Ehepaar belastet Grenzwächter

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Totgeburt Gestern hat der Prozess gegen einen Schweizer Grenzwächter begonnen. Dem Teamleiter wird vorgeworfen, dass er als ranghöchster Verantwortlicher 2014 einer hochschwangeren Syrerin keine medizinische Hilfe zukommen liess. Die Frau erlitt eine Totgeburt. Der Ehemann schilderte vor Gericht, dass er die Grenzwächter drei-, viermal auf Englisch um Hilfe gebeten habe. Seine Schwägerin könne kein Englisch, habe aber den Grenzwächtern mehrmals gesagt: «Baby, Baby.» «Das Wort versteht man doch in allen Sprachen», sagte er. Die Ehefrau schilderte, sie sei auf einer Pritsche gelegen, habe geweint und Schmerzenslaute von sich gegeben. Weshalb man ihr keine ärztliche Hilfe zukommen liess, habe man ihr nicht gesagt.

Baby hätte wohl gerettet werden können

Der Angeklagte wurde nicht befragt. Als Zeugen traten zwei ­ehemalige Arbeitskollegen der Grenzwache auf, beide Frührentner. Sie sagten, dass der Einsatzleiter, also der Angeklagte, zu entscheiden hatte, ob Hilfe angefordert wird. Die Grenzwächter hatten seinerzeit die Lage der Frau nicht als dramatisch eingestuft, wie sie berichteten. Doch beide betonten, ihren Vorgesetzten informiert zu haben, dass ein Mann der Flüchtlingsgruppe einen Arzt für seine Frau verlangt habe. Erst als die Frau habe gestützt werden müssen, sei ihm klar geworden, dass etwas nicht stimme, sagte einer der Grenzwächter. Er habe sich erneut an den Vorgesetzten gewandt, doch der sei am Telefon gewesen. Er habe nur gehört: «Verlade jetzt.»

Ein Gutachter erläuterte vor Gericht, dass es bei der Schwangeren zu einer Teilablösung der Plazenta gekommen sei. Bei einer solchen bestünden gute Chancen, dass der Fötus mit rascher medizinischer Hilfe gerettet werden könne. Wenn eine im siebten oder achten Monat schwangere Frau über starke Blutungen klage, «muss man reagieren», betonte der Gutachter zudem. Der Prozess dauert voraussichtlich bis morgen. (sda)