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Die Prämien bleiben günstiger als andernorts

Die Ostschweizer Gesundheitschefs relativieren den angekündigten Prämienanstieg.

Sie müssen am stärksten bluten: Die Versicherten in Innerrhoden trifft es am härtesten. Ihre Krankenkassenprämien steigen kommendes Jahr überdurchschnittlich an. Diese schlechte Nachricht dürften die Innerrhoderinnen und Innerrhoder verkraften – denn: Ihre Prämien sind trotz des überdurchschnittlichen Anstiegs noch immer die tiefsten in der ganzen Schweiz. Die höchsten Prämien in der Ostschweiz zahlen 2017 die Versicherten aus dem Kanton St. Gallen.

Die Reaktion der Ostschweizer Gesundheitschefinnen und -chefs auf den erneuten Prämienanstieg ist überall dieselbe: Wenig erfreut, aber froh, dass die Ostschweiz mit einem blauen Auge davonkommt. Denn auch für St. Gallen, den Ostschweizer Kanton mit den höchsten Prämien, gilt: Sie sind im nationalen Vergleich immer noch unterdurchschnittlich. «Versicherte in unserem Kanton zahlen gut elf Prozent weniger Prämien als der Durchschnitt in der Schweiz», sagt denn auch die St. Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann. Dann fügt sie an: «Die Prämien für Kinder steigen leider stärker an – stärker auch als im schweizerischen Schnitt.» 6,9 Prozent sind es im Kanton St. Gallen; 6,6 Prozent sind es schweizweit im Durchschnitt. Auch die Innerrhoder Gesundheitschefin Antonia Fässler beschäftigt der «fast zehnprozentige Anstieg» der Kinderprämien. «Die Krankenkassenprämien belasten die Familienbudgets bereits heute erheblich.» Die Kantone hätten nur beschränkte Möglichkeiten, die zusätzlichen Belastungen der Haushalte abzufedern, sagt Antonia Fässler und erwähnt die Prämienverbilligungen. Heidi Hanselmann bremst zu hohe Erwartungen, die höheren Kosten damit dämpfen zu können. «Die Zitrone ist ausgepresst. Leider mussten im Kanton St. Gallen in den vergangenen Jahren bei der Prämienverbilligung starke Einsparungen vorgenommen werden.» Ihre Innerrhoder Regierungskollegin erlaubt sich dann die grundsätzliche Bemerkung: «Es ist für uns nicht verständlich, dass die kantonalen Durchschnittsprämien 2017 derart steigen, dies umso weniger, als gleichzeitig auch die Kostenbeteiligung des Kantons im stationären Bereich ansteigt.»

«Das Verhalten jedes Einzelnen ist massgebend»

Auch wenn die Ostschweiz insgesamt gut wegkommt, Anstiege und Prämien unterdurchschnittlich sind – die Frage nach dem Ende der Fahnenstange beschäftigt dennoch. «Die Krankenkassenprämien entwickeln sich parallel zu den Gesundheitskosten – und bei diesen haben wir auch in Zukunft mit einem Wachstum von rund vier Prozent zu rechnen», sagt etwa Jakob Stark, Chef des Thurgauer Departements für Finanzen und Soziales. Auf die Frage nach den hauptsächlichen Kostentreibern nennt er drei Faktoren: Demographische Entwicklung (Zunahme der älteren Bevölkerung), medizinisch-technischer Fortschritt, Mengenwachstum. Dann meint Stark: «Es gibt in unserem Gesundheitssystem leider kaum Anreize, um Kosten zu vermeiden.» Matthias Weishaupt, Direktor des Ausserrhoder Departements für Gesundheit und Soziales, ortet dieselben Gründe für die steigenden Kosten. Und er fügt an: «Aufgrund des freien Zugangs zu medizinischen Leistungen bestimmen die Patientinnen und Patienten die Entwicklung der Nachfrage.» Und damit auch der Kosten.

Die St. Galler Gesundheitschefin Heidi Hanselmann bringt es auf den Punkt: «Letztlich ist das Verhalten jedes Einzelnen massgebend. Je mehr Leistungen wir beanspruchen, desto höher sind die Kosten und somit auch die Prämien.» Antonia Fässler untermauert dies: «Die Versicherten tragen auch selber Verantwortung, Leistungen nicht ohne Not in Anspruch zu nehmen.»

Leistungen konzentrieren, Abläufe koordinieren

Auf die Frage nach notwendigen Massnahmen, um den steten Prämienanstieg zu bremsen oder gar zu stoppen, antwortet Heidi Hanselmann: Die Kantone seien vor allem im Spitalbereich gefordert. «Leistungen, die nicht oft erbracht werden, sollen konzentriert werden.» Der Kanton St. Gallen habe bei der Gestaltung der Spitallisten sehr genau darauf geachtet, wie häufig die Anbieter welche Leistungen erbringen – und bei fehlenden Mindestfallzahlen Leistungsaufträge auch wieder entzogen.

Die Zusammenarbeit zwischen stationärer und ambulanter Versorgung, zwischen stationärer Pflege sowie Pflege und Hilfe zu Hause liesse sich noch verbessern, sagt Matthias Weishaupt. «Aus Schnittstellen müssen vermehrt Nahtstellen werden.» Seine Innerrhoder Kollegin regt an, Anreize zu schaffen, wenn kostengünstigere Leistungen (ambulant statt stationär) genutzt oder die koordinierte Versorgung gefördert werde. Auch Heidi Hanselmann ist überzeugt, dass die Behandlung besser koordiniert werden könnte. «Doppelspurigkeiten müssen unbedingt vermieden werden, die Fallführung soll in einer Hand liegen.» Und es sei wichtig, die Hausarztmedizin zu stärken. «Der Hausarzt sollte die erste Anlaufstelle sein. Dort sollte die Triage durchgeführt werden.»

Jakob Stark schliesslich meint: «Eine wirkungsvolle Massnahme wäre, den Leistungskatalog der Grundversicherung stärker zu beschränken.» Der Thurgauer Gesundheitschef weiss sehr wohl, dass dieser Ansatz «viele heikle Fragen» aufwirft. Eine Hausaufgabe für die Politik?

Regula Weik

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