Kommentar

Die Schweiz trotzt dem Pisa-Schock

Die Schweizer Schüler haben in der Pisa-Studie unterschiedlich abgeschnitten. Während sie in Mathematik nach wie vor Spitze sind, lagen sie in Naturwissenschaft über und beim Lesen im OECD-Durchschnittsbereich. Ratings sind nicht der Weisheit letzter Schluss.

Kari Kälin
Hören
Drucken
Teilen

Die Organisation für Wirtschaft und Zusammenarbeit (OECD) vermisst regelmässig die Fähigkeiten der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler. Bei jeder neuen Publikation präsentiert sich ein vertrautes Bild: Im internationalen Massstab ist die Schweiz in Mathematik spitze, bei den Naturwissenschaften ziemlich gut, beim Lesen Mittelmass.

Im Jahr 2000, nach der erstmaligen Publikation, brach Hektik aus. Die Schweiz wurde überflügelt von den Asiaten und den Finnen. Die Wortschöpfung «Pisa-Schock» machte die Runde. Inzwischen versetzt die Studie das Land nicht mehr in Alarmstimmung. Die negativen Ergebnisse bei diesem globalen pädagogischen Schönheitswettbewerb haben sich nicht im Alltag niedergeschlagen: Die Schweiz steht wirtschaftlich gut da, die Jugendarbeitslosigkeit ist tief, die Integration von Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln kann sich sehen lassen. Ratings sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Die Pisa-­Studie misst nicht, wie lebenstüchtig Teenager sind, wie sie sich im Berufsleben behaupten – sondern widerspiegelt bloss, wie geschickt sich die 15-Jährigen beim Lösen bestimmter Aufgaben anstellen.

Gänzlich wertlos sind die Ergebnisse aber nicht. Sie bestätigen etwa, dass Kinder mit Migrationshintergrund beim Lesen mehr Mühe bekunden. Das erhöht den Druck auf die Politik, diesem Problem zu begegnen. Zum Beispiel mit gezielter sprachlicher Frühförderung.