Verabschiedung
«Doris Leuthard wurde nie emotional»: Da lacht der ganze Saal – und sie gleich mit

Vor der Wahl ihrer Nachfolge ist die Aargauer CVP-Bundesrätin Doris Leuthard verabschiedet worden. In ihrer Rede blickte sie nicht nur zurück, sondern auch noch einmal in die Zukunft.

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«Doris Leuthard ist eine Frau des Herzens, und unter anderem deshalb ist sie so populär»: Mit diesen Worten hat Nationalratspräsidentin Marina Carobbio (SP/TI) die abtretende Umwelt- und Verkehrsministerin gewürdigt. Verbunden mit dieser Popularität sei ein ausgeprägter politischer Instinkt.

«Leuthard wusste, was machbar ist und was von wem erlangt werden kann», sagte Carobbio am Mittwoch vor der Vereinigten Bundesversammlung. Die Popularität der Aargauer CVP-Politikerin habe sich bereits bei ihrer Wahl 2006 gezeigt, und diese Eigenschaft sei in all ihren Amtsjahren ihre grosse Stärke gewesen.

Der ganze Saal musste lachen, als Carobbio sagte: «Doris Leuthard wurde nie emotional.» Denn Leuthard ist doch immer wieder durch mit emotionalen Reaktionen aufgefallen, etwa an Medienkonferenzen.

Die abtretende Bundesrätin Doris Leuthard.
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Applaus für die abtretende Doris Leuthard – hinter ihr klatscht Nationalratspräsidentin Marina Carobbio Guscetti (SP, Tessin).
Nach ihrer Rede erhält Doris Leuthard lang anhaltenden Applaus.
Küsschen von Johann Schneider-Ammann – er wird nach ihr verabschiedet.
Natürlich erhält Doris Leuthard auch Blumen – und wird von Medienleuten ins Visier genommen.
"Doris Leuthard ist eine Frau des Herzens, und unter anderem deshalb ist sie so populär": Mit diesen Worten hat Nationalratspräsidentin Marina Carobbio (SP/TI) die abtretende Umwelt- und Verkehrsministerin gewürdigt.
Verbunden mit dieser Popularität sei ein ausgeprägter politischer Instinkt, so Carobbi weiter.
Carobbi über Leuthard: "Leuthard wusste, was machbar ist und was von wem erlangt werden kann."
Die Vereinigte Bundesversammlung während der Verabschiedung von Doris Leuthard.
Nach Doris Leuthard wird auch Johann Schneider-Ammann verabschiedet.
Die Vereinigte Bundesversammlung während der Verabschiedung von Doris Leuthard.
Doris Leuthard hört aufmerksam zu – mit vielsagender Mimik.
Verabschiedung Doris Leuthard (4)

Die abtretende Bundesrätin Doris Leuthard.

ANTHONY ANEX

Zu Konkordanz, Konsens und Kompromiss aufgerufen hat die scheidende Bundesrätin Doris Leuthard in ihrer Abschiedsrede vor dem Parlament. Ihr Amt habe sie als ehrenvolles Privileg verstanden und als Dienst an der Schweiz.

Leuthard nannte ihre zwölf Jahre im Bundesrat eine spannende, aber auch sehr intensive Zeit. Sie nannte als Beispiele die Bewältigung der Finanz- und Schuldenkrise, wachsenden Populismus und zunehmende Polarisierung, sich häufende Handelskonflikte und schwindendes Vertrauen in Politik und Wirtschaft.

Internationale Verträge wie das Klimaabkommen von Paris oder vermeintlich unbestrittene Abrüstungsabkommen würden unverhofft in Frage gestellt, sagte die Umweltministerin. Dass Machtpolitik wieder eine stärkere Rolle spiele, zwinge die Schweiz dazu, sich international stärker einzubringen, um ihre Interessen zu wahren.

«Er hat alles aushalten müssen»

Doris Leuthard dankte nicht nur den Parlaments- und Bundesratskollegen, sondern auch den Schaffern im Hintergrund, etwa «den Gärtnern». Und vor allem ihrem Mann: «Er hat das alles aushalten müssen.»

Rückhalt habe sie verspürt nicht nur von ihrer Partei, sondern auch jenen «des Kantons Aargau und meiner Gemeinde Merenschwand».

«Wehmütig» – der Aargauer FDP-Nationalrat Matthias Jauslin:

Doch die Verkehrs- und Energieministerin aus dem Aargau brachte sich durchaus auch in ihrem letzten grossen Moment als Bundesrätin politisch ein: «Je länger wir keine Lösung mit der EU finden, desto höher wird der Preis», mahnte sie. Sie machte klar, dass sich die Schweiz in dieser Sache bewegen müsse, denn: «Stillstand ist Rückstand.»

Damit macht die abtretende Bundesrätin deutlich Werbung für das Rahmenabkommen mit der EU, über dieses der Bundesrat diesen Freitag informieren will.

«Kämpfen Sie für unser schönes Land!»

Zur Lage in der Schweiz gab sie zu bedenken, dass «das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik gelitten» habe. «Entsprechend wächst der Populismus, der Multilateralismus wird geschwächt.»

Das zwinge Länder wie die Schweiz, sich international mehr einzubringen, um ihre Interessen durchzusetzen. «Wir müssen uns mit Ländern zusammentun, mit Ländern die unsere Werte teilen. Demokratie, Verlässlichkeit, Innovationskraft und Kooperation.»

Die föderalen Zuständigkeiten sind laut Leuthard die Stärke der Schweiz. Es brauche aber auch den Respekt vor der Gewaltenteilung. Die Politik müsse immer wieder von neuem den Ausgleich suchen. «Suchen wir den Kompromiss. Die Aufgabe der Politik ist es, Lösungen im richtigen Moment zu suchen.»

Doris Leuthard beendete ihre Rede mit den Worten: «Die Schweiz gibts nur einmal, kämpfen sie für unser schönes Land!» (CHM/SDA)

Doris Leuthard – ihre Karriere in Bildern:

Ab 1997 im Aargauer Grossen Rat, kandidiert Doris Leuthard 1999 für den National- und Ständerat. Der damalige CVP-Parteisekretär Reto Nause, heute Berner Sicherheitsdirektor, liess Duschgel mit ihrem Gesicht verteilen. Die Aargauer Zeitung titelte «Duschen mit Doris».
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Leuthards erstes Nationalratsportrait.
«Duschen mit Doris» wurde zum inoffiziellen Wahlkampfspruch als Leuthard 1999 für den National- und Ständerat kandidierte. Im Aargau wurden Tausende von Duschmittel-Beuteln mit ihrem Porträt verteilt.
Seit 1991 war Doris Leuthard als Rechtsanwältin tätig und Partnerin des Büros Fricker und Leuthard in Wohlen und Muri.
Hochzeit an Silvester: Am 31. Dezember 1999 heirateten Doris Leuthard und Roland Hausin auf dem Standesamt in Merenschwand.
Fünf Jahre nach ihrer Wahl ins Parlament wurde sie 2004 als Nachfolgerin von Philipp Stähelin zur Parteipräsidentin gewählt.
Zwei Jahre später folgte der nächste Blumenstrauss: Sie wurde von der CVP als Bundesratskandidatin und Nachfolgerin für Joseph Deiss vorgeschlagen.
Sie wurde 2006 mit 133 von 234 gültigen Stimmen gewählt.
Die stolzen Eltern gratulieren ihrer Tochter am 14. Juni 2006 mit einem Spruchband zur Wahl in den Bundesrat.
Der Bundesrat zur Zeit der Wahl von Leuthard (v.l.n.r.): Moritz Leuenberger, Micheline Calmy-Rey, Pascal Couchepin, Samuel Schmid, Christoph Blocher, Hans-Rudolf Merz, Doris Leuthard und Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz.
2007 erlebte sie auch die Abwahl Christoph Blochers und die daraus resultierende Abspaltung der BDP. Blocher wurde durch Eveline Widmer-Schlumpf ersetzt.
2010 wurde sie zum ersten Mal Bundespräsidentin. Hier steigt sie gerade aus dem Zug in Aarau.
2010: Küsschen für Bundespräsident Doris Leuthard in Paris.
Im selben Jahr hielt sie an der Generalversammlung der UNO eine Rede.
Ebenfalls ein beliebtes Sujet: Die Bundespräsidentin an der Olma – inklusive Ferkel.
Während ihrer Amtszeit durchreiste sie die ganze Schweiz: Hier die Bundesratsreise 2013, wo sie sich in Hinwil in einen Schützenpanzer setzte.
Ab 2014 war ihr Dienstauto ein Tesla.
Am 1. August 2015 trat Leuthard in Bad Zurzach auf.
Ein grosser Meilenstein in ihrer Karriere: Leuthard an der Eröffnung des Neat-Gotthardbasistunnels im Frühling 2016.
7. Dezember 2016: Doris Leuthard wird nach 2010 zum zweiten Mal zur Bundespräsidentin gewählt. Sie erhält 188 von 207 gültigen Stimmen.
Im Sommer 2017 organisierte Doris Leuthard das Bundesratsreisli. In Lenzburg gab es beim Apéro genug Zeit für Selfies und einen Schwatz mit der Bevölkerung.
An der 1.-August-Feier 2018 in Villmergen ermahnte Doris Leuthard die Schweizerinnen und Schweizer, miteinander zu arbeiten und nicht gegeneinander.
Dezember 2018: Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann verabschieden sich aus dem Bundesrat.

Ab 1997 im Aargauer Grossen Rat, kandidiert Doris Leuthard 1999 für den National- und Ständerat. Der damalige CVP-Parteisekretär Reto Nause, heute Berner Sicherheitsdirektor, liess Duschgel mit ihrem Gesicht verteilen. Die Aargauer Zeitung titelte «Duschen mit Doris».

Keystone

Die besten Bilder von den Bundesratswahlen 2018:

Grosser Moment: Viola Amherd und Karin Keller-Sutter werden als neue Bundesrätinnen vereidigt.
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Kopie von Bundesratswahl 2018
Keller-Sutter, die Favoritin auf den FDP-Sitz, wird im ersten Wahlgang mit mit 154 Stimmen gewählt.
Der unterlegene FDP-Bundesratskandidat Hans Wicki macht 56 Stimmen.
Das Profil der St. Galler Ständerätin Karin Keller Sutter (54) galt als mehrheitsfähig. Hier winkt sie nach der Wahl Angehörigen zu.
FDP-Anhänger jubeln über die Wahl von Karin Keller-Sutter.
Karin Keller-Sutter (FDP) und Viola Amherd (CVP) waren die Top-Favoritinnen vor der Wahl – die Freude ist nichtsdestotrotz gross.
Karin Keller-Sutter erklärt Annahme der Wahl zum 119. Mitglied des Bundesrates.
Zuvor wird die Oberwalliser CVP-Nationalrätin Viola Amherd (56) überraschend klar im ersten Wahlgang gewählt.
Viola Amherd erzielt mit 148 von 240 Stimmen ein Glanzresultat.
Die unterlegene Urner Regierungsrätin Heidi Z'graggen kommt gegen Amherd lediglich auf 60 Stimmen.
Viola Amherd erklärt Annahme der Wahl zum 118. Mitglied des Bundesrates.
Riesige Freude: Anhänger aus dem Wallis freuen sich über die Wahl von Viola Amherd.
Die Vereidigung: Viola Amherd und Karin Keller-Sutter zwischen den Ratsweibeln Ivan Della Valentina und Peter Truffer.
Viola Amherd und Karin Keller-Sutter auf dem Weg zum Treffen mit dem Gesamtbundesrat.
Die neugewählten Bundesrätinnen Karin Keller-Sutter, 2. von rechts, und Viola Amherd, 3. von rechts, posieren mit dem Gesamtbundesrat – von links: Bundespräsident Alain Berset, Ueli Maurer, Simonetta Sommaruga, Guy Parmelin, Ignazio Cassis und Bundeskanzler Walter Thurnherr.
Karin Keller-Sutter mit ihren Brüdern Bernhard, Rolf, und Walter.
Karin Keller-Sutter posiert mit ihrem Ehemann Morten Sutter, links, und Keller-Sutters Bruder Rolf Sutter mit dessen Ehefrau Maria.
Viola Amherd winkt neben ihrer Weibelin auf der Treppe des Bundeshauses.
Auch Karin Keller-Sutter kommt die Treppe mit ihrem Weibel hinunter.
Karin Keller-Sutter nimmt auf dem Bundesplatz Glückwünsche entgegen.
Viola Amherd nimmt die Glückwünsche der Walliser Regierung entgegen. Von links die Staatsräte Frederic Favre, Jacques Melly, Esther Waeber-Kalbermatten und Christophe Darbellay.
Viola Amherd mit ihrer Cousine Denise Wasmer und ihrer Nichte Lia Amherd, von rechts, sowie mit Esther Waeber-Kalbermatten, Staatsrätin des Kantons Wallis, links.
Die neu gewählte Bundesrätin Viola Amherd geniesst das Bad in der Menge vor dem Bundesplatz in Bern.
Die Vereidigung: Blick von der Tribüne.
Die Vereidigung: Blick von hinten.
Auch die Blumensträusse liegen vor der Ersatzwahl bereit.
Vor der Wahl: Die Ratsweibel Nathalie Radelfinger und Ivan Della Valentina mit den Wahlurnen.
Zuvor wurden die abtretenden Doris Leuthard (CVP) und Johann Schneider-Ammann (FDP) verabschiedet.
Johann Schneider-Ammann sorgt bei seiner Abschiedsrede für einen Lacher, indem er über sich selbst witzelt: «Das Rednerpult gehört nicht zu meinen Lieblingsmöbeln.»
Arbeiten und Resultate bringen: So habe er das Amt als Bundesrat interpretiert, sagte Schneider-Ammann. Er habe sich stets als Vertreter des Konkreten verstanden, nicht als Publikumsliebling.
Marina Carobbio Guscetti: «Doris Leuthard wurde nie emotional» Doris Leuthard beweist während der Rede der Nationalratspräsidentin, dass sie den Sinn für Humor auch bis zur Verabschiedung nicht verloren hat.
«Doris Leuthard ist eine Frau des Herzens, und unter anderem deshalb ist sie so populär»: Mit diesen Worten wird die abtretende Umwelt- und Verkehrsministerin von Carobbio gewürdigt.
Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann verlassen den Saal vor der Ersatzwahl. Beide wurden mit einer ausgiebigen Standing Ovation verabschiedet.
Jetzt folgen die Bilder vom Vorabend: Politiker und Medienschaffende treffen sich in der sogenannten "Nacht der langen Messer" im Hotel Bellevue in Bern.
Die volle Bellevue-Bar neben dem Bundeshaus.
Die Oberwalliser freuen sich auf "ihre" Bunderätin: Vor dem Bundeshaus hat sich Radio Rottu Oberwallis installiert – auf einem Anhänger. Am Dienstagabend ist Moderator Sebastian Voide (im roten Pulli) im Einsatz.
Nationalrätin Min Li Marti (SP, ZH) und Beat Walti (Fraktionspräsident FDP, ZH), sprechen an der Seite von Philippe Nantermod (FDP, VS, zweite-links) und Balthasar Glättli (Fraktionspräsident GP, ZH, zweite-rechts).
Nationalrat Duri Campell, BDP-GR, und Nationalrat Matthias Aebischer, SP-BE.
Die volle Bellevue-Bar neben dem Bundeshaus.
Das Bundeshaus in der Nacht.
Bilder vor der "Nacht der langen Messer": Karin Keller-Sutter (FDP) bei den Anhörungen der Parteien.
Viola Amherd (CVP) vor den Medien nach den Anhörungen der Parteien.
Heidi Z'graggen (CVP) nach den Anhörungen der Parteien.
Hans Wicki (FDP) nach den Anhörungen der Parteien.

Grosser Moment: Viola Amherd und Karin Keller-Sutter werden als neue Bundesrätinnen vereidigt.

ANTHONY ANEX