Diskreter Diener der Politik

Im Hintergrund hat Christoph Lanz für einen reibungslosen Ablauf der Parlamentsdebatten gesorgt. Nun geht der Generalsekretär der Bundesversammlung in Pension. Im Bundeshaus wird er dennoch weiter anzutreffen sein.

Eveline Rutz
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30 Jahre im Dienst des Bundes: Christoph Lanz, abtretender Generalsekretär der Bundesversammlung. (Bild: ky/Peter Schneider)

30 Jahre im Dienst des Bundes: Christoph Lanz, abtretender Generalsekretär der Bundesversammlung. (Bild: ky/Peter Schneider)

BERN. Auf Christoph Lanz' dunklem Bürotisch steht eine goldene Helvetia. Es ist ein Abschiedsgeschenk des Schweizer Fernsehens. Kurz vor seiner Pensionierung hat der Generalsekretär der Bundesversammlung noch einmal eine besonders intensive Session erlebt. Der Steuerdeal mit den USA hielt auch die von ihm geleiteten Parlamentsdienste gehörig auf Trab. Die nächtlichen Kommissionssitzungen mussten unter grossem Zeitdruck protokolliert werden. Die Traktandenlisten der beiden Räte wurden laufend angepasst. «Wir waren auf alle Szenarien vorbereitet», sagt Lanz.

«Parlament reagiert schnell»

Dass die Qualität der parlamentarischen Arbeit unter dem hohen Tempo gelitten hat, glaubt er nicht. Zumal allein die Wirtschaftskommission des Ständerats 18 Stunden lang tagte. «Viele Geschäfte werden nicht derart ausführlich beraten.» Rasch debattieren und entscheiden mussten die Parlamentarier auch, als es 1991 um den EWR-Vertrag und 2008 um die Rettung der UBS ging. «Das Schweizer Parlament ist nicht schwerfällig», kontert der 65-Jährige eine häufige Kritik. Es könne schnell reagieren, unterscheide sich aber beispielsweise vom britischen House of Commons, in dem vor allem geredet werde. In der Schweiz wirkten die Ratsmitglieder am Gesetzgebungsprozess bis ins Detail mit. Inzwischen gehen 27 Prozent aller Gesetze auf parlamentarische Initiativen zurück. «Das Parlament nimmt das Heft vermehrt selbst in die Hand.»

Abseits des Rampenlichts

Lanz stieg 1982 als Kommissionssekretär und Leiter des Rechtsdiensts ein. 16 Jahre lang war er Sekretär des Ständerats, eher er im Dezember 2007 zum Generalsekretär der Bundesversammlung gewählt wurde. Das Interesse an Politik entwickelte der Basler im Elternhaus. Schon in jungen Jahren begleitete er seinen Vater regelmässig an die Urne. Später las er ausgiebig Zeitungen und studierte in Bern, Basel, Genf und den USA öffentliches Recht. Ins Rampenlicht drängte es den Sozialdemokraten aber nie. «Mit Flügelkämpfen und persönlichen Angriffen hätte ich Mühe gehabt.» Als Jurist habe er zudem immer auch die andere Seite gesehen. Im Dienst des Parlaments kam ihm dies entgegen. Seine loyale, kompetente und diskrete Art wurde rundum geschätzt. «Er hat mich sehr gut unterstützt, mir aber immer die Entscheidungsfreiheit gelassen», sagt Hansjörg Walter, der den Nationalrat 2011/2012 präsidierte. Parteipolitik habe dabei nie eine Rolle gespielt.

Ein Höhepunkt waren für Lanz jeweils die Bundesratswahlen. Als 1984 Otto Stich statt der offiziellen Kandidatin Lilian Uchtenhagen in die Kränze kam, war er an der Türe zur SP-Fraktion postiert. Wie die Unterlegene den Ratssaal verliess, hat sich in seiner Erinnerung festgesetzt. Aber auch den Wirbel um Elisabeth Kopp und die Abwahlen von Ruth Metzler und Christoph Blocher wird er nicht vergessen. «Das waren markante Erlebnisse.»

In den letzten fünf Jahren war Lanz für den reibungslosen Ablauf der Wahlen verantwortlich. Er musste nicht nur die Wahlgänge überblicken, sondern auch logistische Fragen klären. Immerhin bevölkern 1200 Leute zusätzlich das Bundeshaus, wenn ein Regierungsmitglied gewählt wird.

Dozent für Parlamentsrecht

Um vom Parlamentsbetrieb Abstand zu gewinnen, ging Lanz joggen oder wandern. Künftig wird man ihn bald häufiger im Berner Oberland antreffen, wo er mit seiner Frau eine Ferienwohnung besitzt. Seine freie Zeit will er zudem nutzen, um Europa zu bereisen, aber auch um den Kontakt zu seinen drei erwachsenen Söhnen zu pflegen.

Dem Bundeshaus kehrt er nicht ganz den Rücken: Als Dozent für Parlamentsrecht wird er es mit seinen Studenten weiter besuchen. Seine letzten Arbeitstage nutzt Lanz für die Übergabe an seinen Nachfolger Philippe Schwab. Am Freitag wird er von seiner Belegschaft verabschiedet. Zur goldenen Helvetia dürften dann weitere Andenken hinzukommen.