden ausgewählten Raketensysteme den definierten Anforderungen nicht genügten. Parmelin sistierte das Projekt kurz nach seinem Amtsantritt und ordnete eine Administrativuntersuchung an.

Eine erste Breitseite gegen den Zivildienst

Der Bundesrat hatte Rebord erst im April zum stellvertretenden Armeechef ernannt. Gemäss Parmelin handelt der 59Jährige «ruhig und überlegt» und geniesst das Vertrauen der höheren Offiziere. Ruhe und Gelassenheit gingen dem abtretenden André Blattmann zuweilen ab. Zuletzt sorgte er mit einer Brandrede vor Offizieren für Schlagzeilen (siehe Text unten).

Rebord bewies gestern, dass auch er klare Ansagen nicht scheut: Die Popularität des Zivildienstes gefährde die Armeebestände. «Wir haben zurzeit eindeutig ein Problem». Der künftige Armeechef stösst mit dieser Haltung auch im bürgerlichen Lager auf Unverständnis: «Die Armee muss sich selber fragen, weshalb sie von vielen als unattraktiv angesehen wird. Nötig ist ein Miteinander statt ein Gegeneinander», sagt Joachim Eder.