Vierfachmord Rupperswil

«Die Tötung weist eher auf Sadismus als auf Pädophilie hin»

Bevor Thomas N. seine Opfer kaltblütig ermordete, verging er sich am 13-jährigen Sohn von Familie Schauer. Ob dahinter eine pädophile Neigung steht, ist aber noch nicht klar.

Fabienne Riklin
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Was genau Thomas N. dazu trieb, vier Menschen zu töten, muss erst noch geklärt werden. (Archivbild)

Was genau Thomas N. dazu trieb, vier Menschen zu töten, muss erst noch geklärt werden. (Archivbild)

/KEYSTONE/PATRICK B. KRAEMER

Die Erkenntnis, dass es sich beim Vierfachmörder um einen bislang unscheinbaren Bewohner aus Rupperswil selbst handelt, hinterlässt bei vielen Ratlosigkeit. Die Frage nach der Motivation drängt sich jetzt noch mehr auf.

Am Freitag gaben die Ermittler bekannt, dass sich Thomas N. am 13-jährigen Sohn der Familie vergangen hatte, bevor er vier Leben auslöschte. Dennoch deute das nicht zwangsläufig auf eine pädophile Neigung hin, wie Monika Egli-Alge in der «Schweiz am Sonntag», betont.

Für die Geschäftsführerin des Forensischen Instituts Ostschweiz sind die extremen Tatumstände dafür eher untypisch. «Pädophile wollen ihre sexuelle Neigung mit Kindern leben und geben an, Kinder auf ihre Weise gern zu haben. Die Tötung der vier Opfer und die sexuellen Übergriffe weisen eher auf eine andere Störung, auf Sadismus, hin», so die Psychologin.

Erst die kommenden Untersuchungen werden zeigen, welcher Zusammenhang zwischen den sexuellen Neigungungen und der Tat von N. besteht. «Es gibt Störungsbilder bei Menschen, bei denen Lust auf Töten motivational eine Rolle spielt», erklärt Monika Egli-Alge.

Sie attestiert dem Täter ein hohes Mass an Berechnung: «Es ist anzunehmen, dass ihm klar war, dass er unrecht handelt. Der Versuch, durch den Brand die Spuren zu verwischen, ist ein deutlicher Hinweis darauf.»

Beachtlich auch ist die grausame Weise, in der N. seine Opfer getötet hat. Obwohl er eine Schusswaffe besass, schnitt er ihnen die Kehle auf. «Diese Form der Tötung verlangt, dass der Täter den Opfern im Tötungsprozess körperlich sehr nahe kommt, sie anfasst und mit Wucht und Gewalt vorgeht, vorgehen muss. Dafür ist die Hemmschwelle höher als für eine Tötung beispielsweise mit einer Schusswaffe.»

Die Untersuchungen werden auch Einfluss darauf haben, welche Strafe Thomas N. erwartet. Aus meiner Sicht wird sich in diesem Fall die Frage einer Verwahrung stellen. Entscheidend dafür wird auch sein, wie hoch die Gefährlichkeit beziehungsweise die Rückfallgefahr eingeschätzt wird und ob der Täter therapierbar ist.»

Wie gross die Chancen für eine erfolgreiche Therapie sind, ist gemäss Monika Egli-Alge unklar: «Es gibt aber Störungsbilder, beispielsweise sexueller Sadismus, deren Beeinflussbarkeit durch Therapie äusserst fraglich ist. (nch/cze)