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Bischof von Lugano wegen Zeitungsschliessung in der Kritik

Valerio Lazzeri scheut das Rampenlicht. Für die abrupte Einstellung der Tessiner Kurien-Tageszeitung «Giornale del Popolo» ist er nun aber ins Schussfeld der Kritik geraten.
Gerhard Lob
Valerio Lazzeri, Bischof von Lugano, in der Sacro Cuore Kirche in Lugano. (Bild: Karl Mathis/Keystone)

Valerio Lazzeri, Bischof von Lugano, in der Sacro Cuore Kirche in Lugano. (Bild: Karl Mathis/Keystone)

Selbst die Chefredaktorin sprach von einem Schock. Als Monsignore Valerio Lazzeri, Bischof von Lugano, vor wenigen Tagen die Redaktion des «Giornale del Popolo» (GdP) besuchte, überbrachte er die traurige Nachricht höchstpersönlich: Die Tageszeitung wird nach 92 Jahren mit sofortiger Wirkung eingestellt. Am vergangenen Freitag ist das Blatt in Druckform letztmals erschienen – die 20-seitige Ausgabe bestand fast vollständig aus weissen Blättern. Das Bistum Lugano als Verleger war nicht mehr in der Lage, das Defizit zu decken. Ein Ausstand in Höhe von rund 400'000 Franken, der in Folge des Konkurses von Publicitas entstanden ist, versetzte den Gnadenstoss. Das Blatt ist seit Jahren stark defizitär. Beobachter halten es für einen gravierenden Fehler, dass sich das GdP auf Ende 2017 vom Marktführer «Corriere del Ticino» getrennt hatte, welcher der Kurienzeitung über Jahre die Stange hielt.

Das Aus für die katholische Zeitung erschütterte das Tessin, auch ausserhalb katholischer Kreise. Denn es war ein Symbol für eine Meinungsvielfalt, die im Südkanton Tradition hat. Noch mehr erschütterte allerdings der Umstand, dass ausgerechnet die Kurie keinerlei Sozialplan für die 30 betroffenen Mitarbeitenden hat. Der Bischof habe zudem kaum ein Wort zu den Mitarbeitern und ihren Familien verloren. Sie erhalten ihren Mailohn, dann ist Schluss. Wer keine andere Stelle findet, muss sich arbeitslos melden. Der Bischof deponierte die Bilanzen persönlich beim Bezirksgericht.

«Das ist skandalös für eine Institution, die von der Kanzel Barmherzigkeit predigt», sagt etwas Enrico Morresi (82), der Doyen des Tessiner Journalismus und Verfasser einer zweibändigen Monografie über die Geschichte des Journalismus im Südkanton. So wie er denken viele, zumal etwa die kirchennahe christlich-soziale Gewerkschaft (OCST) stets mit handfesten Forderungen zur Stelle ist, wenn es um Massenentlassungen geht. Konnte die Kirche nicht wenigstens etwas von ihrem Hab und Gut veräussern, um einen Sozialplan zu garantieren? «Dann wäre die Diözese selbst Bankrott gegangen», so Lazzeri. Ein Freundeskreis sammelt nun Spenden.

Der Bischof ist in diesen Tagen gegen seinen Willen ins öffentliche Blickfeld und in die öffentliche Kritik geraten. Diese starke öffentliche Aufmerksamkeit ist ungewöhnlich für einen Bischof, der – im Gegensatz zu seinem Vorgänger Giuseppe Grampa – das Rampenlicht scheut. «Sicherlich liegt meine Priorität eher im Zuhören als im Reden», sagte er in einem Interview aus Anlass des ersten Jahrestags seines Episkopats. Zu seinem spärlichen öffentlichen Erscheinen meinte er: «Ich lege mehr Wert auf die Qualität denn auch die Quantität meiner Auftritte.»

Der 1963 in Dongio im Bleniotal geborene Valerio Lazzeri war im November 2013 von Papst Franziskus zum Bischof von Lugano ernannt worden. Zuvor war er Dozent an der Theologischen Fakultät Lugano, Bischofsvikar sowie Spiritual im Priesterseminar. Seine starke spirituelle Ausrichtung zeigte sich auch in seinem langen Editorial der letzten GdP-Ausgabe. Darin heisst es unter anderem: «Das GdP, wie wir es kannten und liebten, wird das Licht nicht mehr erblicken, aber der Geist, den es erfüllte, wird in unseren Herzen weiter­leben.»

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