Die Risiken ernst nehmen

Die Bedeutung des Rohstoffhandels für die Schweiz ist stark gestiegen. Gleichzeitig warnen Kritiker, die Branche könne nach dem Finanzplatz als nächstes zur Zielscheibe des Auslands werden – etwa mangels Transparenz. Unter Druck hat der Bundesrat gestern eine Auslegeordnung präsentiert.

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Die Bedeutung des Rohstoffhandels für die Schweiz ist stark gestiegen. Gleichzeitig warnen Kritiker, die Branche könne nach dem Finanzplatz als nächstes zur Zielscheibe des Auslands werden – etwa mangels Transparenz. Unter Druck hat der Bundesrat gestern eine Auslegeordnung präsentiert. Das ist primär Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und deren Fürsprechern wie alt Nationalrätin Hildegard Fässler (SP/SG) zu verdanken. Es zeigt, zu welch starken Playern NGO in gewissen Bereichen mittlerweile geworden sind.

Der Bericht ist ein erster Schritt, der die Rolle der Branche und mögliche Massnahmen auflistet. Die Zurückhaltung ist an sich verständlich: Die Schweiz kann Rohstoffstaaten nicht im Sololauf zu Transparenz und weniger Korruption verhelfen. Der Rohstoffreichtum ist für schlechtregierte Länder zwar oft eher Fluch als Segen, weil nur wenige profitieren. Doch wenn die Branche wegen neuer Regeln nach Singapur oder London abwandert, tut die Schweiz bloss etwas fürs Gewissen. Auch Kritiker wollen nicht auf Smartphones verzichten, die aus Rohstoffen aus der dritten Welt hergestellt werden.

Über kurz und lang kann es dennoch nicht bei Berichten und Absichtserklärungen bleiben. Der Druck auf die Schweiz dürfte im Rohstoffbereich zunehmen. Steuerprivilegien für Konzerne sind der EU seit längerem ein Dorn im Auge. Globale Unternehmen, die mittels buchhalterischer Kniffs keine Steuern zahlen, zeugen vom geringen Willen zur Eigenverantwortung. Deshalb ist das mit der Rohstoffbranche verbundene Reputationsrisiko ernst zunehmen und rechtzeitig auf multilaterale Entwicklungen zu reagieren. Sonst droht die Schweiz eines Tages tatsächlich wie beim Finanzplatz mit dem Rücken zur Wand zu stehen – was dem ganzen Standort schaden würde. Tobias Gafafer

tobias.gafafer@tagblatt.ch

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