«Die Vernunft hat gewonnen»

Die Lungenliga habe im Abstimmungskampf übertrieben emotionalisiert, kritisiert SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel (SG). Das sei nicht goutiert worden.

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Roland Rino Büchel (Bild: Hanspeter Schiess)

Roland Rino Büchel (Bild: Hanspeter Schiess)

Herr Büchel, wie interpretieren Sie das Nein zur Passivrauch-Initiative?

Roland Rino Büchel: Vom klaren Verdikt bin ich überrascht. Ich bin froh, dass die Bevölkerung eingesehen hat, dass es bei dieser Initiative um mehr als ums Rauchen ging. Es ging auch um den Föderalismus, um die Frage, ob den Kantonen so etwas aufgezwungen werden darf. Nun hat die Vernunft gewonnen.

Im Laufe des Abstimmungskampfs bewegte sich die Diskussion weg von der Gesundheit und hin zur Toleranz gegenüber Rauchern. War das der Schlüssel zum Erfolg?

Büchel: Ich glaube eher, dass die Bevölkerung generell der Meinung ist, dass die Kantone und das Individuum selber entscheiden sollen, was sie wollen und was nicht. Ich selber bin Nichtraucher, und wenn ich in eine Raucherbeiz gehe, tue ich das freiwillig. Aber die Beizer sollen selber entscheiden, ob bei ihnen geraucht werden darf oder nicht. Ausserdem ist die geltende nationale Regelung bereits restriktiv genug.

Wie haben Sie den Abstimmungskampf erlebt?

Büchel: Obschon es um eine emotionale Frage ging, habe ich die Diskussion in der Bevölkerung als sehr sachlich und argumentativ empfunden. Gerade die Lungenliga als Initiantin hat wohl übertrieben mit der starken Emotionalisierung des Themas. Und das ist von den Bürgerinnen und Bürgern offenbar nicht goutiert worden.

Hat die Bevölkerung also genug von immer mehr Bevormundung – selbst dann, wenn sie eigentlich im Interesse ihrer Gesundheit wäre?

Büchel: Ich glaube, dass die Bevölkerung gemerkt hat, dass die Initiative übertrieben war. Sie scheint tatsächlich genug zu haben von immer mehr Bevormundung, und die Leute sind der Meinung, selber Verantwortung übernehmen zu können.

Wo liegt aus Ihrer Sicht denn die Grenze zwischen Entmündigung und Eigenverantwortung des Bürgers in einer freiheitlichen Gesellschaft?

Büchel: In Bezug auf die Raucherdebatte waren die Initianten offenbar der Meinung, die Menschen vor sich selber schützen zu müssen. Aber ein mündiger Bürger ist sehr wohl in der Lage, sich selbst zu schützen. Wir dürfen es nicht zulassen, dass schleichend eine Verbotsgesellschaft aufgebaut wird. Als Nichtraucher werde ich es niemals zulassen, dass in meinem Auto, in meinem Büro oder in meiner Wohnung jemand raucht, weil ich das nicht will. Diese Grenze muss ich aber selber ziehen, das ist nicht Aufgabe des Staats. In den privaten Bereich soll der Staat nicht eingreifen.

Interview: Simon Fischer