Ein Parteiloser zieht in den Ständerat

Die Urner CVP verteidigt den Ständeratssitz im zweiten Wahlgang nicht. Damit kann Markus Stadler mit der Wahl am 25. April rechnen. Er ist erst der fünfte, der es als Parteiloser in den Ständerat schafft. Kein einfaches Unterfangen.

Ueli Bachmann
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Markus Stadler (Bild: ky/Sigi Tischler)

Markus Stadler (Bild: ky/Sigi Tischler)

altdorf. Auf seinem Bürotisch in der Urner Finanzdirektion, unweit dem Telldenkmal in Altdorf, stapelten sich auch schon höhere Beigen. Bald wird das Pult ganz geräumt: Der Urner Finanzdirektor Markus Stadler wird nach zehn Jahren als Regierungsrat abtreten. Der 61-Jährige ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne. Der promovierte Volkswirtschafter arbeitete drei Jahre an zwei Universitäten in den USA und war vor seiner Wahl in die Regierung 16 Jahre lang Uris Finanz- und Pensionskassenverwalter.

Erfolg trotz niedrigem Budget

Anfang Jahr entschloss Stadler sich, kürzer zu treten und der öffentlichen Beratung seine Dienste anzubieten. In diesen Entscheid kam für ihn völlig überraschend die Rücktrittsankündigung von Hansruedi Stadler (CVP) aus dem Ständerat. Kurzfristig entschloss sich Markus Stadler für die Ständeratskandidatur. Und dies tat er trotz minimalem Wahlkampfbudget von 30 000 Franken mit Erfolg. Er liess die CVP-Topkandidatin Regierungsratskollegin Heidi Z'graggen weit hinter sich.

Und weil sich kein anderer Kandidat finden liess, der den Hosenlupf mit dem Parteilosen am 25. April wagt, wird Uri im Ständerat ab kommender Session neben Hansheiri Inderkum (CVP) zweifellos durch den Parteilosen Markus Stadler vertreten werden.

Schwäche der Urner SVP

«Das schafft man, mit dem Sichbemühen um gute Leistungen und mit viel Glück», sagt Stadler zum Überraschungscoup, der so überraschend gar nicht ist: Der Kanton Uri ist bekannt dafür,

dass – anders als in den übrigen Zentralschweizer Kantonen – Parteien einen schweren Stand haben und Parteilose in den Gemeinden stark vertreten sind, wie eine Studie der Universität Zürich zeigt. «Das liegt an der Kleinheit des Kantons, aber auch daran, dass die Linke nicht stark ist und es als Opposition zu den Grossparteien fast nur Parteilose gibt», sagt Studienleiter Urs Meuli.

Dass sogar bei einer Kantonalwahl, wie jener in den Ständerat, ein Parteiloser das Rennen macht , das ist auch für Meuli ein «unglaubliches Ereignis»; es lasse tief blicken, vor allem in die Schwäche der Urner CVP.

Stadler sucht Anschluss

Der Parteilose Markus Stadler will sich in Bern der Fraktion der CVP/ EVP/ GLP anschliessen, weil er aktiv in Kommissionen mitwirken möchte. Das wird ihm auch dringend geraten. «Das Plenum ist nur für die Tribüne. Die Musik läuft in den Kommissionen», sagt die Urner FDP-Nationalrätin Gabi Huber.

Das kann der Obwaldner FDP-Ständerat Hans Hess aus eigener Erfahrung bestätigen. «Als Parteiloser hatte ich keine Chancen, mich einzubringen», sagt Hess, einer der bisher erst vier Kandidaten seit 1848, die es schafften, als Parteiloser in den Ständerat gewählt zu werden. Hess versuchte zuerst als Hospitant sich der FDP-Fraktion anzubieten, doch diese bestand sehr schnell auf den Beitritt zur Partei.

Keine Parteidoktrin

In den Grundpositionen wird Markus Stadler laut eigener Aussage keine wesentlich andere Politik vertreten wie der bisherige Urner Ständerat Hansruedi Stadler. Dieser hat sich als Verfechter der Anliegen des Bergkantons Uri, im speziellen der Alpen-Initiative einen Namen gemacht. Aber Einbinden in eine Parteidoktrin ist nicht sein Ding. «Ich bin nicht umsonst ein Parteiloser».

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