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Ein Gemischtwarenladen aus Wissenschaft und Vergnügen

Blick ins Ausland In Europa wurde die Idee der Freilichtmuseen vor gut 125 Jahren in Nordeuropa geboren. Als ältestes gilt Skansen auf der gleichnamigen Insel bei Stockholm. Es umfasst 150 Häuser aus allen Gegenden Schwedens und galt bis 2017 mit knapp 1,5 Millionen Besuchern als populärstes Museum des Landes. Nebst historischen Bauten, Traditionen und Kunsthandwerk sind im ­«lebenden Museum» (Eigenwerbung) auch nordische Wildtiere zu sehen. Da Skansen in Stadtnähe liegt, finden dort auch zahlreiche Märkte, Feste und Shows statt, die teilweise gar vom schwedischen Fernsehen übertragen werden.

«Freilichtmuseen sind immer ein Gemischtwarenladen aus Wissenschaft und Vergnügen», sagt Konrad Kuhn. «Sie richten sich nicht nur ans Bildungsbürgertum, wie dies etwa Kunstmuseen tun, sondern an eine breite Bevölkerung», sagt der Schweizer Kulturwissenschafter, der an der Uni Innsbruck forscht. Aus wissenschaftlicher Sicht sei es zwar einfach, Freilichtmuseen zu kritisieren: «Der Vorteil dieser ziemlich ­demokratischen Institutionen ist in der Tat auch ihre Krux. Sie müssen immer zugleich wissenschaftlich und populär sein.» Während Skansen die Nähe zur Stadt ausspiele, sieht Kuhn beim Ballenberg zwei Erschwernisse: Die periphere Lage im Haslital. Und die zeitliche ­Beschränkung der Sammlung auf die ­Alltagskultur der bäuerlichen Schweiz, was aktuelle Themen ausschliesse. Und nicht zuletzt sterben jene Generationen aus, welche die Ausstellungsobjekte noch selber aus der Kindheit kannten.

Dieser Umbruch stelle alle Freilichtmuseen vor die schwierige Frage, wie die Inhalte künftig zu vermitteln sind, wenn der Alltagsbezug für die Besuchenden zuerst hergestellt werden muss. Nebst Nordeuropa sind Freilichtmuseen insbesondere im Baltikum und in Osteuropa beliebt. Aber auch in Deutschland gibt es gut 40 meist regionale Freilichtmuseen. Die Frage vom Ballenberg, wie viel Wissenschaft oder Event ein Freilichtmuseum ertrage, treibt aber auch die nördlichen Nachbarn seit Jahren um. Im Herbst ist sie gar Thema der Jahrestagung des Verbands deutscher Freilichtmuseen. «Weil die Exponate nicht in einem Schaukasten stehen, fühlen sich Besucher oft wie in einem Freizeitpark», sagt Sprecher Jan Carstensen. «Doch die inhaltliche Vermittlung und die Kernkompetenzen der Freilichtmuseen müssen in Ausstellungen und Events deutlich werden, da gibt es keine Kompromisse.» Apropos Event: Wer ein Freilichtmuseum mal bei Kälte, Regen oder glühender Hitze besuche, so Carstensen, werde spüren, wie unwirtlich das Leben war. «Diese Leute reden dann nicht mehr vom Heile-Welt-Klischee, das Freilichtmuseen angeblich verbreiten.» (sat)

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