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Ein Grüner zerzaust Ecopop-Ideen

Weniger Menschen ins Land lassen und die Familienplanung im Ausland mitbezahlen: Mit diesen Massnahmen wollen die Ecopop-Initianten die Umwelt schützen. In einem Buch rechnet Nationalrat Balthasar Glättli nun mit ihnen ab.
Dominic Wirth
Rechnet mit der Ecopop-Initiative ab: Balthasar Glättli von den Grünen. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Rechnet mit der Ecopop-Initiative ab: Balthasar Glättli von den Grünen. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Sie will zwar für ein grünes Anliegen stehen. Doch wenn in den vergangenen Monaten von der Ecopop-Initiative die Rede war, kam bald einmal eine andere Farbe ins Spiel. Denn das Anliegen, das Ende November zur Abstimmung kommt, verursachte immer wieder rote Köpfe. So bezeichnete Nationalrat Roland Büchel (SVP/SG) die Urheber als «Birkenstock-Rassisten». Im Winter lag bereits Nationalrat Cédric Wermuth (SP/AG) mit den Initianten im Clinch, nachdem er via Twitter geschrieben hatte, dass der zuvor gefallene Begriff «Ökofaschisten» den Nagel auf den Kopf treffe.

Daran, dass das Anliegen höchst umstritten ist, hat sich bis heute nichts geändert. Die Initianten wollen die jährliche Nettozuwanderung in die Schweiz rigoros beschränken und gleichzeitig zehn Prozent der staatlichen Entwicklungshilfemittel für Familienplanung im Ausland reservieren. Diese Verbindung von Bevölkerungspolitik und Umweltschutzanliegen ruft insbesondere die Grünen auf den Plan. Denn eigentlich ist der Umweltschutz vor allem ihr Feld. So verwunderte es nicht, dass Regula Rytz, die Co-Präsidentin, die Initiative im März in der NZZ als «das falsche Instrument, um die Umwelt zu schützen», bezeichnete. Jetzt legt Balthasar Glättli, Fraktionschef und einer der führenden Köpfe der Grünen, als Co-Autor eines Buches nach, das den Titel «Die unheimlichen Ökologen» trägt.

Der indirekte Rassismusvorwurf

Das Werk steht für einen Angriff in mehreren Etappen und auf verschiedenen Ebenen; ihnen gemein ist, dass der Ton ziemlich scharf ausfällt. So bezeichnen Glättli und sein Co-Autor Pierre-Alain Niklaus die Ecopop-Urheber als «Geistesverwandte» von Thomas R. Malthus. Die Ideen des britischen Ökonomen (1766–1834) wiederum werden im Buch mit der Eugenik in Verbindung gebracht. Diese rassistische Lehre basierte auf dem Gedanken, dass es gute Gene gebe – und schlechte, die ausgemerzt werden müssten. Neben diesem indirekten Rassismusvorwurf kritisiert Glättli, dass die Ecopop-Initianten in einer «jahrhundertealten Tradition» Umweltprobleme einzig und allein als Folge von unkontrolliertem Bevölkerungswachstum betrachteten. «Bewusst oder unbewusst» diene diese Politik «der Verschleierung der wirklichen Interessen der Eliten», nämlich: die Armen daran zu hindern, «ein grösseres Stück vom Kuchen einzufordern».

In der Folge wird im Buch anhand von Aufsätzen verschiedener Autoren aufgezeigt, weshalb die Diagnose der Ecopop-Initiative falsch sei – und damit auch die vorgeschlagenen Massnahmen nichts bewirkten. So widerspreche das Vorhaben, zehn Prozent der Ausgaben für Entwicklungshilfe für die Familienplanung einzusetzen, «allen entwicklungspolitischen Erfahrungen». Letztlich sei die Vorstellung einer Bevölkerungsexplosion, die es zu verhindern gelte, «eine neokoloniale Besserwisserei». Anhand des Beispiels von Kerala, einem indischen Bundesstaat, wird zudem in einem Aufsatz beispielsweise aufgezeigt, dass nicht etwa die von den Initianten geforderten Investitionen in die Familienplanung die Geburtenrate senken. Sondern die Verbesserung von Bildung und Gesundheit.

Auch eine Botschaft an die Basis

Glättlis Buch ist vor allem eines: eine Abgrenzung zu den «unheimlichen Ökologen», wie die Ecopop-Verfechter schon im Buchtitel genannt werden. Das letzte Kapitel nutzt Glättli dazu, seine Vorstellungen von einer «solidarischen Umweltpolitik» zu definieren. Man kann diese Zeilen auch als Botschaft an die Basis der Grünen lesen. Denn dort stösst Ecopop auf mehr Anklang als in der Parteispitze. Das Buch beweist: Die Grünen blicken der Abstimmung am 30. November nervös entgegen. Und dass da jemand im Namen ihres Kernanliegens – dem Umweltschutz – auch Forderungen stellt, die so gar nicht in deren Wertekompass passen: Das gefällt den Vordenkern der Partei ganz und gar nicht.

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