Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Die Schweizerin am «fremden Gericht»

Helen Keller hat eine steile Karriere hingelegt. Die Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte mischt sich auch in politische Debatten ein.
Maja Briner

Es gebe Fälle, die sie in den Schlaf verfolgten, sagte Keller einmal. Seit fünf Jahren ist sie Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Strassburg. Auch beim Entscheid zum Einsatz von Privatdetektiven durch Unfallversicherer in der Schweiz (siehe Ausgabe von gestern) wirkte sie mit. In ihrer Arbeit muss sie sich aber auch mit Fällen von Polizeigewalt oder Misshandlungen durch Geheimdienste beschäftigen. Als Menschenrechtlerin brauche man in «jeder Hinsicht eine dicke Haut», sagte Keller einmal in einem Interview. In der Tat sorgen die Entscheide der Richter immer wieder für Kritik. Der EGMR mische sich zu stark in innerstaatliche Angelegenheiten ein, heisst es etwa. Keller wiederum moniert regelmässig, die Arbeit des Gerichtshofs werde verzerrt dargestellt. Die Medien würden immer nur jene Fälle aufnehmen, bei denen der EGMR eine Rechtsverletzung feststelle, sagte sie einmal in einem Interview mit unserer Zeitung.

Die Juristin schreckt nicht davor zurück, sich in politische Debatten einzumischen. Die politische Rechte habe in den letzten Jahren mehrere Urteile verunglimpft, kritisierte sie vor gut einem Jahr. Jüngst veröffentlichte sie zusammen mit Co-Autoren in einer Fachzeitschrift ein dreiteiliges Argumentarium gegen die SVP-Initiative «Schweizer Recht statt fremde Richter» («Selbstbestimmungs-Initiative»), die den Vorrang des Landesrechts vor dem Völkerrecht in der Verfassung verankern will. Keller warnt, die Initiative würde zur Kündigung der Menschenrechtskonvention führen und die Schweiz ins wirtschaftliche Abseits manövrieren. Sie fühle sich nicht als «fremde Richterin», sondern als Schweizerin, stellte sie mehrmals klar.

Mit ihrer Arbeit macht sie sich nicht nur Freunde. Ihre Urteile seien «realitätsfremd und abgehoben», Kritiker würden von ihr lächerlich gemacht oder ignoriert, kritisierte etwa die «Weltwoche». Beirren lässt sich Keller dadurch offenbar nicht. Ihr Engagement für die Menschenrechte habe mit ihrer Kindheit zu tun, erklärte sie einst. 1964 in Winterthur geboren, wuchs sie in einer Pflegefamilie auf. Als ihr Pflegevater, ein polnischer Flüchtling, starb, suchte sie den Kontakt zu seinen Verwandten. Mit 17 Jahren reiste sie erstmals nach Polen – als dort das Kriegsrecht herrschte. Die Angst der Menschen sei ihr damals durch Mark und Bein gegangen, sagte sie später.

Sie entschied sich, Jus zu studieren. Nach dem Studium an der Uni Zürich kletterte sie rasch die akademische Leiter hoch, wurde Professorin. 2011 dann der grosse Karrieresprung: Richterin in Strassburg. Seither pendelt die Mutter von zwei Söhnen zwischen Strassburg und der Schweiz. Sie sehe das Amt als Berufung, sagte sie. «Dieses schwierige Amt nimmt man an, weil man der Sache dienen will.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.