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Die Tricks der Krankenversicherung Assura

Einzelne Krankenversicherer versuchen, sich «schlechte Risiken» mit dubiosen Tricks vom Leib zu halten – obwohl sie jeden Interessenten ohne Vorbehalt aufnehmen müssten. Zu den Vorreitern gehört die Billigkasse Assura.
Andreas Weidmann
Die Gemeinden müssen ausstehende Spital- und Arztrechnungen bezahlen. (Archivbild: Tagblatt)

Die Gemeinden müssen ausstehende Spital- und Arztrechnungen bezahlen. (Archivbild: Tagblatt)

Wer sich in diesen Tagen über seine hohe Krankenkassenprämie ärgert und im Internet nach einer billigeren Kasse sucht, stösst vermutlich auf die Waadtländer Assura. Im Web eine Offerte anfordern? Nichts leichter als das – so verspricht es jedenfalls die Assura-Homepage. Beim Waadtländer Versicherer stimmt dies aber nur für gesunde Leute ohne hohe Arzt- und Medikamentenrechnungen, die eine erhöhte Franchise wählen. Sie können die Offerte gleich online anfordern.

Weniger einfach ist die Sache für Personen, bei denen regelmässig hohe Rechnungen anfallen und deshalb die Minimalfranchise von 300 Franken anklicken: Sie werden auf die Telefon-Beratung verwiesen mit der Warnung, dass «zum Jahresende unsere Leitungen unter Umständen überlastet» sind. Dann folgt eine weitere Abschreckung: «Ein Wechsel zur Assura ist kein einfacher Versichererwechsel.»

«Nicht unsere Philosophie»

Wer eine Minimalfranchise benötigt, muss also mit dem Umweg über die telefonische Anmeldung eine zusätzliche Hürde überwinden – und wird gleichzeitig mehr oder weniger direkt gewarnt. Damit können Chronischkranke wie Dialysepatienten, die wissen, dass sie Leistungen beanspruchen werden, von vornherein abgewehrt werden. Der Trick funktioniert nicht nur im Internet: Wer sich bei der Assura mit Hinweis auf hohe Gesundheitskosten telefonisch um eine Offerte mit Minimalfranchise bemüht, wird von der Mitarbeiterin erst einmal abgewimmelt: «Das entspricht nicht unserer Firmenphilosophie.»

Diese Art von Risikoselektion der Krankenkassen ist unzulässig: Jede Kasse ist in der Grundversicherung verpflichtet, alle aufzunehmen, egal, ob krank oder kerngesund. So steht es zumindest im Gesetz. In der Praxis haben ältere Personen jedoch oft Schwierigkeiten, weil sie als «schlechte Risiken» gelten. Interessierte werden von den Versicherern hingehalten, bis die Anmeldefrist verstrichen ist, oder sie werden mit Ausreden abgewimmelt.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) als Aufsichtsbehörde hat deshalb die Versicherer gemahnt, «Personen, die an einer Aufnahme in die soziale Krankenversicherung interessiert sind, ohne Willkür zu beraten». Renitenten Kassen drohte das Bundesamt mit einer Busse von bis zu 5000 Franken.

BAG interveniert

Das Bundesamt werde bei der Assura «intervenieren» und den Versicherer «anmahnen», die Gestaltung seiner Homepage zu ändern, sagte BAG-Sprecher Daniel Dauwalder auf Anfrage. Offen liess er, ob allenfalls eine Busse verhängt werden müsse. Aufgrund des Gesetzes müssten bei der Grundversicherung alle Interessenten gleich behandelt werden.

Dass Assura Interessenten mit Minimalfranchise konsequent abwimmle, sei «nichts Neues», sagt der Geschäftsführer des Internet-Vergleichsdienstes Comparis, Richard Eisler. Assura schliesse bei Umfragen unter den Comparis-Nutzern zur Zufriedenheit mit den Krankenkassen «regelmässig mit schlechten Noten ab». Tatsächlich finden sich im Comparis-Forum etliche Klagen über die Praxis des Versicherers.

Bereits aktenkundig sind die Tricks von Assura auch beim Ombudsmann der Krankenversicherer, Rudolf Luginbühl. Wie das BAG stellt auch Luginbühl klar, dass auch andere Kassen unter den Sündern sind. Um unerwünschte Personen abzuwimmeln, wendeten die Versicherer auch weniger subtile Methoden an. Ihm seien Fälle bekannt, in denen Telefonberater Kunden «ganz direkt abblitzen liessen, sobald der Jahrgang der Person ins Spiel kam».

Vom BAG zur Assura

Was sagt die Assura zu den Vorwürfen? Direktor Daniel Wiedmer bestreitet, dass sein Unternehmen unerwünschte Versicherte abwimmle. Die ungleiche Behandlung der Interessenten begründet er mit dem Assura-Pharmed-Modell, bei dem kassenpflichtige Medikamente nur in Apotheken der «Sun-Store»-Kette gekauft werden dürfen. Diese Apotheken seien nicht überall vertreten, und deshalb sei das Pharmed-Modell für Versicherte mit hohem Medikamentenbedarf je nach Umständen ungeeignet. Darüber müssten sie telefonisch aufgeklärt werden.

Ein Blick auf die Assura-Homepage entlarvt das Argument aber als Vorwand: Dort werden nämlich auch jene Interessenten abgeblockt, die nicht das Pharmed-Modell, sondern die normale Grundversicherung wählen. Vom BAG habe man bisher keine Post erhalten, sagt Wiedmer. Man werde die Argumente prüfen, «und danach sehen wir, was passiert».

Ironie der Geschichte: Der Verfasser des zitierten Kreisschreibens, mit dem das BAG die Kassen zur Ordnung rief, ist Daniel Wiedmer, damals Leiter der BAG-Abteilung für die Aufsicht über die Krankenkassen.

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