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Pestizid-Skeptiker in der FDP
sorgen für Verwunderung

Die Klima-Umfrage der FDP zeigt Erstaunliches: Zwei Drittel der Befragten sprechen sich für ein Verbot von Pestiziden aus. Bauernvertreter der FDP sind überrascht – und relativieren.
Maja Briner
Ein Rapsfeld wird mit Pestiziden besprüht. Bild: Hans Blossey/Keystone

Ein Rapsfeld wird mit Pestiziden besprüht. Bild: Hans Blossey/Keystone

Für gewöhnlich scheut die FDP Verbote wie der Teufel das Weihwasser. Umso überraschender ist, was die Basisbefragung zur Umwelt- und Klimapolitik ans Licht bringt: Eine klare Mehrheit spricht sich darin für ein Verbot von Pestiziden in der Lebensmittelproduktion aus. 64 Prozent der Befragten erklärten sich eher oder sehr einverstanden damit. Und eine überwältigende Mehrheit von fast 90 Prozent findet, der Pestizideinsatz müsse reduziert werden – selbst wenn dadurch der Ertrag sinke.

Die Initianten der beiden hängigen Anti-Pestizid-Volksbegehren dürften sich über diese Zahlen freuen. Bauernnahe Vertreter der FDP zeigen sich hingegen erstaunt über die Ergebnisse der Umfrage. «Das ist für mich unverständlich», sagt FDP-Nationalrat Bruno Pezzatti, früherer Direktor des Schweizer Obstverbandes. Er könne sich die Resultate nur damit erklären, dass die Befragten zu wenig gut informiert seien. «Das Wort Pestizide ist sehr negativ belegt», sagt er. In der Obstwirtschaft spreche man von Pflanzenschutzmitteln. Mit gutem Grund, wie der Zuger sagt, denn: «Wer sich informiert, sieht, dass die Landwirtschaft auf gewisse Hilfsmittel angewiesen ist, um Pflanzen vor Krankheiten zu schützen.» Diese wirkten «wie Medikamente in der Humanmedizin».

«Mit Vorsicht zu geniessen»

Den gleichen Vergleich zieht auch FDP-Nationalrat Jacques Bourgeois heran, der Direktor des Schweizer Bauernverbands. Er sagt: «Uns ist bewusst, dass wir den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter reduzieren müssen.» Es sei aber nicht so, dass man bisher nichts getan habe. Bourgeois verweist darauf, dass die Verkaufsmenge der Herbizide seit 2008 um 29 Prozent zurückgegangen ist. Derzeit strebe man mit dem Aktionsplan Pflanzenschutzmittel weitere Reduktionen an.

Die Basis-Befragung ist für die FDP nicht bindend; unklar ist zudem, wie repräsentativ sie ist. «Umfragen sind immer mit Vorsicht zu geniessen», sagt Pez­zatti. Tatsächlich haben nur knapp 6000 der 14000 Teilnehmenden die Fragen zu den Pestiziden beantwortet – möglicherweise genau jene, denen das Thema besonders am Herzen liegt.

Dennoch ist die Umfrage ein weiterer Hinweis darauf, wie verbreitet die Skepsis gegenüber Pflanzenschutzmitteln in der Bevölkerung ist. Deutlich hatte sich dies bei der Trinkwasser-Initiative gezeigt, die vergangenes Jahr eingereicht wurde: Sie kam ohne grosse Partei oder Organisation im Rücken zustande. Die Initiative verlangt unter anderem, dass nur noch jene Bauern Subventionen erhalten, die keine Pestizide einsetzen. Ein zweites Volksbegehren, das ebenfalls kommendes Jahr an die Urne kommen dürfte, fordert ein generelles Verbot von synthetischen Pestiziden.

Bauernverband lanciert Informationsoffensive

Der Bauernverband bekämpft beide Initiativen. Ohne Pflanzenschutzmittel würden die Erträge deutlich sinken, so dass mehr Lebensmittel importiert werden müssten, warnt er. Die verbreitete Skepsis hat den Verband offensichtlich aufgeschreckt: Mitte Mai startet er eine Informationsoffensive. Man wolle der Bevölkerung «die Hintergründe und Zusammenhänge der landwirtschaftlichen Produktion wieder näherbringen und Leistungen aufzeigen», schreibt der Bauernverband. 800 000 Franken soll die Vorkampagne kosten.

Machen die Initiativen den Bauernverband nervös? Nein, sagt Präsident Markus Ritter. «Wir sind aber der Meinung, dass bei sehr anspruchsvollen Themen eine vertiefte Information der Bevölkerung notwendig ist», erklärt der St. Galler CVP-Nationalrat. Die Initiativen zeugten davon, dass die Menschen sich intensiv mit der Landwirtschaft auseinandersetzten. Das sei auch gut so, findet Ritter: «Wir wollen die Fragen beantworten und auch diskutieren. Wir haben nichts zu verstecken.»

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