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Diplomaten-Mord wird neu aufgerollt

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen über die Ermordung eines ägyptischen Diplomaten im Jahr 1995 in Genf wieder aufgenommen – und bereits einen neuen Rückschlag erlitten.
Balz Bruppacher
Vor fast 25 Jahren erschütterte der Mord an einem ägyptischen Diplomaten die Stadt Genf. Bild: Anja Niedringhaus/AP (16. Juli 2009)

Vor fast 25 Jahren erschütterte der Mord an einem ägyptischen Diplomaten die Stadt Genf.
Bild: Anja Niedringhaus/AP (16. Juli 2009)

Es geht um ein Verbrechen, das als Vorlage für einen Politthriller dienen könnte. Am Abend des 13. November 1995 kehrt der ägyptische Diplomat Alaa al-Din Nazmi an seinen Wohnort in der Genfer Vorortsgemeinde Petit-Saconnex zurück. In der Tief­garage des Mehrfamilienhauses wird der 42-jährige Familienvater mit sechs Schüssen aus einer Faustfeuerwaffe niedergestreckt. Die damalige Bundesanwältin Carla Del Ponte eröffnet ein Strafverfahren gegen unbekannt wegen vorsätzlicher Tötung sowie wegen Mordes. Am Tatort wird ein aus Schaumstoff einer Kopfstütze gebastelter und mit Klebeband versehener Schalldämpfer der Waffe sichergestellt. Zwei Tage nach der Tat taucht ein Bekennerschreiben einer bis dahin unbekannten Gruppe «Gamaa International Justice» auf.

Die Bundesanwaltschaft (BA) kommt bei ihren Ermittlungen aber nicht voran. Erst 2007, also zwölf Jahre nach der Tat, werden vier DNA-Profile auf dem Schalldämpfer sichergestellt, wie Gerichtsentscheiden zu entnehmen ist. Und zwar drei männliche und ein weibliches Profil. Eines der männlichen Profile erweist sich als nicht verwertbar. Trotz der DNA-Spuren konnte die BA die Täterschaft nicht ermitteln, weshalb sie im Dezember 2009 das Strafverfahren sistierte. Offenbar aufgrund von neuen DNA-Analysen, die drei der vier Spuren dank technischer Fortschritte lesbar machten, verfügte die BA im Januar 2018 die Wiederaufnahme des Verfahrens. Es richtet sich gemäss eines BA-Sprechers inzwischen gegen drei Personen.

Wie Entscheiden des Bundesstrafgerichts und des Bundesgerichts vom Dezember 2018 beziehungsweise vom vergangenen Januar zu entnehmen ist, wurde gegen zwei Beschuldigte Untersuchungshaft angeordnet. Ein Mann wurde am vergangenen 30. Oktober verhaftet; er bestreitet, etwas mit dem Tötungsdelikt zu tun zu haben.

Beschuldigte wieder auf freiem Fuss

Seine Aussagen über eine Partnerin zum Zeitpunkt des Verbrechens führten am 14. November zur Verhaftung der Frau. Sie war zunächst als Auskunftsperson befragt und als Beschuldigte verhaftet worden, nachdem die Übereinstimmung mit dem DNA-Profil auf dem Schalldämpfer festgestellt wurde. Die Frau bestreitet ebenfalls, etwas mit der Tötung des Diplomaten zu tun zu haben, und kann sich nicht erklären, wie ihr DNA-Profil auf den Schalldämpfer kam. Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Bern verfügte Untersuchungshaft bis zum 25. Dezember. Das Bundesstrafgericht bestätigte am 5. Dezember die Haft wegen Kollusionsgefahr.

Mit Rekurs ans Bundesgericht verlangte die Beschuldigte ihre sofortige Freilassung – eine Forderung, der die Bundesanwaltschaft am 21. Dezember nachkam, wie der nachträglichen Verfügung des Bundesgerichts zu entnehmen ist. Zuvor hatte die BA Hausdurchsuchungen am Wohnort und am Arbeitsort der Frau angeordnet. Ein BA-Sprecher wollte sich nicht zur Frage äussern, ob das Verfahren im Falle der Frau inzwischen eingestellt wurde. Er gab auch nicht bekannt, ob sich der Ende Oktober festgenommene Mann noch in Untersuchungshaft befindet. Laut einem Bericht der Genfer Tageszeitung «Tribune de Genève» vom vergangenen November handelt es sich um einen italienisch-ivorischen Autoverkäufer, der wegen Diebstahls vorbestraft ist. Er soll kurz vor der Tat aus der Waadtländer Strafanstalt Bochuz ausgebrochen sein. Auch zu diesen Informationen machte die Bundesanwaltschaft keine Angaben.

Zusammenhang mit Terrorist Zawahiri?

Unbeantwortet blieben auch Fragen, ob es Anhaltspunkte für einen politischen Hintergrund der Tat gibt und ob Ägypten im Verfahren der BA Parteistellung hat. Unmittelbar nach der Tat wurde in Medien über einen Zusammenhang der Tötung des Diplomaten mit dem ägyptischen Islamisten Ayman al-Zawahiri spekuliert. Nazmi, der offiziell als Nummer 2 der Handelsabteilung der ägyptischen Mission in Genf akkreditiert war, sei beauftragt gewesen, militante Anhänger der Muslimbrüder und deren finanzielle Ressourcen in der Schweiz auszukundschaften – Mutmassungen, die von Ägypten dementiert wurden.

Die zeitweilige Präsenz Zawahiris in Genf war von den Bundesbehörden lange dementiert worden. Erst 2003 bestätigte die BA, dass der Al-Kaida-Führer 1989 ein Bankkonto in Genf eröffnet hatte, das 1993 wieder geschlossen wurde. Laut einem NZZ-Bericht liess sich Zawahiri 1995 – also im Jahr der Ermordung des ägyptischen Diplomaten – in einer Genfer Privatklinik wegen einer Schusswunde operieren.

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