Ein Rime für alle Fälle

Der Freiburger Sägereibesitzer und SVP-Mann Jean-François Rime ist an allen Fronten präsent: Er kandidiert für National- und Ständerat, zudem wäre er gerne Kandidat für den Bundesrat.

Denise Lachat
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Jean-François Rime wäre gerne der nächste SVP-Bundesrat. (Bild: freshfocus/Miriam Elias)

Jean-François Rime wäre gerne der nächste SVP-Bundesrat. (Bild: freshfocus/Miriam Elias)

bern. Jean-François Rime plaudert mit den Medien, als wäre er bereits Bundesratskandidat. «Das Aussendepartement würde mich im Falle einer Wahl enorm interessieren», verrät der Freiburger Nationalrat dem «Tages-Anzeiger» und liefert gleich einen persönlichen Werbespot mit. Er spreche mehrere Fremdsprachen, sei sehr viel gereist und habe als Verbandspräsident die Interessen der Schweizer Sägerei- und Holzindustrie im Ausland vertreten. Auf Anfrage relativiert Rime, der Journalist habe ihm die entsprechende Frage gestellt, und er habe eben geantwortet. Dennoch: Für Schweizer Gepflogenheiten ist so viel Selbstbewusstsein ungewöhnlich. In der Regel halten sich aussichtsreiche Personen für eine Kandidatur in die Landesregierung möglichst lange bedeckt.

«Bin kein Opportunist»

Vielleicht erklärt sich Rimes Aktivismus in eigener Sache mit dem überraschend guten Resultat, das er als Sprengkandidat der SVP bei der Nachfolge von Hans-Rudolf Merz im Parlament erzielte. Vielleicht auch damit, dass Parteipräsident Toni Brunner und Chefstratege Christoph Blocher die Medien danach wissen liessen, die Fraktion trete mit dem Freiburger auch bei den nächsten Bundesratswahlen an. Rime, das sagen nicht nur Brunner und Blocher, sei ein zuverlässiger Wert für die SVP, der standhaft die Positionen der Partei vertrete. Aktiv, loyal, offen und locker im Umgang mit den Medien, zudem mit wertvoller unternehmerischer Erfahrung ausgestattet: So wird Rime von den Fraktionskollegen gelobt.

Offenbar hat der 61jährige Sägereibesitzer aus Bulle auf die richtige Karte gesetzt, als er von der FDP zur SVP wechselte. Rime griff im Jahr 2003 zu, als Freiburg ein zusätzliches Mandat im Nationalrat erhielt; bei der FDP war der Platz schon von einem Bisherigen besetzt. Dabei war Rime über 30 Jahre lang Mitglied der Freisinnigen gewesen, «eigentlich 52 Jahre lang, denn ich wurde als Freisinniger geboren», sagt Rime über sich. Bereits sein Vater sass für die FDP im Nationalrat, sein Grossvater war FDP-Gemeinderat. Doch den Vorwurf des Opportunismus weist Rime zurück. Nicht er habe sich verändert, sondern seine Partei: Die FDP sei, vor allem in der Romandie, immer weiter nach links gerutscht.

Im Einwanderungsdilemma

Mit der gleichen Lockerheit weist Rime den Vorwurf zurück, er befinde sich beim Thema Personenfreizügigkeit im Widerspruch mit sich selbst. Er sitzt gleichzeitig im Initiativkomitee der SVP «Gegen die Masseneinwanderung» und im Vorstand des Schweizerischen Gewerbeverbands, der die Initiative ablehnt. Für Rime ist das kein Problem. «Ich will die Einwanderung nicht verbieten, sondern kontrollieren. Die Gewerbler spüren den Druck der Freizügigkeit direkt.»

Rime hat rund 100 Angestellte, die Nachfolge ist bereits geregelt. Zwei von drei Söhnen arbeiten im väterlichen Betrieb mit. So fühlt sich Rime frei für ein mögliches Duell unter der Bundeshauskuppel mit dem Freiburger Ständerat Alain Berset; dieser gilt als Kronfavorit der SP. Zunächst allerdings steht ein Showdown in Freiburg selbst auf dem Programm. Rime greift mit seiner Doppelkandidatur für den Nationalrat und für Bersets Sitz im Ständerat an. Wirft er ihn aus dem Parlament, ist Bersets Bundesratstraum ausgeträumt. Allzu gross ist das Risiko aber nicht. Rime hat 2007 bereits für den Ständerat kandidiert und landete bloss auf dem vierten Platz. David Bonny, der Präsident der SP Freiburg, ist zuversichtlich, dass die Freiburger das Gleichgewicht der politischen Kräfte nicht umstossen. Die Vertretung des Kantons im Ständerat stehe mit Urs Schwaller (CVP) und Alain Berset (SP) fest auf zwei Beinen.

Jenny hofft auf Roland Eberle

Ganz gelassen steigt die Freiburger SP trotzdem nicht in den Wahlkampf. «Noch haben wir den Sitz nicht im trockenen», sagt Bonny. Dasselbe trifft auf Rimes allfällige Bundesratskandidatur zu. Da die SP den Sitz von Micheline Calmy-Rey wieder mit einer Person aus der lateinischen Schweiz besetzen will, sässen mit Rime wohl drei Westschweizer im Bundesrat. Dieses Szenario passt vielen Deutschschweizern in der SVP nicht. Rime sei ein valabler Kandidat, seine Kandidatur aber noch nicht in Stein gemeisselt, sagt der Glarner SVP-Ständerat This Jenny. Drei Welsche im Bundesrat müssten nicht sein, meint er. Gross ist die Auswahl in der Deutschschweiz nicht. Fraktionschef Caspar Baader (BL) hätte zwar in der SVP beste Chancen, im Parlament eckt er aber als Hardliner an. So hofft Jenny, dass die Absage des Thurgauer Ex-Regierungsrats Roland Eberle nicht definitiv ist. «Sonst wird es eng.» Doch dann kommt ihm noch ein möglicher Kandidat in den Sinn: Hannes Germann. Von dem Schaffhauser Ständerat rede niemand, vergessen dürfe man ihn aber nicht. Rime hätte eine andere Idee. Werde er, der Romand, gewählt, könne die SP ihren Sitz anders vergeben. Etwa an Marina Carobbio aus dem Tessin.

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