Vier weitere Corona-Fälle in der Schweiz – Bund lanciert Informationskampagne

Die Schweiz hat vier neue Corona-Fälle in Aargau, Graubünden und Genf. Der Bund reagiert mit einer Informationskampagne.

Maja Briner
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Mitarbeiter der Zollverwaltung verteilen an der Grenze zu Italien die neuen Informationsflyer des Bundes.

Mitarbeiter der Zollverwaltung verteilen an der Grenze zu Italien die neuen Informationsflyer des Bundes. 

Pablo Gianinazzi / TI-PRESS

Mindestens fünf Menschen in der Schweiz sind am Corona-Virus erkrankt. Nachdem am Dienstag ein erster Fall im Tessin bestätigt wurde, kamen gestern gleich vier weitere dazu. Im Kanton Graubünden sind zwei Kinder einer italienischen Familie betroffen, die im Oberengadin in den Ferien weilten. Im Kanton Aargau ist ein 26-Jähriger am Virus erkrankt, der sich letzte Woche im italienischen Verona aufgehalten hatte. Und in Genf ist ein 28-jähriger Schweizer betroffen, der zuvor in Mailand gewesen war.

Alle Erkrankten haben sich laut Behördenangaben in Italien angesteckt. «Bisher wurde keine Übertragung in der Schweiz festgestellt», sagte der Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), Pascal Strupler, gestern vor den Medien. Die Situation könne sich allerdings sehr rasch ändern. «Darauf sind wir vorbereitet», versicherte er.

Bund rechnet mit weiteren Erkrankten

Die Behörden gehen davon aus, dass mehr Fälle hinzukommen werden. «Weltweit sieht die Situation nicht gut aus», sagte Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG. Auch in den Nachbarländern der Schweiz stiegen die Fallzahlen massiv. Momentan versuchen die Behörden in der Schweiz, möglichst alle Fälle zu entdecken und sie sowie ihr Umfeld in Quarantäne zu nehmen.

Lange könne dieses System aber nicht aufrecht erhalten werden, sagte Koch. «Wir werden uns sehr rasch auf die schweren Fällen konzentrieren.» Er betonte, die meisten Fälle verliefen harmlos. Den Schweizer Betroffenen gehe es den Umständen entsprechend gut.

Händewaschen gegen den Virus

Trotzdem: Die Fieberkurve zeigt nach oben. «In den letzten Tagen und Stunden ist die Beunruhigung in der Schweiz stark angestiegen», sagte Koch. Das BAG reagiert nun mit einer Informationskampagne. Unter dem Slogan «So schützen wir uns» macht es mit gelben Flyern, Plakaten, Anzeigen und Werbespots auf drei wichtige Hygiene- und Verhaltensregeln aufmerksam: die Hände gründlich waschen, in ein Taschentuch oder die Armbeuge husten und zu niesen sowie bei Fieber und Husten zuhause bleiben.

Mit diesen Regeln soll die Verbreitung des Virus verhindert oder zumindest gebremst werden. Einen besonderen Fokus legen die Behörden dabei auf die Grenze zu Italien, das viele Fälle verzeichnet: 1000 Plakate und 200'000 Flyer wurden an die Südgrenze geliefert.

Ansturm auf Hotline und Arztpraxen

BAG-Direktor Strupler räumte ein, bei den drei Hygieneregeln handle sich um sehr einfache Massnahmen, die auch nicht neu seien – aber sie seien bewährt. «Wenn wir uns an diese Regeln halten, schützen wir uns selbst und auch unsere Mitmenschen», sagte er. Sollten weitere Massnahmen notwendig werden, will der Bund die Kampagne rasch anpassen.

Bereits aufgestockt hat das BAG die Ressourcen für die Hotline (058 463 00 00) – diese soll nun rund um die Uhr erreichbar sein. Die Hotline ist gefragt: Innert eines Tages wurden dort laut BAG knapp 1700 Anrufe registriert. Wie gross die Beunruhigung ist, zeigte sich beispielhaft auch im Kanton Zürich. Arztpraxen und Spitäler würden überrannt, sagte Josef Widler, Präsident der Ärztegesellschaft.

Die Behörden betonen, es gebe keinen Grund für Panik; man sei vorbereitet. Daniel Koch vom BAG räumte zwar ein, es gebe weltweit ein Problem mit der Verfügbarkeit von Hygienemasken. Er wies aber auch darauf hin, als Gesunder sei es unnötig, solche zu tragen. Masken seien für das Gesundheitspersonal sowie für Kranke vorgesehen.

Engadiner Skimarathon abgesagt

Kopfzerbrechen bereiten den Behörden offensichtlich Grossveranstaltungen. Graubünden sagte den Engadiner Skimarathon sowie weitere Anlässe ab. Auch die Tessiner Behörden haben den Karneval untersagt, zwei Eishockeyspiele finden vor leeren Rängen statt.

Momentan entscheiden die Kantone über die Durchführung von Grossveranstaltungen. Das könnte sich jedoch ändern. Strupler sagte gestern, der Bundesrat werde «zum geeigneten Zeitpunkt» den Übergang von der normalen zur besonderen Lage beschliessen. Damit erhielte der Bund zusätzliche Kompetenzen.

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