Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Schweizer Post vermittelt Beratungen bei der Krankenkasse Concordia – Gesundheitspolitiker sind alarmiert

Die Post empfiehlt ihren Schalterkunden in einem Pilotprojekt Beratungsgespräche bei der Concordia. Gesundheitspolitiker haben keine Freude und drohen mit weiteren Regulierungen.
Christian Glaus
In der Luzerner Hauptpost werden nun auch Krankenversicherungen angeboten. (Bild: Philipp Schmidli)

In der Luzerner Hauptpost werden nun auch Krankenversicherungen angeboten. (Bild: Philipp Schmidli)

Geld einzahlen, Briefe oder Pakete verschicken – und dabei gleich einen Termin für ein Beratungsgespräch mit der Concordia vereinbaren: Die Post agiert neuerdings auch als Vermittlerin für die Krankenkasse. Ein entsprechendes Pilotprojekt läuft in 10 Filialen im Raum Luzern, wo die Concordia ihren Hauptsitz hat. Mit dabei sind auch neun Filialen in der Region Lausanne.

Das Ganze funktioniert so: Kommt ein Kunde an den Schalter, nimmt der Mitarbeiter nicht nur den Brief oder das Paket entgegen. Er fragt auch noch, ob der Kunde an einem Beratungsgespräch mit der Concordia interessiert sei. Ist er einverstanden, werden seine Daten an die Krankenkasse weitergeleitet, damit diese mit ihm Kontakt aufnehmen kann. Zudem erhält der Kunde einen Flyer – und die Kinder als kleines Präsent ein paar Concordia-Aufkleber.

Parlament schränkt Vermittler ein

Das Pilotprojekt wurde vor rund einem Monat gestartet und dauert noch bis Ende Juni, wie die Post Recherchen unserer Zeitung bestätigt. Mediensprecherin Masha Foursova erklärt: «Es handelt sich um einen Markttest. Dabei wird geprüft, ob Kundinnen und Kunden in Post-Filialen Interesse an einer unverbindlichen Beratung durch einen Krankenversicherer haben.» Die Post arbeite immer wieder mit unterschiedlichen Partnern zusammen. So könne man am Postschalter beispielsweise Straf- und Betreibungsregisterauszüge bestellen. Auch preisen dort Post-Mitarbeiter Versicherungen der Mobiliar an. Foursova begründet diese Tätigkeiten mit dem stark rückläufigen Schaltergeschäft seit der Jahrtausendwende.

Der Vorteil der Vermittlung eines Beratungsgesprächs am Postschalter sei, dass der Kunde statt eines anonymen Anrufers ein Gesicht vor sich habe. «Je persönlicher der Kontakt, desto sympathischer», sagt Foursova. Diese Aussage lässt aufhorchen, denn die Anrufe von Vermittlern werden nicht nur von vielen als unsympathisch empfunden. Seit Jahren laufen Bestrebungen, diese zu unterbinden. Erst im Frühjahr haben National- und Ständerat beschlossen, die Telefonanrufe zu verbieten. Zudem werden die Provisionen für Makler gedeckelt, die sich auf jährlich rund 74 Millionen Franken beliefen. Die meisten Krankenversicherer stehen hinter diesem Entscheid.

Weichen nun die Krankenkassen als Konsequenz vom Telefonhörer auf den Post-Schalter aus, notabene eines bundeseigenen Betriebs? Ein Zusammenhang bestehe nicht, schreibt Concordia-Sprecherin Astrid Brändlin auf Anfrage. Erste Gespräche zwischen Krankenkasse und Post seien bereits vor zwei Jahren geführt worden. Die Initiative sei dabei von der Concordia ausgegangen. Die Post könnte mit ihren «kundenorientierten Mitarbeitern und ihrem flächendeckenden Filialnetz helfen, neue Kanäle für den Kontakt mit potenziellen Kunden zu schaffen. Es sei aber nicht die Absicht, einen Teil der 200 Concordia-Agenturen und Geschäftsstellen zu schliessen.

Post erhält für Pilotprojekt keine Provision

Für ihre Vermittlungstätigkeit erhalte die Post während des Markttests von der Concordia «keine Provision und keinerlei finanzielle Entschädigung», hält Brändlin fest. Im Vordergrund stünden die Erfahrungen. Von den Kunden sei die Vermittlung von Beratungsgesprächen bisher positiv aufgenommen worden, heisst es bei der Post.

Der FDP-Ständerat Damian Müller sagt, die Post solle sich auf ihren Leistungsauftrag konzentrieren. (Bild: Anthony Aney/KEY)

Der FDP-Ständerat Damian Müller sagt, die Post solle sich auf ihren Leistungsauftrag konzentrieren. (Bild: Anthony Aney/KEY)

Gesundheitspolitiker reagieren überrascht auf das Pilotprojekt von Post und Concordia. Der Luzerner Ständerat Damian Müller (FDP) fragt sich, ob die Vermittlung eines Beratungsgesprächs zum Service public gehört. An die Adresse der Post sagt er, «sie soll sich auf ihren Leistungsauftrag konzentrieren und diesen so gut wie möglich erfüllen». Deutlich wird er auch gegenüber der Krankenkasse Concordia: «Das Parlament hat klar gesagt, dass es die Vermittlertätigkeiten einschränken will. Wenn die Concordia nun nach neuen Möglichkeiten sucht, riskiert die Branche weitere Regulierungen.»

«So kommt Post nie aus den negativen Schlagzeilen»

Auch CVP-Ständerat Konrad Graber ist von der Idee nicht begeister. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

Auch CVP-Ständerat Konrad Graber ist von der Idee nicht begeister. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

Gleicher Meinung ist der Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber, der Mitglied der Gesundheits- und Sozialkommission sowie der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen ist. Er findet das Pilotprojekt «sehr heikel – gerade im Kontext der Diskussionen über das Verbot der Telefonvermittlung und der Maklerprovisionen». Das Telefon könne man immerhin noch aufhängen. Hingegen sei der Gang zum Postschalter in gewissen Fällen unausweichlich. Diese Stellung dürfe sie nicht für Vermittlertätigkeiten ausnützen. «Wenn die Post so weitermacht, kommt sie nie mehr aus den Schlagzeilen.»

Die Aargauer SP-Ständerätin Pascale Bruderer hat das Verbot der Telefonvermittlung mit einem Vorstoss ins Rollen gebracht. Die Vermittlung am Postschalter sei mit der oft sehr aggressiven Kaltakquise am Telefon nicht direkt vergleichbar, sagt sie. «In Frage stelle ich aber, ob es sich für die Post auszahlt, ihre traditionell hohe Vertrauenswürdigkeit am Schalter für diesen Dienst zu Verfügung zu stellen.» Bruderer kann sich nicht vorstellen, dass die Vermittlung von Krankenkassen gut ankommt bei den Kunden der Post. «Ich gehe davon aus, dass es negative Rückmeldungen geben wird und sich die Sache somit rasch selbst regulieren wird – ohne staatliche Eingriffe.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.