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Eidgenossen ohne Musikgehör

Die Dialektwelle verärgert die Romands. Sie fordern ihre «Compatriotes» auf, wieder vermehrt das Hochdeutsche zu benutzen. Ihr Unbehagen wird noch genährt durch die Absicht Zürichs, Französisch als Prüfungsfach zu streichen.
Stefan Schmid
Dominique de Buman (Bild: ky)

Dominique de Buman (Bild: ky)

Die intensive Diskussion um den Gebrauch von Hochdeutsch und Schweizerdeutsch geht in die nächste Runde: José Ribeaud, ein pensionierter welscher Journalist, der 40 Jahre lang in der Deutschschweiz gelebt hat, plädiert in der aktuellen Ausgabe der Westschweizer «Coop-Zeitung» für mehr Hochdeutsch in der Deutschschweiz. Von der Idee, dass Romands vermehrt Dialekt statt Hochdeutsch lernen sollen, hält er nichts.

Heftige Debatte im Welschland

Der Freiburger CVP-Nationalrat Dominique de Buman unterstützt Ribeauds Forderung: Auf Anfrage sagt der Präsident von Helvetia Latina, jener Organisation, welche die Mehrsprachigkeit der Schweiz fördert: «Die Romands müssen Hochdeutsch lernen und die Deutschschweizer Französisch.» Wenn jede Sprachgruppe einen Effort leiste, dann verstehe man sich eigentlich ganz gut.

«Sehr schade wäre es, wenn sich die Schweizer bald nur noch auf Englisch miteinander verständigen könnten.»

Zürich prescht wieder vor

Insbesondere in der Romandie ist in den vergangenen Wochen eine heftige Sprachendebatte ausgebrochen, die mittlerweile in die Deutschschweiz überschwappt. So war der Sprachengebrauch gestern Thema in der Sendung «Club» des Fernsehens.

Ausgelöst wurden die Diskussionen durch einen Beitrag des Grünen Genfer Politikers Antonio Hodgers. Dieser forderte in der «NZZ am Sonntag», die Deutschschweizer sollen ihre Dialekte nur noch im Privaten gebrauchen und in der Öffentlichkeit Hochdeutsch sprechen. Gleichzeitig forderte Hodgers seine welschen Compatriotes auf, Schweizerdeutsch zu lernen. Hodgers selbst lebt derzeit in Bern statt Genf, weil er des Berndeutschs mächtig werden möchte.

Zusätzlich geschürt wird die Sprachendebatte durch jüngst publik gewordene Pläne der Zürcher Bildungsdirektion, Französisch künftig beim Übertritt ins Gymnasium nicht mehr zu prüfen. Die Massnahme wird in erster Linie damit begründet, dass mit Deutsch die sprachlichen Fähigkeiten bereits ausreichend getestet seien. Komme Französisch auch noch dazu, sei dies ein Nachteil für die sprachlich eher schwächeren Knaben. Zürich steht mit seinen Plänen bisher aber isoliert da.

«Uns sind keine Kantone bekannt, die ähnliches planen», sagt Alexander Gerlings von der Erziehungsdirektorenkonferenz.

Die Ankündigung aus Zürich schürt in der Westschweiz derweil die bereits vorhandenen Ängste, das Französische verliere auf dieser Seite des Röstigrabens weiter an Boden. Erst wenige Jahre ist es her, seit der damalige Zürcher Bildungschef Ernst Buschor das Frühfranzösisch mit Frühenglisch ersetzte und es ihm in der Folge sämtliche Ostschweizer und Innerschweizer Kantone gleichtaten.

In der Ostschweiz wird heute Englisch ab der dritten und Französisch erst ab der fünften Primarklasse unterrichtet.

Gefragt ist der Wille

Für Helvetia-Latina-Präsident de Buman wird die Sprachenfrage zurzeit zu polemisch diskutiert. Selbstverständlich könne es nicht darum gehen, dass einige Romands den Deutschschweizern die Mundart verbieten wollen, nur weil sie diese nicht verstünden.

Andererseits müssten sich die Deutschschweizer halt bewusst sein, dass die Romands in der Schule Hochdeutsch und nicht Schweizerdeutsch lernten – zumal es ja auch kein einheitliches Schweizerdeutsch gebe. De Bumans Fazit lautet daher: «Die Schweizer müssen ihre Vielsprachigkeit als Chance verstehen und sie wieder bewusster fördern.»

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